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Ein kalter Februarabend, Flutlicht, 3.901 Zuschauer im Stadion am Hölzchen - und am Ende ein Spiel, das Lok Stendal so schnell nicht vergessen wird. Oder besser gesagt: gern vergessen würde. Mit 1:4 verlor die Mannschaft aus der Altmark gegen den FK Pirmasens, der von der ersten Minute an zeigte, dass man auch in der Oberliga C Fußball arbeiten kann - effizient, eiskalt, und mit einem Hauch südwestdeutscher Lässigkeit. Dabei sah es in den ersten Minuten gar nicht so schlecht für Stendal aus. 55 Prozent Ballbesitz, die Pässe liefen ordentlich, das Publikum hoffte auf einen dieser Abende, an denen der Außenseiter das Spiel seines Lebens macht. Doch diese Hoffnung hielt exakt 14 Minuten. Dann legte Pirmasens los wie ein Uhrwerk. Erst traf Alex Coviello nach einem blitzsauberen Zuspiel von Kornej Babinow - ein Angriff, so lehrbuchhaft, dass der DFB ihn in die Trainerausbildung aufnehmen könnte. Eine Minute später folgte der nächste Nadelstich: Innenverteidiger Tiago Gomes köpfte nach einer Ecke von Hugo Alves das 0:2. Da standen viele Stendaler noch beim Jubel über den ersten Gegentreffer. "Wir haben kurz den Faden verloren", erklärte Lok-Kapitän Maximilian Engelhardt später, "und dann war der Faden weg." Treffender lässt sich das erste Durchgangsdrama kaum zusammenfassen. Stendal kam zwar zu einzelnen Chancen - Yannick Kluge prüfte den Pirmasenser Keeper Dennis Frei in der 26. Minute - aber gefährlich wurde es selten. Stattdessen kassierte der 19-jährige Knut Kraus noch Gelb, offenbar frustriert über eine verpasste Offensivaktion. Trainerin Gudrun Schweitzer vom FK Pirmasens stand derweil an der Seitenlinie, als wüsste sie schon, wie das Ganze ausgeht. "Wir haben früh gemerkt, dass Lok uns Raum lässt. Da darf man nicht schüchtern sein", grinste sie nach dem Spiel. Ihre Mannschaft war das Gegenteil von schüchtern. 21 Torschüsse, davon vier drin - das nennt man wohl Effizienz. Nach der Pause änderte sich wenig. Pirmasens blieb offensiv, Stendal blieb bemüht. In der 55. Minute besiegelte Dani Tabenkin mit dem 0:3 die Niederlage, wieder nach Vorarbeit von Hugo Alves. Lok-Torhüter Alexander Esser warf sich zwar heldenhaft in den Schuss, aber der Ball klatschte über seine Handschuhe hinweg ins Netz. "Ich hab den Ball gesehen - und dann war er weg", seufzte Esser später. Pirmasens ließ in der Folge etwas Tempo raus, wechselte taktisch kaum, blieb aber bissig. Die Gäste spielten weiterhin auf Konter, ließen Lok kommen - und Lok kam. Kam und scheiterte. Knut Kraus vergab in der 74. Minute die vielleicht größte Chance des Spiels, als er allein auf Keeper Frei zulief und den Ball in den klaren Himmel von Stendal beförderte. Von der Tribüne hallte ein kollektives "Ooooh", das wohl bis Magdeburg zu hören war. In der 91. Minute setzte der eingewechselte Müjdat Öztürk schließlich den Deckel drauf. Nach Pass von Babinow versenkte er den Ball humorlos zum 0:4. "Da war einfach Platz", erklärte er lakonisch, "und wenn Platz ist, dann schieß ich halt." Ein Satz, der seine Karrierephilosophie wohl ziemlich genau beschreibt. Das Ehrentor für Stendal gelang Markus Smith in der 94. Minute - spät, aber verdient. Nach schöner Vorbereitung von Engelhardt traf er per Drehschuss zum 1:4-Endstand. Der Jubel war freundlich, mehr aus Mitleid als aus Euphorie. In der Statistik bleibt Lok Stendal immerhin der Ballbesitzkönig - 55 Prozent, das klingt schön, wenn man das Ergebnis nicht kennt. Pirmasens hatte weniger vom Ball, dafür mehr vom Spiel. Die Gäste verdienten sich den Sieg durch gnadenlose Präzision und kluge Taktik: offensiv, konterstark, nie hektisch. "Wir waren effizienter, das ist alles", kommentierte Coach Schweitzer trocken. Ihr Kollege auf Stendaler Seite - der Name blieb in der Pressekonferenz ungenannt, vielleicht absichtlich - fasste das Spiel in einem Satz zusammen: "Manchmal ist Fußball wie ein kalter Februarwind: Er trifft einen da, wo’s weh tut." Und das tat er. Vier Gegentore, ein Trosttreffer und die Erkenntnis, dass Ballbesitz noch keine Punkte bringt. Die 3.901 Zuschauer gingen dennoch mit einer gewissen Gelassenheit nach Hause. Einer rief beim Hinausgehen: "Nächstes Mal wird’s besser!" - und ein anderer antwortete: "Schlechter geht ja kaum." Ein bitterer, aber ehrlicher Fußballabend in Stendal. Und irgendwo, in der Kabine von Pirmasens, summte Gudrun Schweitzer vielleicht leise: "So spielt man auswärts." Ironischerweise. (600 Wörter) 15.07.643990 05:12 |
Sprücheklopfer
Der Trainer wird uns schon auf den Boden zurückholen. Morgen wird es den längsten Waldlauf der Geschichte geben!
Jan-Aage Fjörtoft bei Eintracht Frankfurt unter Felix Magath nach einem 4:0-Sieg