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Ein Fußballabend, der die Fans zwischen Euphorie und Nervenzusammenbruch pendeln ließ: Türkgücü Karsspor besiegte am 18. Spieltag der 1. Liga Türkei den favorisierten Kaiserspor mit 4:3 (3:2). 40.641 Zuschauer im Karsspor-Stadion erlebten ein Offensivfeuerwerk, das selbst die Anzeigetafel ins Schwitzen brachte. Schon in den ersten Minuten war klar: Hier wird nicht lange gefackelt. Kaiserspor begann, als wolle man dem Heimteam gleich sämtliche Angriffslust austreiben. Und tatsächlich - in der 9. Minute vollstreckte Rikard Ohlson eiskalt nach Vorarbeit von Felipe Salinas. Trainer Mehmet Dogan riss die Arme hoch, als hätte er den Sieg schon eingetütet. "Wir wollten früh zeigen, dass wir es ernst meinen", erklärte er später mit leicht ironischem Unterton. Doch Türkgücü antwortete, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Nur drei Minuten später brach Aygün Göktan durch die Abwehr, nachdem der junge Lokman Bilgin ihn mustergültig bedient hatte - 1:1. Die Fans tobten. "Ich hab’ einfach gespürt, dass der Ball reingeht", grinste Göktan nach dem Spiel, während er sich mit einem Handtuch den Schweiß aus dem Gesicht wischte. Und weil das Heimteam gerade so schön in Fahrt war, legte Emilio Solana in der 15. Minute nach. Ein Abwehrversuch von Taci Topuz landete irgendwie bei Solana, der den Ball aus kurzer Distanz unter die Latte drosch - 2:1. Kaiserspor wirkte kurz konsterniert, antwortete aber durch Pieter Van Schoonhoven (19.), der eine butterweiche Flanke von Ohlson verwertete. 2:2. Doch der erste Durchgang hatte noch ein Kapitel übrig: der 20-jährige Lokman Bilgin, Türkgücüs aufstrebender Flügel, krönte seine starke Leistung mit einem wuchtigen Schuss nach Vorlage von Göktan - 3:2. "Ich dachte, ich bin zu jung, um so was zu entscheiden", witzelte Bilgin später. "Aber der Ball hat’s wohl anders gesehen." Nach dieser ersten Halbzeit hätte man meinen können, die Spieler würden in der Kabine Sauerstoffzelte brauchen. 51 Prozent Ballbesitz für Türkgücü, 16 Torschüsse für Kaiserspor - das war kein taktisches Schachspiel, das war Straßenfußball mit Lizenz zum Drama. In Hälfte zwei versuchte Dogans Elf, das Spiel an sich zu reißen, doch Türkgücü verteidigte mit allem, was Beine hatte - und manchmal auch mit Händen, wie Schiedsrichter Yazici ahnte, aber großzügig übersehen mochte. Gelb gab’s trotzdem: Carl Garcia (5.) und später Joan Granero (82.) durften sich über Verwarnungen freuen. Je länger das Spiel dauerte, desto lauter wurde das Murmeln auf den Rängen. Kaiserspor drängte, Türkgücü lauerte. In der 91. Minute kam, was kommen musste: Salvador Antunez traf zum 3:3, nach einer feinen Vorlage von Jakub Licka. Die Gäste jubelten, als hätten sie den Pokal gewonnen - und das Publikum schwieg eine Sekunde lang ungläubig. Doch wer Türkgücü Karsspor kennt, weiß: Aufgeben ist keine Option. In der Nachspielzeit, als viele schon den Punkt fest einkalkulierten, zog der junge Granero im Mittelfeld an, passte auf - natürlich - Lokman Bilgin. Der nahm Maß, zielte und traf. 96. Minute. 4:3. Die Bank explodierte, Trainer Akin Nasa sprintete die Seitenlinie entlang, als wolle er selbst noch mitspielen. "Das war pure Emotion. Ich wusste gar nicht, dass ich so schnell laufen kann", lachte Nasa später. Kaiserspor konnte es kaum fassen. "So ein Spiel verlierst du nicht oft - aber wenn, dann genau so", stöhnte Dogan. Mit 16 Torschüssen und 52 Prozent Zweikampfquote stand seine Mannschaft statistisch gar nicht so schlecht da, doch Fußball wird bekanntlich nicht auf Excel-Tabellen entschieden. Für Türkgücü war es ein Sieg der Moral und der Jugend. "Wir haben Herz gezeigt", sagte Topuz, der Abwehrveteran, der Bilgin nach dem Schlusspfiff in die Arme schloss. "Er ist zwanzig, aber heute hat er gespielt wie ein alter Hase." Das Stadion leerte sich nur zögerlich. Viele Fans blieben, um den Matchwinner zu feiern, der irgendwann im Trubel sein Trikot verlor. Ein älterer Fan fasste es treffend zusammen: "Ich wollte eigentlich früh nach Hause. Jetzt will ich gar nicht mehr gehen." Am Ende bleibt ein Spiel, das in die Annalen von Karsspor eingehen dürfte: sieben Tore, zwei Gelbe Karten, ein nervenzerrüttender Schlussakt - und ein Held namens Lokman Bilgin. Ein kleiner Rat an den nächsten Gegner: Vielleicht vorher die Herztabletten bereitlegen. 03.04.2026 23:49 |
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Lothar Matthäus