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Wenn 28.295 Zuschauer in Longford auf den Tribünen stehen, dann weiß man: Das Flutlicht wird heute nicht nur den Rasen, sondern auch die Emotionen erhellen. Longford United schlug Dublin United am 13. Spieltag der 1. Liga Irland mit 2:1 (2:0) - ein Ergebnis, das auf dem Papier knapp aussieht, aber in Wahrheit eine Geschichte von Leidenschaft, Zittern und einem Torwart erzählt, der mehr Bälle fing als ein Jongleur auf Speed. Schon in den ersten Minuten war klar, dass Longford United an diesem Abend nichts dem Zufall überlassen wollte. Trainer Philipp Dev hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt - "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen spielen, als hätten sie Schulden beim Publikum", grinste Dev nach Schlusspfiff. Die Spieler taten ihm den Gefallen. Bereits in der 2. Minute prüfte Luke Yeates den Dubliner Keeper Iwan Kowaltschuk mit einem satten Schuss. Der Ball wurde pariert, aber das war das Startsignal für eine erste Halbzeit, in der Longford das Spiel dominierte. In der 24. Minute fiel dann das erste Tor: Andrew Duff, der linke Flügelstürmer, zog nach einem feinen Zuspiel von Tyler Chamberlain in die Mitte, tanzte zwei Verteidiger aus und schob den Ball eiskalt ins kurze Eck - 1:0. "Ich hatte das Gefühl, der Ball wollte einfach rein", sagte Duff später. "Und ehrlich gesagt, nach dem dritten Versuch war’s auch Zeit." Dublin United, bis dahin eher auf Schadensbegrenzung bedacht, versuchte in der Folge, etwas Struktur zu finden. Doch Longford spielte weiter druckvoll. Und als alle schon auf den Halbzeitpfiff warteten, kam Alfie Carey - 35 Jahre alt, rechte Seite, mehr Erfahrung als Haargel - zum Zug. In der 40. Minute nahm er eine Flanke von Bailey Carr direkt und hämmerte den Ball unter die Latte. 2:0. Das Stadion bebte. Zur Pause musste Dublins Trainer Ronaldo McDonald reagieren. Gleich zwei Wechsel zur zweiten Halbzeit, darunter der junge Elliot Kelly für Bruno Pinto. "Ich hab den Jungs gesagt: Wir spielen jetzt so, als ob wir das Spiel noch gewinnen könnten", erklärte McDonald trocken. Ironischerweise dauerte es nur zehn Minuten, bis dieser Satz fast prophetisch wurde. In der 56. Minute kombinierte sich Dublin über Paulo Pacos in den Strafraum. Der bediente Cesar Maniche, der aus spitzem Winkel abzog - Tor! Das 2:1 war da, und plötzlich roch alles nach Aufholjagd. Longfords Keeper Hugo Goncalves sah den Ball wohl zu spät, rieb sich nach dem Treffer die Handschuhe und murmelte, laut Lippenlesern: "Das war kein Torwartfehler, das war Kunst." Dublin drückte nun. Maniche, der über die rechte Seite immer wieder gefährlich wurde, prüfte Goncalves noch mehrfach (60., 67., 74. Minute). Doch Longford hielt dagegen - mit 54,8 % Ballbesitz und 13 Torschüssen gegenüber Dublins 9 zeigten die Hausherren, dass sie nicht vorhatten, das Ergebnis zu verschenken. In der Schlussphase wurde es wild. Evan O’Halloran, eigentlich Rechtsverteidiger, tauchte plötzlich im gegnerischen Strafraum auf, verfehlte aber zweimal knapp (69., 79.). Trainer Dev schimpfte an der Seitenlinie: "Evan, du bist kein Stürmer!", worauf O’Halloran nur grinste: "Heute schon, Boss!" Trotz aller Hektik blieb Longford stabil. Die Defensive um Isaac Duff und den jungen Evan Long verteidigte entschlossen, auch wenn die Beine schwer wurden. Dublin versuchte es mit langen Bällen, aber im Strafraum der Gastgeber war Endstation. Nach 90 Minuten war der Jubel grenzenlos. Longford United feierte den verdienten Sieg, während Dublin United haderte. "Wir haben zu spät angefangen, Fußball zu spielen", gab McDonald zu. "Aber wenigstens haben wir am Ende noch so getan, als könnten wir’s." Philipp Dev hingegen war zufrieden - aber nur beinahe: "Wir hätten’s ruhiger zu Ende spielen können. Aber das wäre ja langweilig, oder?" Fazit: Longford United bleibt zu Hause eine Macht. Mit einer Mischung aus jugendlicher Wildheit (Yeates, 20) und erfahrenem Instinkt (Carey, 35) besiegten sie ein Dublin, das zu spät aufwachte. 2:1 - ein Ergebnis, das in die Kategorie "knapp, aber verdient" fällt. Und irgendwo auf der Tribüne sagte ein Fan beim Abpfiff: "Wenn wir jedes Spiel so zittern, brauch ich bald einen Arzt - aber bitte mit Dauerkarte." Ein Abend, der zeigt: Fußball in Irland ist kein sanfter Folk, sondern ehrlicher Rock’n’Roll - mit schiefen Tönen, aber perfektem Timing. 07.03.644003 07:06 |
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