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Magdeburger Minimalismus: Gerlach trifft, Weiler verzweifelt

Wenn man 11.069 Zuschauern an einem kühlen Aprilabend nur ein Tor schenkt, dann sollte es wenigstens ein schönes sein. Zukunft Magdeburg hielt sich an diese unausgesprochene Regel und gewann am 24. Spieltag der 3. Liga mit 1:0 gegen Weiler im Allgäu. Das Ergebnis liest sich nüchtern, der Weg dorthin war es nicht.

Schon in den ersten Minuten war klar, dass Weiler mit offenem Visier angereist war. Trainer Mino Raiola - elegant im Mantel, aber mit der Körpersprache eines Mannes, der lieber selbst auf dem Platz stünde - ließ seine Jungs früh pressen und schickte Jannick Fritsch gleich mehrfach in Richtung Magdeburger Tor. Doch Torhüter Helmut Hinz, der sonst wohl lieber Sudoku löst als Flanken pflückt, hatte einen dieser Tage, an denen er einfach alles fing. "Ich hab nur die Hände hingehalten", grinste Hinz später. "Der Rest war Physik."

Magdeburg dagegen begann verhalten. Trainer FC Zukunft - ja, so heißt der Mann wirklich - ließ defensiv ausrichten und vertraute auf das, was er "gekonntes Warten auf Fehler" nennt. Luis Benitez und Faas Sleeper schoben im Mittelfeld geduldig die Bälle hin und her, während vorne Wilhelm Gerlach schon in der dritten Minute einen Vorgeschmack auf seine Gefährlichkeit gab. Sein Schuss rauschte knapp vorbei - ein Vorgeschmack auf das, was später folgen sollte.

Weiler blieb jedoch tonangebend, zumindest statistisch: 22 Torschüsse, mehr Ballaktionen, mehr Nervenkitzel - und doch kein Tor. In der 41. Minute sah Eilert Olsson Gelb, nachdem er Benitez etwas zu liebevoll umarmt hatte. Raiola war außer sich: "Wenn das Gelb ist, dann will ich die Farbtabelle der Liga sehen!" pöbelte er in Richtung des vierten Offiziellen.

Die Pause kam Magdeburg gelegen. FC Zukunft, der in der Kabine angeblich eine "Meditationsminute für mehr Geduld" anordnete, brachte seine Mannschaft ruhig zurück aufs Feld. Und dann kam die 54. Minute - der Moment, in dem das Spiel kippte.

Benitez, der bis dahin eher als Taktgeber denn als Künstler aufgefallen war, zog auf links an und legte quer in den Strafraum. Wilhelm Gerlach, 24, Mittelstürmer mit dem Selbstbewusstsein eines Mannes, der seine eigene Wikipedia-Seite schon vorbereitet hat, nahm den Ball direkt und versenkte ihn trocken ins rechte Eck. 1:0. Stadionexplosion. "Ich wusste, dass ich nur einmal treffen muss", sagte Gerlach danach, als hätte er den Spielverlauf schon am Vortag geträumt.

Weiler antwortete mit Wut und Wechseln: Tiago kam für Siebert, Rueda ersetzte den jungen Todorow, und Samuel Erskine durfte den 18-jährigen Ben Meister ablösen. Doch egal, wie viele frische Beine Raiola brachte - der Ball wollte einfach nicht hinein. Magdeburg stand tief, verteidigte mit stoischer Ruhe und ließ die Gäste verzweifeln.

Zwischen der 70. und 90. Minute entwickelte sich ein Schussfestival der verzweifelten Art. Fritsch, Foerster, Olsson - einer nach dem anderen probierte es, und Hinz parierte, als wolle er sich für einen Werbespot für Torwarthandschuhe bewerben. Der Magdeburger Keeper klatschte nach der dritten Parade in Serie sogar selbstironisch in die Hände und rief: "Na los, Jungs, noch einer!" - woraufhin die Tribüne tobte.

Die Statistik sprach am Ende gegen die Sieger: 56 Prozent Ballbesitz für Magdeburg, aber weniger Abschlüsse; 22 Schüsse für Weiler, doch kein Tor. Raiola fasste es bitter zusammen: "Wir hätten noch zwei Stunden spielen können - der Ball wollte nicht rein. Vielleicht lag’s am Rasen, vielleicht an der Luftfeuchtigkeit, vielleicht einfach am Fußballgott."

FC Zukunft dagegen blieb gelassen: "Manchmal ist ein 1:0 ehrlicher als ein 4:3. Wir haben verteidigt wie in einem Lehrbuch, das keiner lesen will."

So endete ein Spiel, das in keiner Highlight-Compilation auftauchen wird, aber in Magdeburg noch lange für Gespräche sorgt. Nicht, weil es schön war - sondern weil es funktionierte.

Und als die Flutlichter erloschen und die Fans Richtung Bahnhofsbrücke zogen, hörte man einen älteren Herrn sagen: "Wenn Zukunft so weitermacht, hat sie eine." Vielleicht war das die treffendste Analyse des Abends.

22.10.643996 20:11
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Ich habe ihn liquidiert. Wenn er etwas will, soll er sich vorher seinen Ausweis anhängen, damit seine Mutter ihn nicht nur an der Blutgruppe erkennt.
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