// Startseite
| Football Today |
| +++ Sportzeitung für England +++ |
|
|
|
Ein Tor nach sieben Minuten, danach 83 Minuten Belagerungszustand - so könnte man den 1:0‑Sieg der Hull Tigers gegen Macclesfield Town am 10. Spieltag der 2. Liga England zusammenfassen. 29.382 Zuschauer im KC Stadium sahen ein Spiel, das so einseitig war, dass selbst der Rasen an der Mittellinie vermutlich eingeschlafen ist. Schon früh sorgte Innenverteidiger Christopher Lujan für die Entscheidung: Nach einer Ecke flog der Ball irgendwie, wahrscheinlich mit göttlicher Führung, auf seinen Kopf, und von dort unhaltbar ins Netz. "Ich wollte eigentlich nur den Ball klären, ehrlich", grinste der 20‑jährige Abwehrmann hinterher. Trainer Mathias Oergel klopfte ihm später auf die Schulter und meinte trocken: "Wenn meine Verteidiger mehr Tore schießen als die Stürmer, dann haben wir wohl ein Systemproblem - aber ein schönes." Danach spielten nur noch die Tigers. 21 Torschüsse standen am Ende in der Statistik, bei einem kümmerlichen Versuch von Macclesfield. 53,9 Prozent Ballbesitz für Hull, was kaum ausdrückt, wie sehr sie das Geschehen kontrollierten. Die Gäste verirrten sich selten über die Mittellinie - und wenn, sah es eher nach Notwehr aus als nach Angriff. Macclesfield‑Trainer, dessen Namen die Statistik verschluckt hat, stand ratlos an der Seitenlinie, während seine Mannschaft mit 46 Prozent Ballbesitz so tat, als wäre das hier ein Lehrfilm über "kompaktes Verteidigen". "Wir wollten das Spiel eng halten", murmelte er nach Abpfiff. "Hat ja fast geklappt." Fast, weil Hull das Tempo zwar diktierte, aber beim Abschluss so verschwenderisch war wie ein Lottogewinner in der ersten Woche. Besonders auffällig: der erst 18‑jährige Ewan Caviness. Der linke Flügelstürmer prüfte den gegnerischen Torwart gefühlt in jeder Viertelstunde, traf aber nicht. "Ich schwöre, der Ball hat heute was gegen mich gehabt", sagte er lachend. Sein Trainer konterte: "Wenn er so weitermacht, wird er bald treffen - notfalls im Training mit der Faust." In der 6. Minute gab’s kurz Aufregung, als Noe Agirre Gelb sah, nachdem er einen Konter mit der Eleganz eines Holzfällers stoppte. "Ich hab den Ball gespielt", beteuerte er. "Welchen?", fragte der Schiedsrichter trocken. Oergel reagierte zur Halbzeit gleich mit drei Wechseln: Jürgen Petersen kam für William Lockwood, der nach einem anstrengenden Sprint zur Trinkflasche abwinkte. Zudem ersetzte Juan Goncalves den verwarnten Agirre, und Isaac Lankford durfte für den routinierten Tyler Edwards ran. "Frische Beine, frische Ideen - und vielleicht jemand, der das zweite Tor macht", erklärte Oergel seine Maßnahmen. Das zweite Tor kam nicht. Stattdessen verzweifelte Hull an Keeper Aaron Gady, dem 20‑jährigen Schlussmann Macclesfields. Der parierte, flog und blockte, als stünde seine Karriere auf dem Spiel. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", meinte er später. "Jeder Ball kam aus einer anderen Richtung - sogar von deren Innenverteidiger!" In der Schlussphase ging’s fast humoristisch zu: Bei einem der letzten Angriffe rief ein Zuschauer laut "Lasst den Ball in Ruhe, der will nach Hause!" - und tatsächlich wirkte es, als hätte der Ball genug vom Dauerbeschuss. Die Tigers kombinierten, passten, ließen laufen, doch das Netz blieb unberührt. Macclesfield kam in der 4. Minute zu seinem einzigen Schuss aufs Tor - abgegeben von Ethan Grantham, 31 Jahre alt, linker Mittelfeldspieler und an diesem Abend der einzige Gast, der die gegnerische Strafraumlinie überschritt. Der Ball landete in den Armen von Hull‑Keeper Joel Eliot, der sich nach dem Spiel entschuldigte: "Ich hab mich kaum bewegt. Ich wollte wenigstens ein bisschen schwitzen." Nach dem Abpfiff feierte Hull den knappen, aber hochverdienten Sieg. Die Fans sangen, die Spieler winkten, Trainer Oergel wirkte zufrieden, aber nicht euphorisch. "Drei Punkte, null Gegentore - das gefällt mir. Aber meine Stürmer kriegen jetzt Kopfballtraining von Lujan", witzelte er. Und Macclesfield? Die verschwanden so leise, wie sie gespielt hatten. Man könnte sagen, sie hinterließen kaum Spuren - weder auf dem Platz noch im Gedächtnis. Nur Torwart Gady durfte sich über ein Kompliment seines Gegners freuen: "Ohne ihn", meinte Lujan, "hätten wir wohl 5:0 gewonnen. Aber dann hätte mein Tor weniger geglänzt." So blieb’s beim 1:0, einem Ergebnis, das auf dem Papier eng aussieht - in Wirklichkeit aber ein Klassenunterschied war. Und irgendwo in der Kabine wird Christopher Lujan noch einmal lächeln und denken: Innenverteidiger zu sein ist gar nicht so schlecht, wenn man die Tore selbst macht. 03.05.643987 07:05 |
Sprücheklopfer
Eines möchte ich noch kurz anfügen. Auf der Homepage meines Kollegen Thomas Sobotzik habe ich gelesen, dass ich seinem Sohn so ähnlich sehe. Mit Frau Sobotzik habe ich aber schmunzelnd ausgemacht, dass an dieser Geschichte nichts dran ist.
Jan-Aage Fjörtoft