Außenseiter
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Lok Stendal überrollt FC Fürth - Thiele und Schaller glänzen beim 0:4

Manchmal beginnt ein Fußballspiel, und man weiß nach fünf Minuten: Das wird ein langer Abend. So geschehen am Valentinstag in Fürth, wo der FC Fürth seinem Publikum ein Spiel bot, das eher an einen kollektiven Liebeskummer erinnerte. 3186 Zuschauer sahen im heimischen Stadion ein 0:4-Debakel gegen ein entfesseltes Team von Lok Stendal - und vermutlich wünschten sich viele schon zur Halbzeit, sie hätten lieber Netflix eingeschaltet.

Dabei war das Drehbuch eindeutig: Fürth startete mit offensiver Ausrichtung, Coach Fabio Busch hatte Mut versprochen. "Wir wollten früh draufgehen", sagte er später, "aber irgendwie sind wir dabei wohl am Ball vorbeigelaufen." Schon in der 3. Minute schlug der 17-jährige Marwin Thiele eiskalt zu - nach Vorarbeit von Lokman Dursun, der mit einem butterweichen Pass die komplette Fürther Abwehr in Schockstarre versetzte. 0:1, und die Gäste hatten Blut geleckt.

Keine zehn Minuten später - erneut Thiele. Diesmal nach einem schnellen Doppelpass mit Wilhelm Korn. Der junge Stürmer blieb cool, schob den Ball mit der Selbstverständlichkeit eines Routiniers ins Netz und rannte jubelnd in die Arme seiner Teamkollegen. "Ich hab einfach gemacht, was der Trainer gesagt hat: schießen, wenn’s passt", grinste Thiele nach dem Spiel. Fürth schien in dieser Phase eher Zuschauer im eigenen Stadion zu sein.

In der 20. Minute wurde es dann endgültig grotesk: Rechtsverteidiger Horst Schaller, 34 Jahre jung und normalerweise eher fürs Grätschen als fürs Treffen zuständig, fasste sich ein Herz und drosch den Ball aus gut 25 Metern unhaltbar in den Winkel. Später meinte er: "Ich wollte eigentlich flanken, aber der Ball hat sich’s anders überlegt." Das Publikum quittierte den Treffer mit einem kollektiven Stöhnen - 0:3 nach zwanzig Minuten, das tat weh.

Stendal spielte weiter wie im Rausch: 16 Torschüsse insgesamt, 59 Prozent Ballbesitz, dazu eine Zweikampfquote, die zeigte, wer hier Herr im Haus war. Fürth kam auf zwei zaghafte Abschlüsse - einer davon in der 39. Minute durch Innenverteidiger Nevio Seifert, der den Ball so weit über das Tor setzte, dass er vermutlich in einem anderen Landkreis landete.

In der zweiten Halbzeit versuchte Busch, seine Männer neu zu motivieren. Man sah ihn wild gestikulierend an der Seitenlinie, als wollte er den Ball mit purer Willenskraft ins gegnerische Tor zwingen. Aber Lok Stendal verwaltete das Ergebnis souverän, ohne in den Verwaltungsmodus zu verfallen. Trainer Timo Hesse, ein Mann mit stoischer Ruhe, erklärte hinterher: "Wir wollten einfach weiter Fußball spielen. Kein Hexenwerk, nur klare Pässe."

In der 53. Minute bekam Fürths Felix Le Tallec Gelb - vielleicht aus Frust, vielleicht weil er einfach mal etwas Farbe ins Spiel bringen wollte. Auch Stendal sah später Gelb, Jannik Wurst in der 70. - aber das änderte wenig an der Gesamtrichtung: Die Lok rollte weiter.

Kurz vor Schluss, in der 88. Minute, setzte erneut Horst Schaller den Schlusspunkt mit seinem zweiten Treffer. Wieder war Dursun beteiligt, wieder war Fürths Defensive irgendwo zwischen Überforderung und Resignation unterwegs. 0:4 - ein Ergebnis, das auch in dieser Höhe verdient war.

Nach dem Abpfiff sprach Schaller mit einem Grinsen über seine "neue Leidenschaft fürs Toreschießen" und deutete sogar an, künftig vielleicht als Stürmer aufzulaufen. Trainer Hesse schüttelte lachend den Kopf: "Solange er hinten dichtmacht, darf er vorn auch mal träumen."

Fürth-Coach Busch hingegen suchte nach Worten. "Wir müssen das analysieren", murmelte er, "aber heute war einfach zu wenig von allem da." Kapitän Seifert ergänzte sarkastisch: "Immerhin hatten wir frische Luft und Flutlicht."

Die Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit höflichem Applaus - oder war es Mitleid? Fakt ist: Mit dieser Leistung wird es für den FC Fürth schwer, in der Oberliga C oben mitzuspielen. Lok Stendal dagegen zeigte, dass Erfahrung und jugendlicher Elan sich hervorragend ergänzen können - Thiele, der 17-Jährige, und Schaller, der 34-Jährige, symbolisierten das eindrucksvoll.

Am Ende dieses einseitigen Abends blieb ein Satz, den man von einem älteren Zuschauer auf der Tribüne hörte: "Wenn das so weitergeht, wird Fürth bald zur Sehenswürdigkeit - aber nur für gegnerische Torjäger."

Ein bitterer, aber vielleicht heilsamer Abend für die Hausherren. Und für Lok Stendal? Ein Festspiel. Oder, um es mit Trainer Hesse zu sagen: "Manchmal läuft’s einfach. Da kannst du nix falsch machen - außer vielleicht zu früh feiern."

19.08.643990 00:05
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