// Startseite
| Football Today |
| +++ Sportzeitung für England +++ |
|
|
|
Ein nasskalter Abend in London, Flutlicht, 32.948 Zuschauer - und ein Spiel, das alles hatte, was den Fußball so schmerzhaft schön macht: Hoffnung, Überlegenheit, und am Ende doch ein bitteres 2:3 aus Sicht der London Blues gegen clever konternde Gäste von Stoke City. "Das ist Fußball. Du kannst alles richtig machen und trotzdem verlieren", knurrte Blues-Coach Guido Träger nach Schlusspfiff. Dabei sah es lange so aus, als würde sein Team den Sieg schon in der Tasche haben. Von Beginn an drückten die Blues aufs Tempo, dominierten Ball und Gegner. 54 Prozent Ballbesitz, 20 Torschüsse - die Statistik sprach eindeutig Londonisch. Besonders Ophir Arens, der quirlig-unkontrollierbare Rechtsaußen, brachte die Stoke-Abwehr früh ins Schwitzen. Bereits in der 23. Minute belohnte er sich: Nach einem blitzsauberen Zuspiel von Azmi Ehrlich zog Arens trocken ab - 1:0. Das Stadion jubelte, Bierbecher flogen (manche absichtlich, manche nicht), und Träger klatschte zufrieden in Richtung seiner Bank. Stoke City hingegen wirkte in der ersten Halbzeit wie ein Team, das den Weg nach London nur halb freiwillig angetreten hatte. Kein Pressing, wenig Zugriff, kaum Struktur. "Wir waren zu brav", gab Gästecoach Horst Fiedler später zu. "Ich habe in der Pause gesagt: Wenn ihr schon verliert, dann wenigstens mit Gras zwischen den Zähnen." Offenbar wirkte die Ansprache Wunder. Denn kaum hatte die zweite Halbzeit begonnen, kippte das Spiel. Innerhalb von zwei Minuten drehte Stürmer José Duran den Spielstand auf den Kopf. Erst in der 48. Minute nach Flanke von Hugo Chalana per Kopf, dann gleich darauf nach Doppelpass mit Rechtsverteidiger Pedro Ruy. Zwei Schüsse, zwei Tore - Effizienz in Reinkultur. "Ich habe einfach instinktiv geschossen", grinste Duran später. "Und als der zweite drin war, habe ich überlegt, ob ich mein Trikot ausziehe. Aber dann fiel mir ein, dass ich dafür Gelb kriege - also lieber gelassen." Die Blues reagierten, wie man es von einem offensiv denkenden Team erwartet: mit wütenden Angriffen. Arens, Jurcevic, Balta - sie alle feuerten, was das Leder hergab. Doch Stoke verteidigte mit Leidenschaft, manchmal auch mit etwas zu viel davon: In der 87. und 88. Minute kassierten Alex Dominguez und Pedro Ruy Gelb, weil sie ihre Grätschen offenbar mit Vorschlaghammer-Technik ausführten. Guido Träger brachte in der 69. Minute den frischen Spiridon Aldonin - ein Versuch, das Spiel noch einmal zu öffnen. Und tatsächlich: In der 84. Minute gelang der Ausgleich. Wieder war es Arens, diesmal nach einem feinen Zuspiel von Domingo Galindo. Ein kurzer Jubelorkan, der altehrwürdige Stamford Park bebte. "Da dachte ich, jetzt reißen wir’s noch", sagte Träger. Doch Fußball liebt Ironie. In der 89. Minute, während die Blues auf den Sieg drängten, schlug Stoke noch einmal zu. Der eingewechselte Marco Travassos, von der Bank gekommen, um frischen Wind zu bringen, traf nach Pass des 18-jährigen Samuel Grantham. Ein Schuss, ein Stich ins Herz der Londoner. 3:2 für Stoke - und Schweigen im Stadion. "Das war so ein Moment, in dem du weißt: Heute wird’s nichts mehr", meinte Blues-Kapitän Davor Jurcevic später mit hängenden Schultern. Träger versuchte, seine Mannschaft noch einmal nach vorne zu peitschen, stellte auf volles Pressing um - doch der Ball wollte nicht mehr rein. Nach Abpfiff klatschte Horst Fiedler die Fäuste in die Luft, während sein junger Keeper Simcha Amir (zur Pause für den 17-jährigen Adam Perlman gekommen) die Arme gen Himmel streckte. "Das war ein Sieg des Glaubens", philosophierte Fiedler. "Und ein bisschen auch der Angst - wir hatten nämlich richtig Schiss nach dem 2:2." Während Stoke jubelte, blieb den Blues nur der Trost, das schönere Spiel gemacht zu haben. 20 Torschüsse, zwei Tore, zwei Gelbe Karten - und null Punkte. Arens, der Doppel-Torschütze, fasste es mit müdem Lächeln zusammen: "Wenn Schönheit zählen würde wie Tore, hätten wir 6:3 gewonnen." Bleibt die Erkenntnis: Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. Manchmal gewinnt eben der, der den letzten Schuss wagt - und trifft. Und wenn Guido Träger heute Nacht schlecht schläft, dann wahrscheinlich, weil er weiß: Er hat eigentlich alles richtig gemacht. Nur eben nicht das Ergebnis. Und irgendwo in Stoke wird Horst Fiedler leise grinsen - vielleicht mit einem Pint in der Hand und dem Gedanken: "Auswärtsdrei sind die besten drei." 09.04.643987 14:13 |
Sprücheklopfer
Sammy geht nach dem Sonnenstand. Die Sonne stand heute morgen für ihn zu tief, um schon aufzustehen.
Ottmar Hitzfeld als Trainer des FC Bayern München über Sammy Kuffour, der nach der Zeitumstellung am Sonntag eine Stunde zu spät zum Training erschien