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Ein Montagabend in Manchester, 20:30 Uhr, Flutlicht, 47.423 Zuschauer und ein Spiel, das alles versprach - und nach acht Minuten auch schon alles geliefert hatte. Mehr Tore sollten nämlich nicht fallen, obwohl beide Seiten noch fleißig auf die Tore schossen, als gäbe es dafür am Ende Bonusmeilen. Die Manchester Devils starteten furios. Kaum hatte der Stadionsprecher das Anpfiffsignal verdaut, da klingelte es schon in der siebten Minute. Rafet Kisa, der flinke Rechtsaußen mit der Körpersprache eines Mannes, der gerade einen Sprintrekord brechen will, verwandelte nach klugem Zuspiel von Jamie Kirwan zum 1:0. Die Fans tobten, Bierbecher flogen, und Trainer Reto Klopfenstein reckte die Faust gen Himmel, als hätte er gerade eine Steuerprüfung bestanden. Doch die Euphorie hielt nur so lange wie ein Espresso an einem Montagmorgen. Eine Minute später - kaum hatte man den Torjubel zu Ende gegrölt - traf Bristol. Reece Claude, ebenfalls Rechtsaußen, zeigte, dass er den Begriff "Antwort" wörtlich nimmt. Nach Vorarbeit des umtriebigen Ragip Gürsoy nagelte er den Ball ins Netz. 1:1, Minute acht, und die Defensive beider Teams fragte sich wohl, ob sie schon zu Hause auf dem Sofa sitzt. "Das war wie ein Boxkampf mit zwei Lucky Punches am Anfang und dann viel Schattenboxen danach", grinste Devils-Coach Klopfenstein später in der Pressekonferenz. "Wir hätten vielleicht noch einen Treffer verdient gehabt, aber Fußball ist manchmal wie ein schlechter Witz - man lacht trotzdem." Die Zahlen geben ihm nur halb recht: 54 Prozent Ballbesitz für Manchester, 10 Torschüsse - aber Bristol kam auf ganze 13 Versuche. Die Pirates wirkten über weite Strecken gefährlicher, besonders ihr Angreifer Reece Claude, der gleich sechs Mal auf das Tor zielte, als wolle er den Ball hypnotisieren. In der 26. Minute sah Josip Ljubicic von Bristol Gelb, weil er meinte, Rafet Kisa könne man auch mal an der Eckfahne umsäbeln. Später revanchierten sich die Devils mit zwei eigenen Gelben - Alen Rajic in der 59. und Agafon Swetlow in der 65. Minute. Letzterer verabschiedete sich kurz darauf vom Platz, ausgewechselt für den jungen Jacinto Alvaro. "Ich wollte eigentlich bleiben", knurrte Swetlow nach Abpfiff, "aber der Trainer meinte, meine Lunge sei schon im Urlaub." Die zweite Halbzeit brachte dann zwar keine Tore, dafür aber reichlich Drama im Kleingedruckten: Bristol hatte in der 83. Minute einen Schreckmoment, als Taylan Karaman verletzt raus musste. Youngster François Donckers kam für ihn - und wirkte, als hätte er noch den Bus verpasst. Trotzdem ackerten die Pirates weiter. In der 86. Minute versuchte es erneut Claude, sein Schuss verfehlte das Tor aber um Haaresbreite. Die Devils dagegen setzten auf Routine und Rafet Kisa, der in den Minuten 55, 63, 70 und 81 vier weitere Abschlüsse verbuchte. Einer davon hätte fast gepasst - doch Pirates-Keeper Servet Kaloglu fischte den Ball mit einer eleganten Flugeinlage aus dem Winkel. "Ich hab den nur noch gespürt, nicht gesehen", sagte Kaloglu nach dem Spiel, während er sich lachend den rechten Handschuh auszog. Taktisch blieb es interessant: Manchester agierte über weite Strecken ausgewogen, aber mit zunehmender Härte - aggressiv, aber nicht unfair, wie die Statistik zeigt. Bristol dagegen spielte von Beginn an offensiv, mit dem schönen Plan "schießen aus jeder Lage" - und hielt sich auch daran. In den letzten Minuten warf Klopfenstein noch den Joker Vincent Boulanger ins Spiel, während Bristol in der 90. Minute den jungen Albin Bruun brachte, der statt Stürmer Costinha auflief. Ein Wechsel, der mehr nach Zukunft als nach Gegenwart klang. Nach 90 Minuten war klar: Dieses 1:1 fühlte sich für beide Seiten irgendwie gleichzeitig nach Sieg und nach verpasster Gelegenheit an. Devils-Coach Klopfenstein bilanzierte trocken: "Zwei Tore in acht Minuten, danach 82 Minuten Nachdenken. Wir arbeiten dran." Pirates-Trainer Phi Ung dagegen hob die Augenbraue und meinte: "Wenn wir das nächste Mal genauso anfangen - aber nicht aufhören - dann werden wir gefährlich." Vielleicht lag er damit gar nicht so falsch. Denn wenn man ehrlich ist: Dieses Spiel hatte alles, was man braucht - Tempo, Emotion, Drama, und sogar eine Verletzung in der 83. Minute. Nur das Happy End blieb aus. Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions rief: "Wenn die Devils noch ein Tor geschossen hätten, wär’s perfekt gewesen. Aber dann hätten wir ja nichts zu meckern gehabt." Und Meckern - das gehört schließlich zum Fußball wie das Flutlicht zum Montagabend. 22.06.643990 03:13 |
Sprücheklopfer
Ich bin davon überzeugt, dass wir die, die nicht davon überzeugt sind, davon überzeugen werden.
Christian Ziege zur Skepsis vieler deutscher Fußballfans und -experten hinsichtlich des Abschneidens der DFB-Auswahl bei der WM 2002