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Lyss trotzt Luzern - Ein 2:2, das keiner so richtig versteht

Ein kalter Januarabend in Lyss, 32.000 Zuschauer, Flutlichtromantik und zwei Teams, die sich gegenseitig mehr Fragen als Antworten stellten. Am Ende stand ein 2:2 zwischen dem SC Lyss und Blau-Weiss Luzern - ein Ergebnis, das irgendwo zwischen Glück, Wille und leichter Verwirrung einzuordnen ist.

Dabei begann alles ganz nach Luzerner Drehbuch. Schon in der 13. Minute schlenzte Roger Römer, der flinke Flügel aus der Innerschweiz, den Ball nach Vorarbeit von Ilias Chalbinski ins Netz. Der Jubel der Gäste war kaum verklungen, da brüllte ein Zuschauer aus der dritten Reihe: "Der schießt ja wirklich aus allen Lagen!" - und tatsächlich: Blau-Weiss feuerte im Laufe des Abends ganze 16 Mal auf das Tor von Dalia Friedmann, die Torfrau des SC Lyss.

Lyss dagegen brauchte eine ganze Halbzeit, um zu merken, dass der Ballbesitz (56,8 Prozent) zwar hübsch in der Statistik aussieht, aber keine Punkte bringt. "Wir haben uns den Ball warm gespielt, bis er fast geschmolzen ist", grinste Trainer Assenbach nach dem Spiel leicht sarkastisch. "In der Pause hab ich dann gesagt: ’Jungs, vielleicht probieren wir’s mal mit Schießen.’"

Gesagt, getan. Nach dem Seitenwechsel dauerte es keine zehn Minuten, da klingelte es im Luzerner Kasten. Mario Staletti, 33, Routinier mit der Schusstechnik eines Weinkorkens, traf in der 53. Minute nach feiner Vorarbeit von Michael Tosic zum 1:1. Das Stadion erwachte, die Fans sangen, und Staletti rief später lachend: "Ich wusste gar nicht, dass ich noch so schnell rennen kann - wahrscheinlich lag’s an der Kälte."

Doch Luzern zeigte sofort, warum sie zu den offensivsten Mannschaften der Liga gehören. Nur fünf Minuten später war Robert Mantovani zur Stelle, der Mittelstürmer mit der Eleganz eines Vorschlaghammers. Nach Pass von Dylan Bosworth hämmerte er den Ball in Minute 58 zum 1:2 ins Netz. "Das war pure Wut im Fuß", meinte Mantovani danach und grinste. "Ich hab vorher zwei Chancen liegen lassen, da musste der Ball einfach leiden."

Lyss schüttelte sich kurz, sortierte sich - und hatte plötzlich eine Waffe, mit der niemand gerechnet hatte: Rechtsverteidiger Antonio Simao. In der 70. Minute, nach einem dieser seltenen Ausflüge über die rechte Seite, fasste sich der 32-Jährige ein Herz und drosch den Ball aus 20 Metern ins Eck. Ein Tor, das so schön war, dass selbst Friedmann im Tor kurz klatschte. "Ich hab ihn im Training noch ausgelacht, als er’s versucht hat", gab Teamkollege Voet zu. "Tja, jetzt lacht keiner mehr."

Die Schlussphase gehörte wieder Luzern, die mit jugendlichem Elan und frischem Blut - der 18-jährige Franck Stock kam für Carey - auf den Sieg drückten. Doch Friedmann im Lysser Tor hielt, was zu halten war. Besonders in der 80. Minute, als Römer frei durch war, zischte der Ball Zentimeter am Pfosten vorbei. 16 Schüsse, zwei Tore - die Effizienz bleibt ein Luzerner Problem. "Wenn wir künftig auch mal das Tor treffen, wird’s gefährlich", sagte Trainer Reinhard Wild trocken.

Die Statistik erzählte am Ende eine kleine Geschichte über verkehrte Fußballlogik: Luzern mit 16 Torschüssen, Lyss mit nur fünf - aber beide Teams mit zwei Treffern. Ballbesitz pro Lyss, Zweikampfquote pro Luzern. "Das nennt man wohl Gleichgewicht des Unverständnisses", spottete ein Radioreporter auf der Tribüne.

Zwei Gelbe Karten - Olafur Dahlin (Lyss) und der 19-jährige Jan Born (Luzern) - sorgten für ein bisschen Farbe im ansonsten fairen Spiel. Born grinste hinterher: "Mein erster Karton in der 1. Liga - ich häng ihn mir übers Bett."

So blieb es beim 2:2, einem Ergebnis, das beiden Teams nicht richtig hilft, aber niemanden unglücklich machte. Lyss feierte das Remis wie einen Sieg, Luzern ärgerte sich über zwei verschenkte Punkte - und Trainer Wild fasste es mit typisch schweizerischer Gelassenheit zusammen: "Wir wollten gewinnen, haben’s fast geschafft, und am Ende war’s halt Fußball."

Ein Spiel, das keiner so richtig erklären konnte, aber an das man sich erinnern wird - wegen zweier schöner Tore, einem Helden im rechten Verteidigertrikot und weil 32.000 Zuschauer an einem frostigen Abend wieder einmal lernten: Fußball ist nicht gerecht, aber dafür herrlich unberechenbar.

Und irgendwo in der Kabine von Lyss soll Antonio Simao noch leise gesungen haben - nichts von wegen Hymnen oder Hits, sondern einfach nur ein bisschen Eigenlob in Moll. Verdient war’s allemal.

17.03.643987 23:06
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