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London Blues siegen in Sheffield - Effektivität schlägt Ästhetik

31.313 Zuschauer hatten sich an diesem kühlen Januarabend im Stadion des FC Sheffield versammelt, um Fußball zu sehen - und sie bekamen tatsächlich welchen zu sehen. Nur leider endete das Ganze für die Gastgeber mit einem Ergebnis, das so gar nicht zum Spielverlauf passen wollte: 1:2 (1:1) hieß es am Ende gegen die London Blues, die mit weniger Ballbesitz, weniger Torschüssen, aber mehr Zielstrebigkeit die Punkte entführten.

Sheffield begann forsch, kontrollierte das Spiel, ließ den Ball laufen, als wäre er aus Porzellan. 57 Prozent Ballbesitz, 19 Torschüsse - das liest sich wie ein Lehrbuch für dominantes Spiel. Doch wie so oft im Fußball: Die Statistik gewinnt keine Spiele.

Schon in der 18. Minute schien alles nach Plan zu laufen. Jonas Van Remoortere, der flinken Flügelflitzer aus Belgien, wurde von Samuel Hoskins bedient und vollendete eiskalt ins linke Eck. 1:0, die Sheffield-Fans jubelten, Bierbecher flogen, irgendjemand spielte auf der Tribüne schon "We are the champions" - zu früh, wie sich herausstellen sollte.

Denn kaum war der Torjubel verklungen, glich London im direkten Gegenzug aus. Nur eine Minute später, in der 19., zog Teodor Michaelsen aus der Distanz ab - und der Ball zappelte im Netz. Amaury Miguel hatte ihn wunderbar freigespielt, Sheffield-Keeper Ingvar Afzelius streckte sich vergeblich. "Ich hab’ den gar nicht kommen sehen", murmelte der Torhüter später, halb entschuldigend, halb ratlos.

Danach entwickelte sich ein Spiel, das wie eine Dauerbelagerung aussah. Sheffield kombinierte, flankte, schoss - und der Ball wollte einfach nicht mehr rein. Lucas Lansbury prüfte den Torwart in der 3. Minute, Pieter Vrooman verfehlte knapp in der 34., und Jonas Van Remoortere traf in der 30. Minute nur das Außennetz. London stand tief, verteidigte zäh, und wenn mal Platz war, konterte es brandgefährlich.

"Wir haben uns auf Konter verlegt", erklärte Blues-Coach Guido Träger trocken. "Manchmal ist weniger Ballbesitz eben mehr." Und tatsächlich: Kaum hatte die zweite Halbzeit begonnen, schlug sein Team erneut zu. Wieder war es Teodor Michaelsen, der in der 48. Minute nach Vorarbeit von Amaury Miguel eiskalt blieb. 1:2 - und plötzlich war es still im Stadion, als hätte jemand den Ton abgedreht.

Sheffield-Coach Erich Speithvenne reagierte wild gestikulierend an der Seitenlinie, schrie Anweisungen, die seine Spieler offenbar in ein anderes Dialektgebiet übersetzten. "Wir wollten ruhig bleiben", sagte er später mit einem schiefen Lächeln, "aber innerlich habe ich gekocht."

Die Gastgeber warfen danach alles nach vorn. Van Remoortere hatte in der 63. und 73. Minute erneut gute Chancen, Leo Forsythe drosch den Ball aus 20 Metern über die Latte, und Clément Melis scheiterte in der 71. haarscharf am glänzend reagierenden London-Keeper Franck Besserer.

Der hielt, was zu halten war, und noch ein bisschen mehr. "Ich hatte den Eindruck, der Ball wollte einfach zu mir", grinste Besserer nach dem Spiel, als er sich von seinen Mitspielern feiern ließ.

Sheffield kämpfte, London lauerte - und als es in der 90. Minute noch einmal gefährlich wurde, war es Amaury Miguel, der mit einem letzten Schuss fast den Deckel draufmachte. Dann war Schluss. London jubelte, Sheffield blieb konsterniert zurück.

Zwei Gelbe Karten - Leo Forsythe (53.) und Caio Da Cru (66.) - sowie eine Verletzung von Doppeltorschütze Michaelsen rundeten das Geschehen ab. Letzterer humpelte in der 57. Minute vom Platz, wurde durch Domingo Galindo ersetzt. "Er hat was am Knöchel", sagte Trainer Träger, "aber ich glaube, er lacht schon wieder."

Während die Blues ihren knappen Auswärtssieg feierten, blickten die Sheffield-Fans leicht gequält auf die Anzeigetafel. 19:10 Torschüsse, 57 Prozent Ballbesitz, bessere Zweikampfquote - und dennoch null Punkte. Fußball kann grausam sein.

"Wir haben alles gemacht, außer das Tor getroffen", meinte Van Remoortere sarkastisch. "Vielleicht sollten wir das Tor beim nächsten Mal breiter malen."

So blieb es bei einem Abend, an dem Effizienz die Ästhetik besiegte. London Blues nahmen drei Punkte mit, Sheffield blieb nur der Applaus der eigenen Fans - und das leise Murmeln: "So schlecht war’s ja gar nicht."

Oder, wie Trainer Speithvenne es trocken formulierte: "Wenn Schönheit zählte, hätten wir gewonnen. Aber leider zählt der Ball im Netz."

Ein Satz, der wohl noch lange nachhallen wird - zumindest bis zum nächsten Heimspiel.

18.03.643987 00:12
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