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Es war ein klassischer Montagabend im Old Trafford, wie ihn die Traditionalisten lieben: Flutlicht, volle Ränge, und auf dem Rasen ein Spiel, das in Lehrbüchern irgendwann unter "Arbeitssieg" nachzulesen sein wird. Die Manchester Devils mühten sich zu einem 1:0 gegen das tapfere Tiverton Town - ein Ergebnis, das ebenso nüchtern klingt, wie es zustande kam. Vor 45.002 Zuschauern eröffnete der Gastgeber schwungvoll. Bereits in der 5. Minute prüfte Agafon Swetlow den Gästetorhüter Zoltan Filkor mit einem strammen Schuss, der mehr Staub als Gefahr aufwirbelte. "Ich wollte zeigen, dass wir da sind", grinste Swetlow später. Nun ja - er war da, der Ball aber nicht im Netz. Die Devils spielten, als hätten sie den Wecker eine Minute zu spät gestellt: leicht verschlafen, aber doch gewohnt dominant. Tiverton Town, vom jungen Coach Andi Lipa taktisch ausgewogen eingestellt, ließ sich nicht einschüchtern. Besonders der 18-jährige Ramon Guillen machte auf der rechten Seite Dampf und zwang Devils-Keeper Jose Enrique Benito gleich zweimal zu Glanzparaden. Doch dann kam die 21. Minute - der Moment, der das Spiel entschied. Jacob Ross setzte sich zentral durch, legte den Ball mit feinem Gespür in den Lauf von Aad Putnam, und der traf eiskalt ins linke Eck. 1:0 für Manchester, und das Stadion erwachte endlich aus seiner frühen Wintermüdigkeit. "Ich musste nur noch den Fuß hinhalten", sagte Putnam bescheiden, "Jacob hat den schwereren Teil gemacht." Trainer Reto Klopfenstein brüllte am Spielfeldrand etwas, das man als "Gute Bewegung!" interpretieren konnte - oder als Fluch auf Berndeutsch. Jedenfalls war er zufrieden. "Wir wollten offensiv bleiben, auch wenn es nur 1:0 stand", erklärte er später in der Pressekonferenz, "aber man weiß ja nie, ob der Ballbesitz von 46 Prozent reicht." Denn ja, erstaunlich, aber wahr: Die Gäste hatten mit 53 Prozent mehr Ballbesitz. Nur machten sie daraus zu wenig. Sechs Torschüsse, davon keiner gefährlich genug, um Benito ernsthaft ins Schwitzen zu bringen. Tiverton war bemüht, aber Manchester war effektiv - und manchmal ist das eben die ganze Geschichte. Die zweite Halbzeit brachte mehr Gelb als Glanz. Erst sah Yves Abbadie bei den Gästen die Karte (48.), dann Jay Hannigan (70.), und schließlich durfte auch der eingewechselte Vincent Boulanger (80.) sein Notizbuch-Souvenir entgegennehmen. "Ich wollte nur den Ball spielen", beteuerte Boulanger nach dem Spiel, "aber der Ball wollte nicht." Klopfenstein wechselte klug: In der 70. kam Boulanger für Bettencourt, sieben Minuten später Asen Christow für den Torschützen Putnam. Frischer Wind, aber keine neuen Tore. Swetlow versuchte sich in der 71., 74. und 79. Minute an einer persönlichen "Dreifachchance", die allerdings eher nach Versuchslabor aussah als nach Torrausch. "Ich dachte, einer geht rein", meinte er lachend. "Nächstes Mal nehme ich die Augen zu, vielleicht hilft’s." Tiverton kämpfte bis zur letzten Sekunde. In der 91. Minute zog Hannigan noch einmal ab - der Ball rauschte knapp über die Latte. Trainer Lipa stand mit verschränkten Armen an der Seitenlinie und murmelte später: "Wir hatten den Mut, aber nicht die Fortune." Statistisch betrachtet war es eine kuriose Partie: Die Devils gaben 14 Schüsse ab, die Gäste 6, und trotzdem wirkte das Spiel über weite Strecken offen. Die Tackling-Quote sprach mit 53 Prozent leicht für Manchester, was man im Stadion auch hörte - es krachte oft genug. Nach Abpfiff herrschte im Devils-Lager Erleichterung. "Solche Spiele musst du erstmal gewinnen", sagte Kapitän Manuel Pastorino, "und wenn’s dreckig ist, ist’s halt dreckig." Der Satz gefiel dem Reporter in mir so gut, dass ich ihn zweimal notierte. Auf der Tribüne nickte ein älterer Fan zufrieden und sagte zu seinem Enkel: "Früher haben wir 5:0 gewonnen, heute freut man sich über 1:0. Vielleicht ist das auch Fortschritt." So ging ein Abend zu Ende, der keine Fußballgeschichte schreiben wird, aber immerhin zeigte: Effektivität schlägt Ballbesitz, und Stilpunkte gibt’s dafür keine. Fazit: Die Devils bleiben oben dran, Tiverton Town fährt erhobenen Hauptes heim - mit leeren Händen, aber vollem Herzen. Und Reto Klopfenstein? Der schloss in der Pressekonferenz mit einem Schmunzeln: "Ein Tor reicht, wenn man’s richtig verteidigt." Dem ist nichts hinzuzufügen - außer vielleicht, dass sich 45.002 Menschen ein zweites Tor verdient gehabt hätten. Doch Fußball ist eben kein Wunschkonzert. 15.03.643987 23:50 |
Sprücheklopfer
Wenn sie mich heute Scheiße fragen, wissen Sie auch nicht, ob Sie morgen noch ihren Job haben.
Andreas Brehme nach einer Niederlage auf die Frage, ob er glaubt, am nächsten Tag noch Trainer des 1.FC Kaiserslautern zu sein.[t]Andreas Brehme