// Startseite
| A Bola |
| +++ Sportzeitung für Portugal +++ |
|
|
|
Primeira Liga | 1. Spieltag | 05.07.26 | Mafra - Victoria Guimaraes 1:2 Von der ersten Minute an rollte Angriff um Angriff auf Mavras Torwart Rafael Meireles zu. Schon in der 4. Minute prüfte Gunborg Söderberg den Keeper mit einem wuchtigen Schuss, kurz darauf durfte sich Pablo Tarrega versuchen. Und während die Heimfans noch an ihren Getränken nippten, zählte der Statistikcomputer bereits sieben Torschüsse für Guimarães - und keinen Treffer. "Ich dachte, wir spielen auf ein Handballtor", grinste Gästecoach Andreas Godejohann später. Mafra hingegen hielt sich mit Offensivgeist zurück - vielleicht aus Respekt, vielleicht, weil der Ballbesitz (48 Prozent) ohnehin keine Einladung zum Spektakel war. Als Agemar Viana in der 26. Minute Gelb sah, schien das Spielbild festgefahren: Guimarães kombinierte, Mafra verteidigte. Halbzeitstand: 0:0, aber mit klarer Punkteverteilung in Sachen Chancen - 12:2 Torschüsse für die Gäste. Dann, kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, explodierte das Stadion. Filipe Carvalho, der rechte Mittelfeldmann, rauschte nach einem Pass von José Da Cru in den Strafraum und drosch den Ball in der 46. Minute humorlos ins linke Eck. 1:0 für Mafra - und ein Jubel, den man wohl bis nach Lissabon hörte. "Ich hab einfach draufgehalten. Vielleicht war’s Glück, vielleicht göttliche Eingebung", lachte Carvalho nach dem Spiel. Doch das Glück hielt nur fünf Minuten. Guimarães antwortete sofort - und wie! Zakhar Schitnik legte klug in den Lauf von Söderberg, der den Ball eiskalt ins Netz setzte (51.). Der schwedische Stürmer hob danach entschuldigend die Hände Richtung Heimkurve, als wolle er sagen: Tut mir leid, aber das ist mein Job. Von da an war es ein Spiel auf ein Tor. Guimarães schnürte Mafra in der eigenen Hälfte ein, Meireles parierte, blockte, flog - und schimpfte. "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", meinte er später mit einem müden Lächeln. Tatsächlich verzeichneten die Gäste am Ende 21 Torschüsse, während Mafra auf ganze vier kam. In der 82. Minute kippte das Spiel endgültig. Wieder war es Schitnik, der den entscheidenden Pass spielte - diesmal auf den 35-jährigen Routinier Charlie Smith. Der Engländer nahm den Ball elegant mit der Sohle an, zog aus 18 Metern ab und traf präzise zum 2:1 für Guimarães. Danach drehte Smith ab, zeigte Richtung Bank und rief: "Das war für die Statistik!" - was Co-Trainer Mendes später bestätigte: "Charlie wollte einfach nicht torlos abreisen. Altersstarrsinn nennen wir das intern." Mafra versuchte es noch einmal - Viana prüfte in der 83. Minute Guimarães-Keeper Cesar Pauleta, doch der war zur Stelle. Danach folgte das, was Trainer in Pressekonferenzen "mutig verteidigen" nennen, Fans aber "hoffnungslos anrennen". Die Gäste spielten das Ergebnis souverän herunter, zogen weiterhin ihr offensives Konzept durch, ohne Pressing, aber mit Geduld und Präzision. "Wir wollten den Ball laufen lassen, nicht uns selbst", erklärte Trainer Godejohann und grinste dabei in die Kameras. Mafras Coach - namentlich nicht überliefert, aber sichtlich bedient - stand nach dem Abpfiff mit verschränkten Armen an der Seitenlinie. "Wir haben das Maximum rausgeholt. Vielleicht auch das Minimum", murmelte er kryptisch, während seine Spieler erschöpft in den Kabinentrakt schlichen. Unterm Strich bleibt ein verdienter Auswärtssieg für Victoria Guimarães, das mit 51 Prozent Ballbesitz und deutlich besserer Zweikampfquote (57 Prozent) die tonangebende Mannschaft war. Mafra zeigte Herz, aber wenig Zielstrebigkeit. Und so ging der erste Spieltag der Primeira Liga für die Gastgeber mit einer Lektion zu Ende: Wer vorne nur einmal trifft, aber hinten 21 Schüsse zulässt, braucht keinen Mathelehrer, um das Ergebnis zu verstehen. Oder, wie es Torschütze Smith beim Rausgehen noch süffisant zusammenfasste: "Fußball ist einfach. Man muss nur öfter treffen als der Gegner." Ein Satz, der selten so wahr klang. 05.07.2026 21:09 |
Sprücheklopfer
Ein Lothar Matthäus lässt sich nicht von seinem Körper besiegen, ein Lothar Matthäus entscheidet selbst über sein Schicksal.
Lothar Matthäus