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Lothian Thistle schießt 18-mal - und muss sich mit 1:1 begnügen

Scottish League One A | 27. Spieltag | 01.08.26 | Lothian Thistle - Deveronvale City 1:1

Es gibt Fußballabende, an denen eine Mannschaft alles versucht und am Ende trotzdem mit dem Gefühl nach Hause geht, beim Torhüter des Gegners persönlich um Erlaubnis hätte bitten müssen. Für Lothian Thistle war der 27. Spieltag der Scottish League One A genau so ein Abend. Vor 8000 Zuschauern trennte sich die Mannschaft von Trainer Lou Zephir mit 1:1 von Deveronvale City - trotz eines Schussverhältnisses, das eigentlich nach einem deutlich lauteren Ergebnis verlangte.

Um 20.30 Uhr begann Lothian offensiv, Deveronvale zunächst eher nach dem Motto: erst einmal stehen, später vielleicht laufen. Die Gastgeber übernahmen nicht zwingend den Ballbesitz - 50,7 Prozent gegenüber 49,3 Prozent -, wohl aber die Initiative. Schon in der dritten Minute prüfte Bailey Sutherland den Gästekeeper. Jozsef Borbas legte in der achten Minute nach. Es war früh zu erkennen: Lothian wollte nicht lange über die Spielidee diskutieren, sondern sie direkt auf das Tor schießen.

In der 14. Minute wurde der Aufwand belohnt. Borbas, der zuvor bereits gefährlich aufgetaucht war, traf zur 1:0-Führung. Noah Graham hatte die entscheidende Vorarbeit geleistet. Die Tribüne erhob sich, und irgendwo zwischen Jubel und schottischem Nieselregen dürfte sich bereits der erste Fan gefragt haben, ob dieser Abend vielleicht ausnahmsweise einmal unkompliziert werden könnte.

Die Antwort lautete: natürlich nicht.

Lothian blieb überlegen und kam bis zur Pause zu zahlreichen Abschlüssen. Sutherland probierte es mehrfach, Taylor Bruce und Bailey Chattan mischten sich ebenfalls ein, Joel Oliphant schaltete sich aus der Abwehr ein. Deveronvale kam dagegen nur sporadisch vor das Tor. William MacDuff gab in der 44. Minute ein Lebenszeichen ab - mehr war in der ersten Hälfte offensiv kaum zu vermelden. Trainer Lou Zephir soll in der Kabine gesagt haben: "Wir haben gut begonnen, aber ein Tor Vorsprung ist im Fußball ungefähr so stabil wie ein Regenschirm im schottischen Wind." Eine bemerkenswert präzise Wettervorhersage.

Nach dem Seitenwechsel änderte sich an den taktischen Grundideen zunächst wenig. Lothian blieb offensiv ausgerichtet, spielte ausgewogen über das Zentrum und die Flügel und suchte weiterhin den sicheren Abschluss. Deveronvale blieb balanciert, ohne aktives Pressing - eine Strategie, die sich lange wie kontrollierte Zurückhaltung und zeitweise wie höfliches Zuschauen ausnahm.

Dann kam die 62. Minute. Evan Home, bis dahin bereits mit einem Abschluss aufgefallen, nutzte eine Vorlage von William Ruthven und erzielte den Ausgleich. 1:1. Deveronvale hatte bis dahin kaum gefährliche Szenen produziert, aber offenbar verstanden, dass ein Fußballspiel nicht nach der Anzahl der Chancen gewertet wird. Ein für Statistiker bitterer, für Pragmatiker vermutlich sehr erfreulicher Umstand.

Lothian reagierte wütend. George Innes, Jake MacDonald, Bruce, Chattan und Borbas feuerten weiter auf das Gästetor. Insgesamt standen am Ende 18 Torschüsse für die Gastgeber zu Buche, Deveronvale brachte es auf gerade einmal drei. Auch bei den Zweikämpfen lag Lothian mit einer Quote von 57,2 Prozent vorne. Doch der Ball wollte kein zweites Mal hinein. "Wir hätten heute ein ganzes Regal voller Chancen gehabt", sagte Borbas angeblich nach Abpfiff. "Leider war das Tor nur einmal geöffnet."

Die Schlussphase wurde zur Geduldsprobe. Lothian drängte, Deveronvale verteidigte, und die Uhr tat das, was Uhren in solchen Momenten besonders gut können: unerbittlich weiterlaufen. Nach weiteren Versuchen in der Nachspielzeit blieb es beim 1:1.

Lou Zephir fasste den Abend treffend zusammen: "Wir waren offensiv mutig, aber mutig allein gewinnt keine drei Punkte." Das klingt nach einer Erkenntnis, die Lothian an diesem Abend teuer bezahlt hat. Deveronvale City nimmt einen Punkt mit - und vermutlich auch ein kleines Dankeschön an die Fußballgötter.

01.08.2026 21:18
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