La Prensa Libre
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Löwen lassen Sieg liegen - 2:2 gegen CD Alajuela nach spätem Schock

Es war einer dieser Abende im Estadio Generalena, an denen 33.718 Zuschauer gleichzeitig jubelten, stöhnten und am Ende ratlos in ihre Plastikbecher starrten. Die Lions Generalena führten zweimal, spielten beherzt, kämpften - und mussten sich am Ende doch mit einem 2:2 gegen CD Alajuela begnügen. Trainer Gerd Hauser sah nach dem Schlusspfiff aus, als hätte ihm jemand den Autoschlüssel in den Mittelkreis geschossen. "So ein Tor in der 86. Minute, das tut weh. Da kriegt man graue Haare, selbst wenn man schon welche hat", sagte der 58-Jährige mit einem gequälten Lächeln.

Dabei begann der Abend für die Lions wie gemalt - zumindest nach einer etwas fahrigen Anfangsphase, in der Alajuela gleich mehrere Male gefährlich in den Strafraum kam. Ernesto Muñoz prüfte Keeper Javier Montanes bereits in der 9. Minute, wenig später folgte ein wuchtiger Kopfball von Martin Fukal. Doch Generalena fing sich, und in der 26. Minute zündete Jason Probst den Turbo: Nach einem feinen langen Ball von Linksverteidiger Thierry Bettencourt nahm der 24-Jährige den Ball mit der Brust an, lupfte ihn über den herauseilenden Torwart Linares und vollendete zum 1:0. Ganz Generalena schrie sich die Kehle wund.

"Ich hab einfach draufgehalten, ehrlich gesagt", grinste Probst später. "Wenn ich da noch drüber nachgedacht hätte, wär der Ball wahrscheinlich auf dem Parkplatz gelandet."

Bis zur Pause kontrollierten die Lions das Geschehen, auch wenn Alajuela optisch mehr Ballbesitz hatte (am Ende 52,8 Prozent). Die Gäste wirkten geordneter, die Hausherren entschlossener - ein klassisches Duell zwischen Ordnung und Leidenschaft.

Doch kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, war der Vorsprung dahin. 46. Minute: Albert Hernando flankte punktgenau von rechts, Ernesto Muñoz stieg höher als alle anderen und köpfte zum 1:1 ein. Trainer Fritz Brause, der an der Seitenlinie stets zwischen Yoga-Ruhe und Vulkanausbruch pendelt, drehte sich zur Bank und rief: "Hab ich doch gesagt, Jungs - über die Mitte geht’s!"

Die Lions ließen sich davon nicht beirren. Sie spielten weiter mutig, auch wenn der Wind nun von vorne kam - metaphorisch wie meteorologisch. In der 69. Minute dann die Szene, die das Stadion erzittern ließ: Rechtsverteidiger Luís Melendez, gerade erst 20 Jahre alt, fasste sich ein Herz und zog aus 22 Metern ab. Der Ball flog wie an der Schnur gezogen ins linke Kreuzeck - 2:1! Man sah Melendez’ Trainer Hauser wild gestikulierend über die Seitenlinie rennen, als wolle er den Schützen umarmen - oder einbremsen, man war sich nicht sicher.

"Ich wollte eigentlich flanken", gab Melendez später schmunzelnd zu. "Aber der Ball hat sich anders entschieden."

Danach schien das Spiel auf die Zielgerade zu gehen. Hauser brachte erfahrene Kräfte, ließ etwas defensiver stehen - ein klassischer Löwen-Reflex. Doch Alajuela drückte, und der eingewechselte Paulo Ximenez brachte von rechts neuen Schwung. In der 86. Minute dann der Schock: Ximenez tankte sich an der Linie durch, legte quer, und Martin Fukal schob zum 2:2 ein. Es war sein dritter Schuss aufs Tor - und diesmal passte alles.

"Wir hatten mehr vom Spiel, mehr Schüsse, mehr Geduld", bilanzierte Gästecoach Brause nach Abpfiff. "Aber am Ende war’s eher Glück als Plan. Und das nehm ich gern mit."

Die Schlussminuten waren ein einziges Auf und Ab. Die Lions warfen noch einmal alles nach vorn, Kamil Okonski prüfte Keeper Linares in der 84. Minute, doch das Netz blieb still. Als Schiedsrichter Ortega endlich abpfiff, sanken beide Teams erschöpft zu Boden - das Unentschieden fühlte sich für die einen wie eine Niederlage, für die anderen wie ein Sieg an.

Statistisch betrachtet war es ein ausgeglichenes Duell: 9:12 Torschüsse, 50:50 Zweikampfquote, Ballbesitz leicht zugunsten der Gäste. Taktisch zeigte sich Generalena defensiv organisiert, Alajuela dagegen mit typisch costaricanischer Angriffslust - lange Bälle, frühe Abschlüsse, viel Risiko.

Vielleicht war’s genau das, was den Abend so spektakulär machte: zwei Mannschaften, die sich nichts schenkten, ein paar geniale Momente - und am Ende ein Ergebnis, das keiner so richtig wollte.

"Wir haben heute nicht verloren", sagte Hauser mit einem Schulterzucken, "aber wir haben auch nicht gewonnen. Und das ist manchmal schlimmer."

Fazit: Ein Spiel, das in Erinnerung bleibt - nicht wegen der Perfektion, sondern wegen seiner Unordnung. Und vielleicht ist das ja die ehrlichste Form des Fußballs: Man plant, man kämpft, man trifft - und am Ende macht der Gegner einfach auch zwei.

27.01.644000 20:10
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