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Sligo, 16. Februar 2026 - 20.000 Zuschauer, nasse Sitze, kalter Wind und eine Heimmannschaft, die so wirkte, als habe sie den Anpfiff mit einer Wetterwarnung verwechselt. Longford United spielte beim 2:0 (2:0) bei den Sligo Reds die Gastgeber phasenweise schwindelig - und das, obwohl der Ballbesitz mit 50,3 zu 49,7 Prozent beinahe ausgeglichen war. Der Unterschied: Longford wusste, was man mit dem Ball anfängt. Schon in der dritten Minute klopften die Gäste höflich an: Thierry Barthez, der 34-jährige Mittelfeldstratege mit der Eleganz eines alten Chansonniers, prüfte Sligos Keeper Timur Ak erstmals. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber er kam zurück wie ein Bumerang", lachte Ak später gequält. Es sollte der Beginn einer langen ersten Halbzeit für die Reds werden. Nach einer Viertelstunde war klar, dass Longford United den Ton angibt. Trainer Philipp Dev hatte seine Elf offensiv eingestellt - "Wir wollten Sligo gar nicht erst glauben lassen, dass sie hier was holen können", grinste er nach Abpfiff. Und tatsächlich: In der 19. Minute zirkelte Jorge Martins eine butterweiche Flanke in den Strafraum, wo Barthez den Ball volley nahm. Ak streckte sich vergeblich - 0:1. Der Franzose rannte jubelnd zur Eckfahne, küsste das Vereinswappen und rief angeblich: "C’est Longford, mon ami!" Die Sligo Reds versuchten, sich zu schütteln, fanden aber keine Struktur. Ihre "ausgewogene" Taktik blieb, nun ja, ausgewogen - irgendwo zwischen harmlos und unentschlossen. Nur drei Torschüsse schaffte das Team über die gesamten 90 Minuten. Der lautstarke Fanblock auf der Haupttribüne kommentierte das trocken: "Mehr Pässe zurück als nach vorn!" In der 36. Minute fiel dann die Vorentscheidung. Tyler Chamberlain setzte sich auf der linken Seite durch, flankte flach in den Strafraum, wo Leandro Couto - Longfords quirliger Rechtsaußen - eiskalt abschloss. 0:2. Und das noch vor der Pause. "Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht", seufzte Sligo-Kapitän Simen Grindheim, der später auch noch Gelb sah (74.). "Zweikämpfe, Fehlpässe, falsche Laufwege - alles dabei. Nur die Ausreden liefen perfekt." Die zweite Halbzeit war eine Lehrstunde in Resultatverwaltung. Longford schaltete auf kontrollierten Angriff, blieb aber gefährlich: 18 Schüsse aufs Tor sprechen eine deutliche Sprache. Couto, Barthez und Kavanagh wirbelten weiter, als wäre das Spiel noch unentschieden. "Wir wollten das dritte Tor, aber vielleicht war der Rasen dagegen", meinte Couto schmunzelnd. Bei Sligo dagegen klappte es höchstens mit dem Durchatmen: Silvestre Godo (46.), Jorge Morais (83.) und Aaron Stokes (88.) kamen zwar zu Abschlüssen, aber Longfords Torhüter Edoardo Villapiana blieb weitgehend beschäftigungslos. "Ich hatte mehr Ballkontakte beim Aufwärmen", witzelte er nach dem Spiel. Trainer Philipp Dev war nach dem Schlusspfiff rundum zufrieden: "Wir haben unsere Chancen genutzt, ruhig gespielt und diszipliniert verteidigt. Nur Freddie Stack hätte sich seine Gelbe Karte sparen können - aber er sagte, er wollte mal im Mittelpunkt stehen." Während die Longford-Fans jubelten, verließen die Anhänger der Reds kopfschüttelnd das Stadion. "Zwei Tore Rückstand zur Pause, und dann kein Aufbäumen - das ist nicht die Art Fußball, die wir sehen wollen", murmelte ein älterer Fan, während er sich die Kapuze überzog. Die Statistik bestätigt den Eindruck: Longford gewann 57 Prozent der Zweikämpfe, hatte knapp mehr Ballbesitz und wirkte in jeder Phase entschlossener. Sligo hingegen blieb blass - weder aggressiv noch kreativ, fast so, als hätte man den "BALANCED"-Knopf aus der Taktiktafel nie losgelassen. "Manchmal vergisst du einfach, dass Fußball auch Spaß machen darf", sinnierte Reds-Spieler Aaron Stokes später im Kabinengang. "Heute war’s Arbeit. Und schlechte dazu." Am Ende blieb den Gastgebern nur der Trost, dass es nicht schlimmer kam. Longford hätte locker höher gewinnen können, doch ein paar Zentimeter im Abschluss und einige beherzte Rettungstaten verhinderten das Debakel. Ein gut gelaunter Barthez verabschiedete sich mit einem Augenzwinkern: "Zwei Tore sind genug. In meinem Alter muss man ja auch an die Knie denken." Das Publikum applaudierte höflich - vielleicht aus Respekt vor der gebotenen Effizienz, vielleicht auch, weil man endlich ins Warme wollte. Fazit: Longford United zeigte, dass Offensivgeist und Routine auch im irischen Februar funktionieren. Die Sligo Reds dagegen? Sie werden hoffen, dass der Winter bald vorbei ist - auf dem Thermometer und auf dem Punktekonto. 21.09.643990 02:27 |
Sprücheklopfer
Vielleicht sollten wir mal einen saufen gehen und uns gegenseitig auf die Fresse hauen.
Mario Basler nach einer Niederlagenserie