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Ein lauer Maiabend, 46.227 Zuschauer, Flutlichtglanz und der Duft von Hoffnung in der Luft - besser kann eine neue Saison kaum beginnen. Doch am Ende standen die Nottingham Magpies mit leeren Händen da: 1:2 gegen die kämpferischen Hull Tigers, die ihre Krallen schon früh ausfuhren und sich trotz weniger Ballbesitz die drei Punkte sicherten. Kaum hatte der Schiedsrichter angepfiffen, da vibrierte das City Ground schon - allerdings vor Schreck. In der 7. Minute zog Emil Musiala, Hulls quirliger Mittelfeldmotor, nach einem feinen Doppelpass mit Arkadiusz Lewandowski ab. Der Ball zischte wie ein Pfeil ins rechte obere Eck, und Magpies-Torwart Antonio Jordao sah aus, als rechne er noch mit einer Flanke. 0:1, und Nottingham war plötzlich hellwach. "Ich dachte, wir hätten das Spiel unter Kontrolle", knurrte Christoffer Reedtz, Trainer der Magpies, später. "Aber dann schießt der Junge einfach - wie im Training, ohne zu denken. Vielleicht ist das das Geheimnis." Die Antwort der Hausherren ließ nicht lange auf sich warten. In der 29. Minute kombinierte sich die linke Seite - Brent Demeulenaer und Duarte Ibanez - in bester Schulbuchmanier durch die Hull-Abwehr. Ibanez nahm den Steilpass auf, täuschte kurz an und schob eiskalt zum 1:1 ein. Das Stadion tobte, der Bierstand wackelte, und Reedtz riss die Arme hoch, als wäre die Saison schon gewonnen. Doch die Tigers waren an diesem Abend die clevereren Jäger. Kurz vor der Pause, in der 42. Minute, überraschte Innenverteidiger Christopher Lujan alle - inklusive seiner Mitspieler - als er nach einer Ecke plötzlich zum Vollstrecker wurde. Nach einem Kopfball von Gino Satmareanu landete der Ball vor Lujans Füßen, und der drosch ihn über die Linie. 1:2, und man konnte fast hören, wie die Magpies-Fans kollektiv seufzten. "Ich wollte eigentlich nur den Ball klären", grinste Lujan nach dem Spiel. "Aber wenn er schon da liegt - was soll man machen?" Statistisch gesehen hatte Nottingham alles, was man für einen Sieg braucht: 59 Prozent Ballbesitz, elf Torschüsse, doppelt so viele Ecken, und eine zweite Halbzeit, in der sie die Tigers in deren Hälfte einschnürten. Doch was fehlte, waren Tore. Hull verteidigte tief, manchmal wild, aber immer effektiv. Torwart Joel Eliot wurde zum stillen Helden - besonders in der 70. Minute, als er einen Schuss von Egidius Schermerhorn irgendwie mit dem Knie abwehrte. "Ich habe einfach gehofft, dass mich der Ball trifft - und er war so freundlich, das auch zu tun", sagte Eliot und lachte, noch mit Rasen im Haar. In der Schlussphase drängten die Magpies verzweifelt. Duarte Ibanez prüfte Eliot gleich dreimal (67., 72., 92. Minute), Diego Barbosa scheiterte aus kürzester Distanz (71., 84.), und Pavel Nedved versuchte es mit einem wuchtigen Distanzschuss (52.), der nur knapp drüberging. Doch Hull blieb unbeeindruckt, konterte gelegentlich, sammelte Gelbe Karten (Vladoiu in der 5., Kristensen in der 80. Minute) und brachte das Ergebnis mit einer Mischung aus Pragmatismus und Nervenkunst über die Zeit. Für einen Moment sah es so aus, als würde sich das Schicksal gegen die Tigers wenden, als Christopher Hoskins in der 87. Minute verletzt vom Platz humpelte. Doch die Gäste ließen sich nicht beirren. Trainer Mathias Oergel stand an der Seitenlinie, wild gestikulierend, und schrie seine Verteidigung an: "Kein Zentimeter mehr zurück!" Nach dem Abpfiff wirkte er dann wie jemand, der soeben einen Marathon gewonnen hat - oder zumindest 90 Minuten Dauerstress überlebt. "Wir wussten, dass Nottingham mehr Ballbesitz haben wird", erklärte Oergel. "Aber Ballbesitz ist nur schön, wenn man auch etwas damit anfängt. Wir wollten effektiv sein - und das waren wir." Nottinghams Fans verabschiedeten ihre Mannschaft mit warmem Applaus, vielleicht auch aus Mitleid. Denn Chancen waren genug da, Einsatz ebenso. Reedtz versprach Besserung: "Wenn wir so weiterspielen, werden wir bald belohnt. Heute war’s nur ein schlechter Witz des Fußballgottes." Und so bleibt nach 90 intensiven Minuten die Erkenntnis: Fußball ist kein Schönheitswettbewerb. Hull Tigers nahmen drei Punkte mit, die Magpies nur gute Statistiken - und vielleicht den festen Vorsatz, beim nächsten Mal nicht so höflich vor dem Tor zu sein. Ein sarkastischer Fan brachte es beim Hinausgehen auf den Punkt: "Wir hatten den Ball, sie die Tore - fairer Tausch, oder?" 11.08.644000 17:21 |
Sprücheklopfer
Wir waren alle vorher überzeugt davon, dass wir das Spiel gewinnen. So war auch das Auftreten meiner Mannschaft, zumindest in den ersten zweieinhalb Minuten.
Peter Neururer