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Es war ein lauer Maiabend in Lünen, doch die Stimmung im Stadion glich einem Druckkessel. 11.346 Zuschauer sahen ein Pokalspiel, das alles hatte: Tempo, Wucht, zwei glückliche Trainer - und zwei Teams, die sich gegenseitig das Leben schwer machten. Am Ende stand ein 2:2, das wohl keinem so richtig gefiel, außer vielleicht den neutralen Beobachtern, die sich an der Dramatik kaum sattsehen konnten. Schon nach zwölf Minuten riss Duarte Barros die Heimfans von den Sitzen. Der 22-jährige Portugiese des Lüner SV hämmerte den Ball nach feinem Zuspiel von Dusko Jelic ins lange Eck. "Ich hab gar nicht groß nachgedacht. Wenn man nachdenkt, ist der Moment ja schon vorbei", sagte Barros später mit einem Grinsen, das so breit war wie das Spielfeld. Trainer Markus Hering klopfte ihm auf die Schulter - und dachte vermutlich: Das läuft. Und es lief. Lünen kombinierte, Hordel rannte hinterher. 49,9 Prozent Ballbesitz sagen zwar "ausgeglichen", aber wer das Spiel sah, wusste: Lünen hatte die Kontrolle, Hordel nur die Hoffnung auf den Konter. Die ersten 45 Minuten waren eine Lehrstunde in Geduld - und in vergebenen Chancen. Sven Hanke prüfte den Hordeler Keeper Jacob Montgomery mehrfach, Thomas Williamson traf das Außennetz, und Sergio Santos köpfte aus drei Metern über das Tor. "Ich wollte ihn eigentlich ins Eck legen", murmelte Santos später und sah dabei aus, als hätte er gerade eine Mathearbeit verhauen. Nach dem Seitenwechsel schien Lünen alles klarzumachen. Wieder Santos, diesmal nach einer Ecke von Agustin Borreguero - 2:0 in der 48. Minute. Der Innenverteidiger reckte die Faust gen Himmel, Hering jubelte kontrolliert, und die Tribüne bebte. Doch der Jubel war kaum verklungen, da meldete sich TuS Hordel zurück - in Person von Vincent Albinana. Der quirlige Linksfuß drosch drei Minuten später den Ball aus 18 Metern in den Winkel, als wolle er die Existenz der Physik widerlegen. "Das war einfach so ein Moment, wo man denkt: Jetzt oder nie", sagte Albinana nach dem Spiel. Hordel riechte Blut. Ute Finkeldy, die Trainerin der Gäste, schob ihre Brille zurecht und rief: "Mehr draufgehen, Jungs!" - und ihre Elf tat’s. Die langen Bälle, mit denen Hordel über weite Strecken des Spiels eher wenig anzufangen wusste, fanden plötzlich Abnehmer. Fjodor Koroljuk prüfte Lünens Torwart Lionel Bergantinos, dann kam wieder Albinana. In der 65. Minute traf er erneut - diesmal nach Pass von Olav Anders - und stellte auf 2:2. Zwei Tore, zwei Mal Albinana - die Hordeler Fans sangen seinen Namen, während Lüner Anhänger ratlos auf ihre Sitzschalen blickten. Was folgte, war ein offener Schlagabtausch. Beide Teams hatten Chancen, beide hätten gewinnen können. Hanke jagte den Ball in der 66. Minute über das Tor, Pfeiffer auf der Gegenseite verpasste aus kurzer Distanz. In der 84. Minute sah Lüner Mittelfeldmann Jelic Gelb, zwei Minuten später auch Louis Kendall. "Wir wollten halt zeigen, dass wir auch Körper haben", grinste Jelic nach dem Abpfiff. Statistisch gesehen ein Spiel auf Augenhöhe: 12:14 Torschüsse, 49,9 zu 50,1 Prozent Ballbesitz, 48,8 zu 51,2 Prozent gewonnene Zweikämpfe - wer da den Sieger sucht, sucht vergeblich. "Das fühlt sich an wie ein Remis der gerechteren Sorte", meinte Hering, "aber wir hätten das dritte Tor machen müssen." Finkeldy dagegen sah das anders: "Wir haben Charakter gezeigt. Und Vincent hatte heute einfach die Sonne im Fuß." Kurz vor Schluss drängte Lünen noch einmal. In der 90. Minute zog Jelic aus der Distanz ab - knapp vorbei. Hering schlug die Hände vors Gesicht, während Finkeldy auf der Bank genüsslich an ihrer Teetasse nippte. Der Schlusspfiff besiegelte ein 2:2, das Lust auf das Rückspiel macht - und beiden Trainern Gesprächsstoff für die Kabine bescherte. "Ich hab den Jungs gesagt, dass man Pokalspiele nicht schön gewinnen muss, sondern nur irgendwie", sagte Finkeldy. "Heute war’s immerhin schön." Und so blieb Lünen mit einem halben Lächeln und einem halben Frust zurück. Ein Spiel, das sie schon in der Tasche hatten, glitt ihnen durch die Finger - vielleicht, weil Hordel den längeren Atem hatte, vielleicht, weil Fußball manchmal einfach keinen Sinn ergibt. In zwei Wochen gibt’s das Rückspiel. Bis dahin darf man gespannt sein, ob Albinana wieder zaubert, Santos wieder trifft - oder ob jemand anders die Schlagzeilen stiehlt. Sicher ist nur eines: So unterhaltsam wie dieser Pokalabend darf’s gern wieder werden. 26.01.644000 08:18 |
Sprücheklopfer
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