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Es war ein lauer Sommerabend in Maldonado, doch für die Gäste aus Buceo fühlte er sich wohl an wie ein Sturm im Februar. Vor 41.039 begeisterten Zuschauern im Estadio Domingo Burgueño Miguel schoss Athletic Maldonado am 9. Spieltag der uruguayischen Liga Funebreros Buceo regelrecht aus dem Stadion - 8:0 hieß es am Ende, und das Halbzeitergebnis von 6:0 sprach bereits Bände. Schon nach 60 Sekunden machte Christiano Roy klar, was die Stunde geschlagen hatte. Der 33-Jährige, von Trainer Huub Stevens mit der rechten Außenbahn betraut, zog nach innen, bekam den Ball von Bruno Godino und wuchtete ihn mit dem linken Fuß ins Netz. "Ich dachte, das war nur zum Warmwerden", grinste Roy später, "aber dann lief’s irgendwie weiter." Und wie es lief. Nur vier Minuten später durfte Domingo Jordao jubeln, nachdem er eine butterweiche Flanke von Silvestre Antunes einköpfte. Die Buceo-Abwehr wirkte zu diesem Zeitpunkt, als wäre sie noch im Mannschaftsbus. Trainer Stefan Dörner gestikulierte wild an der Seitenlinie, doch es nutzte nichts: Maldonado spielte in dieser Phase Fußball, der eher an eine Trainingseinheit gegen Hütchen erinnerte. Julian Deco legte in der 27. und 33. Minute doppelt nach - beide Male nach sehenswerten Kombinationen über die Flügel. "Ich musste nur noch den Fuß hinhalten", gab Deco bescheiden zu Protokoll, während sein Trainer Stevens trocken anmerkte: "Er hat’s immerhin nicht versiebt." Das 5:0 besorgte wieder Roy (35.), ehe Antunes kurz vor der Pause (45.) selbst einnetzte. 6:0 zur Halbzeit - da fragte ein Reporter den vierten Offiziellen scherzhaft, ob man nicht einfach pünktlich abpfeifen könne. Im zweiten Durchgang nahm Maldonado etwas Tempo raus, aber nicht genug, um Buceo ernsthafte Hoffnung zu machen. Ezequiel Futre, der schon in der ersten Halbzeit das Spiel im Mittelfeld diktierte, erhöhte in der 64. und 69. Minute auf 8:0. Danach schien Maldonado Mitleid zu bekommen - oder schlicht satt. "Ich hab den Jungs in der Kabine gesagt: Wir spielen weiter, aber mit Stil", erzählte Stevens nach dem Spiel und fügte mit einem Schmunzeln hinzu: "Acht Tore reichen für den Anfang." Dörner dagegen fand kaum Worte: "Manchmal wünscht man sich, dass der Boden einen verschluckt. Heute war so ein Tag. Aber immerhin haben wir fast 50 Prozent Ballbesitz gehabt." Tatsächlich waren die Zahlen auf dem Papier weniger einseitig, als das Ergebnis vermuten lässt: 50,0 Prozent Ballbesitz für Maldonado, 49,9 für Buceo. Auch in der Zweikampfquote (56 zu 44 Prozent) lag der Unterschied im Rahmen. Doch die Torschussstatistik erzählte die wahre Geschichte: 23 Abschlüsse auf Maldonado-Seite, davon acht im Netz - Buceo kam auf sechs kümmerliche Versuche, die Torhüter Petri Ylönen kaum ins Schwitzen brachten. Ein kleiner Trost für Dörner: Seine Jungs kassierten wenigstens keine Rote Karte, nur Joseba Viejo sah nach einem übermotivierten Einsteigen Gelb (54.). "Ich wollte wenigstens ein Zeichen setzen", verteidigte sich Viejo - welches Zeichen genau, blieb allerdings unklar. Stevens nutzte den komfortablen Vorsprung, um jungen Spielern Einsatzzeit zu geben. Fernando Urrutia (18) ersetzte den zweifachen Torschützen Roy, und auch der gleichaltrige Rafael Tonel durfte ran. Letzterer bereitete sogar Futres zweites Tor vor - und grinste anschließend: "Ich hab gesagt, ich bring Glück. Jetzt glaubt’s mir vielleicht einer." In der Schlussphase verlegte sich Maldonado auf gepflegtes Kurzpassspiel, während die Gäste auf das Ende warteten. Die Fans jedoch wollten mehr. "Neun! Neun! Neun!" hallte es durchs Stadion - doch die Mannschaft blieb höflich und beließ es bei acht. So endet ein Abend, der für Maldonado zur Gala und für Buceo zum Albtraum wurde. "Wir müssen das abhaken", murmelte Dörner beim Abgang in die Kabine. Stevens hingegen gönnte sich ein Lächeln: "Ich hab’s immer gesagt - Offensive ist die beste Verteidigung." Ein 8:0, das in die Vereinsgeschichte eingehen wird. Und vielleicht auch in die Albträume der Gäste. Doch eines ist sicher: Wer an diesem Abend im Stadion war, wird sich noch lange an das Feuerwerk erinnern - und an das Gefühl, dass Fußball manchmal einfach zu leicht aussehen kann. 21.04.643987 15:30 |
Sprücheklopfer
Ich weiß nicht, ob es Pech ist, wenn man dreimal auf der Linie den Spieler auf der Flucht erschießt.
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