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Der Aprilabend in Lugo war kühl, aber nicht kalt genug, um die fast 30.000 Zuschauer davon abzuhalten, ihre rot-weißen Helden zu feiern. Und sie bekamen, was sie wollten: ein 2:0-Sieg gegen Atletic Barcelona, der sich wie eine Lehrstunde in Geduld und Effizienz anfühlte. Die Partie begann, wie sie so oft in der 2. Liga Spanien beginnt - mit viel Mittelfeldgeplänkel, einigen rustikalen Zweikämpfen und dem obligatorischen "Erst mal abtasten". Lugo-Coach Jordè Prado hatte sein Team ausgewogen eingestellt, während Barcelonas Trainer Al Bundy (ja, der Name sorgt immer noch für Lacher in der Pressekonferenz) auf eine defensive Grundordnung setzte, die an eine Betonmischmaschine erinnerte. In der ersten Halbzeit war das Spiel ein Duell der verpassten Gelegenheiten. Enrico Righi prüfte in der 18. und 45. Minute den gegnerischen Keeper Franck Masse, der jeweils glänzend parierte. "Ich dachte, beim zweiten Mal geht er rein", sagte Righi später und grinste. "Aber Franck hat wohl heute seine Spiderman-Handschuhe angehabt." Atletic Barcelona kam über Links durch Pinchas Hasson gefährlich vors Tor, doch auch Lugos Torwart Jordi Valdo war hellwach. Die Statistik sagte am Ende: 6:6 Torschüsse - doch die Qualität der Chancen sprach klar für die Gastgeber. 54,6 Prozent Ballbesitz für Lugo, 45,3 für Barcelona - das beschreibt das Spielgefühl ziemlich genau. Die Emotionen kochten kurz vor der Pause hoch: Gelb für den jungen Philipp Schepelew nach einem beherzten Einsatz (Minute 42) und gleich darauf für Linksverteidiger John Valentine (44.). Auf der Gegenseite kassierte Barcelonas Rafael Vico schon früh (16.) die erste Verwarnung, und auch Billy Yeates (25.) durfte sich über einen Eintrag in den Schiedsrichterblock freuen. "Ich hatte das Gefühl, wir spielten gegen elf Verteidiger und einen Linienrichter", witzelte Lugo-Trainer Prado in der Pause. Nach dem Seitenwechsel nahm das Spiel Fahrt auf. Atletic Barcelona versuchte, das Tempo zu erhöhen, blieb aber erstaunlich harmlos. Hasson und Sobolewski schossen zwar (62., 67.), aber ohne Durchschlagskraft. Dann kam die 72. Minute - und mit ihr der Moment, auf den die Fans gewartet hatten: Der 18-jährige Miguel Dominguez, bisher eher als laufstarker Arbeiter aufgefallen, zog aus gut 20 Metern ab. Der Ball zischte, sprang leicht auf und landete im Netz. 1:0 für Lugo! "Ich hab einfach draufgehalten", sagte Dominguez hinterher in der Mixed Zone. "Wenn du jung bist, darfst du nicht zu viel nachdenken." Sein Trainer nickte zufrieden: "Er denkt tatsächlich selten zu viel - das ist sein Vorteil." Nur fünf Minuten später folgte der zweite Streich. Ausgerechnet der rechte Außenverteidiger Jorge Martins, der bis dahin vor allem durch Laufarbeit geglänzt hatte, stand nach einer Hereingabe von John Valentine goldrichtig und drückte den Ball über die Linie. 2:0 (77.) - die Entscheidung. Barcelona reagierte mit einem Doppelwechsel in der 67. Minute, brachte Tim Ackermann und Santiago Ruiz, doch das brachte kaum Besserung. Im Gegenteil: Ackermann hatte kurz vor Schluss (89.) noch eine gute Chance, scheiterte aber an Valdo. "Wir haben gut verteidigt, aber leider vergessen, dass man Tore schießen muss", sagte ein sichtlich genervter Al Bundy nach dem Spiel. Auf die Frage, ob seine Mannschaft zu passiv agierte, antwortete er trocken: "Defensiv ist auch eine Lebenseinstellung." Lugo hingegen spielte die Partie souverän herunter, kassierte zwar noch eine späte Gelbe Karte für Innenverteidiger Pol Cercas (84.), doch die drei Punkte waren längst sicher. Die Fans feierten ihre Mannschaft minutenlang nach Abpfiff. Besonders die jungen Wilden - Dominguez, Martins, Schepelew - wurden mit Sprechchören bedacht. "Das war heute ein kleiner Vorgeschmack auf die Zukunft", meinte Trainer Prado, während er mit einem zufriedenen Lächeln Richtung Kabine verschwand. Am Ende bleibt ein verdienter 2:0-Erfolg für Lugo CF, der ihnen in der Tabelle Luft nach oben verschafft. Barcelona hingegen reist mit gesenktem Kopf weiter - und vielleicht mit der Erkenntnis, dass man Spiele nicht gewinnt, indem man das eigene Tor wie ein Museumsstück bewacht. Oder, wie ein Lugo-Fan beim Verlassen des Stadions sagte: "Wenn Al Bundy wieder Beton anrührt, soll er’s bitte auf dem Bau machen - nicht im Fußballstadion." 14.11.643996 22:30 |
Sprücheklopfer
Das ist absolut sekundär, ja tertiär, oder sogar quartiär!
Christoph Daum