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Maldonado schlägt Montevideo mit Eleganz und vier Treffern

Wer am Samstagabend ins Estadio Centenario kam, bekam für sein Eintrittsgeld - und das zahlten immerhin 37 500 Zuschauer - eine Lehrstunde in Sachen Effizienz. Athletic Maldonado fegte die Bohemios Montevideo mit 4:1 (4:0) vom Platz, und man hatte phasenweise das Gefühl, die Gäste spielten auf einem anderen Planeten.

Schon nach acht Minuten war die Stimmung im weiten Rund gedämpft. Bruno Godino, sonst eher fürs Zerstören zuständig, traf nach feinem Zuspiel des 19-jährigen Javi Mascarenhas aus spitzem Winkel zum 0:1. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste der linke Verteidiger später, "aber manchmal macht der Ball, was er will." Das Publikum machte in dem Moment allerdings, was es immer tut, wenn der eigene Keeper hinter sich greifen muss - es seufzte kollektiv.

Bohemios’ Trainer Flo Wirtz gestikulierte wild an der Seitenlinie und rief "Ruhig bleiben!", doch seine Elf blieb alles andere als ruhig. Maldonado spielte weiter wie im Training: Kurzpass, Seitenwechsel, freier Mann, Abschluss. In der 27. Minute erhöhte Domingo Jordao nach Vorlage von David Pena auf 0:2. Und als Pena selbst in der 42. Minute traf - diesmal nach Vorarbeit des 18-jährigen Marco Simao - war die Partie praktisch entschieden. Eine Minute später setzte Julian Deco, erneut nach Pass von Simao, den Schlusspunkt unter eine erste Halbzeit, die für die Hausherren nur mit dem Wort "Albtraum" beschrieben werden kann.

"Wir waren einfach nicht da", seufzte Bohemios-Kapitän Julien Beaulieu später in der Mixed Zone. "Vielleicht dachten wir, das Spiel beginnt erst um halb neun." Sein Trainer formulierte es etwas technischer: "Unsere defensive Ordnung war heute… nun ja, sagen wir, sie war kreativ."

Die Zahlen sprachen Bände: 24 Torschüsse für Maldonado, nur 5 für Montevideo; 58 Prozent Ballbesitz für die Gäste, die den Ball laufen ließen, als hätten sie ihn im Abo. Bohemios dagegen wirkte wie eine Band ohne Rhythmus.

Immerhin: Nach der Pause bäumten sich die Gastgeber auf. Wirtz brachte Fernando da Costa - gezwungenermaßen, weil Adrian Escudero verletzt raus musste - und später Nuno Postiga sowie Carlos Varela. Die Wechsel brachten etwas Leben, aber keinen Umschwung. Maldonado schaltete zwei Gänge zurück, verwaltete klug und ließ die Bohemios ins Leere anlaufen.

Erst in der 81. Minute durften die Heimfans wenigstens einmal jubeln. Finlay MacGregor, der rechte Flügel mit dem unerschütterlichen Optimismus, flankte butterweich in den Strafraum, wo Carles Caneira per Kopf das 1:4 erzielte. "Ich hab’s gemacht, damit meine Mutter nicht umsonst gekommen ist", scherzte der Torschütze nach dem Spiel.

In den Schlussminuten versuchten die Bohemios noch, den Schaden zu begrenzen. Maldonado-Coach Huub Stevens - dessen Gesichtsausdruck irgendwo zwischen Zufriedenheit und Langeweile pendelte - wechselte munter junge Talente ein. "Wir wollten das Ergebnis halten und Spielpraxis verteilen", erklärte der Niederländer trocken. "Außerdem hatte Julian Deco schon dreimal aufs Tor geschossen, das reicht für einen Abend."

Dass Maldonado trotz der komfortablen Führung gleich vier Gelbe Karten kassierte, passte irgendwie ins Bild: dominant, aber nicht zimperlich. Godino (32.), Agemar Garcia (34.), Inigo Gomes (46.) und der eingewechselte Albert Adao (75.) sahen Gelb - wobei letzterer sich die Verwarnung bei seinem ersten Zweikampf abholte. "Er wollte zeigen, dass er da ist", kommentierte Stevens mit einem Schmunzeln.

Als Schiedsrichter Jorge Pereyra nach 90 Minuten abpfiff, applaudierten selbst einige Heimfans anerkennend. Maldonado hatte einfach zu souverän gespielt, zu präzise, zu abgeklärt. Bohemios Montevideo dagegen blieb nur die Erkenntnis, dass Offensivgeist ohne defensive Basis wenig bringt.

"Wir müssen lernen, dass Fußball kein Wunschkonzert ist", sagte Trainer Wirtz zum Abschied, bevor er im Kabinengang verschwand. "Auch wenn wir manchmal schön spielen wollen - am Ende zählen Tore. Leider diesmal die falschen."

Ein Fan brachte es beim Hinausgehen auf den Punkt: "Na ja, wenigstens war das Bier kalt." Und so blieb der Abend in Montevideo zwar bitter, aber nicht ganz ohne Trost - schließlich haben selbst die härtesten Bohemios gelernt, dass man Niederlagen mit Stil nehmen kann.

(Ende)

09.12.643987 03:48
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Erich Ribbeck ist vom Fußball so weit weg wie die Erde vom Mars.
Werner Lorant
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