// Startseite
| Anpfiff |
| +++ Sportzeitung für Deutschland +++ |
|
|
|
Ein Flutlichtspiel im Januar, kalter Wind über der Rheinwiese und 3848 Zuschauer, die sich mit Glühwein und Hoffnung wärmten: Der FC Homberg empfing am 6. Spieltag der Regionalliga B den ambitionierten BW Magdeburg - und durfte ganze fünf Minuten lang vom großen Wurf träumen. Dann kam die blau-weiße Antwort, energisch, strukturiert und am Ende ziemlich abgebrüht. Denn kaum hatte Rostislaw Nemtschinow in der 5. Minute nach einem butterweichen Flankenlauf von Patrick Hofmann das 1:0 erzielt, da schien der Homberger Abendhimmel tatsächlich kurz heller zu leuchten. "Ich dachte, das läuft wie am Schnürchen", grinste der Torschütze später, "aber anscheinend war das nur der Widerschein der Magdeburger Stirnlampen." Die Gäste - jung, frech, taktisch klar auf Offensive getrimmt - ließen sich vom frühen Rückschlag kaum beeindrucken. Coach Sven Lange, der an der Seitenlinie stoisch wirkte, erklärte hinterher trocken: "Wir haben uns vorgenommen, nicht alles zu glauben, was in den ersten fünf Minuten passiert." Gesagt, getan. In der 22. Minute überrumpelte der 18-jährige Manuel Martins die Homberger Abwehr, nachdem Gustav Vidarsson den Ball von links punktgenau in den Lauf gespielt hatte. Martins blieb eiskalt - 1:1. Eine Lehrstunde in Sachen Effizienz, denn der junge Stürmer hatte bis dahin kaum Ballkontakte, aber schon ein Tor auf dem Konto. Homberg antwortete mit Wut im Bauch, aber nicht mit Präzision. Elf Torschüsse standen am Ende auf dem Zettel, neun gingen zumindest aufs Tor - aber eben zu zentral oder zu harmlos. Gästekeeper Carsten Frei, 24, hatte einen jener Abende, an denen Torhüter aus Langeweile anfangen könnten, Gedichte zu schreiben. In der 38. Minute dann der Knackpunkt: Nikola Tosic, eigentlich rechter Verteidiger, schob sich übermütig nach vorne und traf nach Vorarbeit von Marvin Hoffmann zum 1:2. "Ich wollte eigentlich nur Flanken üben", witzelte Tosic später, "aber der Ball hatte wohl andere Pläne." Der Treffer zeigte, dass Magdeburgs Offensivdrang auch aus der zweiten Reihe kam - ein Markenzeichen des Teams von Trainer Lange, der seine Elf mit dem taktischen Motto "Offensiv, aber ordentlich" ins Rennen schickte. Zur Pause reagierte Hombergs Coach Fridolin von Zahn gleich dreifach: Er brachte Nael Aznar, Makar Majorow und Doruk Önüt, um frischen Wind in die Flügel zu bekommen. "Ich wollte, dass wir über die Außen wieder gefährlicher werden", erklärte der Trainer später. "Leider war der Wind dann stärker als wir." Tatsächlich kam Homberg engagiert aus der Kabine, hatte mehr Ballbesitzphasen, aber die Magdeburger Defensive stand kompakt. In der 56. Minute prüfte Harald Meissner den Gästetorwart mit einem Distanzschuss, in der 74. Minute wieder - das Publikum forderte lautstark den Ausgleich, aber der Ball wollte nicht ins Netz. Stattdessen konterte Magdeburg eiskalt. In der 80. Minute bediente der junge Markus Lohmann den erfahrenen Jannis Zander, der mit 35 Jahren zeigte, dass Routine manchmal einfach nur bedeutet, im richtigen Moment den Fuß hinzuhalten. 1:3 - der Deckel war drauf. "Wir haben viel probiert, aber irgendwann fehlte uns die Ruhe", resümierte Kapitän Serge Lalonde, der sich in der 17. Minute noch Gelb abgeholt hatte, weil er einen Magdeburger Konter rustikal stoppte. "Das war kein Frustfoul, eher ein Verzweiflungsgrätschen." Die Statistik sprach am Ende eine klare, aber nicht brutale Sprache: 54 Prozent Ballbesitz für Magdeburg, acht Torschüsse aufs Tor - drei davon drin. Homberg kämpferisch, mit leichtem Tackling-Vorteil (51 Prozent), aber ohne die nötige Zielstrebigkeit. "Wir hatten den Plan, über die Flügel zu kommen", sagte von Zahn, "doch unsere Flügel waren heute mehr Deko als Angriffswerkzeug." Magdeburgs Coach Lange blieb bescheiden: "Ich freue mich über die Reife meiner jungen Spieler. Wenn ein 18-Jähriger so cool abschließt, dann darf man als Trainer auch mal lächeln." Die 3848 Zuschauer verließen das Stadion mit gemischten Gefühlen: Die einen froh, dass es wenigstens kein Schneesturm war, die anderen enttäuscht, dass Homberg trotz Feuerwerk-Start nur kurz glänzte. Zum Schluss noch eine Szene, die sinnbildlich war: In der Nachspielzeit rannte Nemtschinow noch einmal alleine aufs Tor zu, schoss - und traf den Torwart mitten ins Wappen. Der Ball sprang zurück, der Schiri pfiff ab. Nemtschinow schüttelte den Kopf: "Wenn der reingeht, reden wir hier über ein 2:3 und große Moral." Stattdessen redet man über Magdeburgs abgeklärte Jugend und Hombergs vertane Chancen. Ein Spiel, das zeigte: Früh jubeln ist schön - aber am Ende jubelt, wer länger durchhält. 17.03.643987 22:49 |
Sprücheklopfer
Luciano ist kein Brasilianer, er ist ein Athlet.
Berti Vogts