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Mantovanis Doppelpack reicht nicht: Basel holt 0:2-Rückstand auf

Es war ein Abend, der in Luzern so verheißungsvoll begann und so ernüchternd endete. 40.912 Zuschauer sahen im ausverkauften Stadion einen offenen Schlagabtausch, der alles bot - Tore, Emotionen, Gelbe Karten und die Erkenntnis, dass Fußball manchmal schlicht nicht gerecht ist. Blau-Weiss Luzern führte nach 45 Minuten 2:0, am Ende aber jubelte keiner so richtig: 2:2 gegen Rot-Blau Basel, ein Ergebnis, das für beide Seiten Fragen offenlässt.

Luzerns Trainer Reinhard Wild hatte seine Mannschaft offensiv eingestellt, mit langen Bällen auf die flinke Dreierreihe um Mantovani, Römer und Locklear. Und es schien zunächst perfekt aufzugehen. Nach einer halben Stunde erarbeiteten sich die Luzerner Chancen im Minutentakt - erst Giuliani mit einem satten Schuss (30.), dann Mantovani mit dem, was man wohl einen "klassischen Mittelstürmer-Reflex" nennen darf: In der 33. Minute stand er nach Vorarbeit von Dylan Bosworth goldrichtig und schob aus kurzer Distanz zur Führung ein.

"Ich hab einfach gespürt, dass der Ball noch mal kommt", grinste Mantovani nach Spielende, noch mit Grasflecken auf den Stutzen. "Und dann musst du nur noch den Fuß richtig hinhalten - oder beten." Offenbar betete er gut, denn zehn Minuten später war er wieder zur Stelle. Diesmal kam die Hereingabe von Daniel Barros, und Mantovani köpfte wuchtig zum 2:0 ein (43.). Die Luzerner Fans sangen, Basel schaute konsterniert.

Basel-Coach Kevin Keegan, der an der Seitenlinie den Eindruck vermittelte, als wolle er selbst gleich aufs Feld rennen, reagierte in der Pause doppelt: Alberman und Barnier kamen für Altomonte und Sentürk. "Wir mussten was tun. Ich hab ihnen gesagt: ’Wenn ihr schon untergeht, dann wenigstens mit Würde’", erzählte Keegan später mit britischem Humor.

Und siehe da - das Spiel drehte sich. Basel übernahm die Kontrolle, hatte mit 53 Prozent den leicht höheren Ballbesitz, und die Flügel um Oliveira und Petrow machten plötzlich Druck. In der 55. Minute war es dann Amit Alberman, der nach Pass von Duarte Galva den Anschlusstreffer erzielte. Ein trockener Schuss, keine Chance für Luzerns jungen Keeper Robert Siebert.

Das Spiel kippte, Luzern wankte - und bekam prompt die Quittung. In der 75. Minute wieder Alberman, diesmal nach Vorlage von Jacek Fuhl. 2:2. Und der Jubel im Gästeblock war fast so laut wie die Enttäuschung auf der Gegenseite.

Zwischenzeitlich versuchte Luzern, mit dem 18-jährigen Franck Stock Stabilität zu bringen. Doch das half wenig. Der Druck der Basler war jetzt enorm, das Pressing auf "YES" gestellt, wie man später aus den Taktik-Daten herauslesen konnte - und man sah’s auf dem Platz. Alberman prüfte Siebert noch zweimal (80.), Petrow verzog knapp.

"Wir haben in der zweiten Halbzeit aufgehört, Fußball zu spielen", ärgerte sich Reinhard Wild nach dem Abpfiff. "Vielleicht dachten manche, 2:0 reicht - aber im Fußball reicht gar nichts, solange der Schiri nicht pfeift."

Luzerns Offensive um Mantovani und Locklear kam kaum noch zur Entfaltung, auch weil Basels Oliveira sich nach seiner Gelben Karte (67.) erstaunlich beherrscht zeigte und defensiv klug absicherte. Barros, der Torschütze-Vorbereiter des 2:0, sah in der 74. Minute selbst Gelb - sinnbildlich für die zunehmende Nervosität seines Teams.

"Das war ein Spiel mit zwei Gesichtern", fasste Basels Doppeltorschütze Alberman zusammen. "In der ersten Halbzeit waren wir Zuschauer, in der zweiten haben wir uns selbst Eintritt gezahlt."

Die Statistik untermauert das: 11 Torschüsse für Basel, 10 für Luzern, ein nahezu ausgeglichenes Tackling-Verhältnis (50:49). Nur das Ergebnis spiegelt das Kräfteverhältnis der Halbzeiten nicht wider - Luzern hätte gewinnen können, Basel musste es fast.

Als der Schlusspfiff ertönte, sah man zwei Trainer, die gleichermaßen unzufrieden wirkten. Keegan, weil er wusste, dass ein Sieg möglich gewesen wäre. Wild, weil er wusste, dass er ihn verschenkt hatte.

Vielleicht war es am Ende ein gerechtes Unentschieden. Vielleicht aber auch ein Paradebeispiel dafür, wie 90 Minuten Fußball beide Seiten gleichzeitig glücklich und unglücklich machen können.

Oder, wie Mantovani es mit einem Achselzucken ausdrückte: "Wenn du zweimal triffst und trotzdem nicht gewinnst, dann weißt du - das ist kein Märchenabend."

Ein Punkt für jeden, viele Geschichten für die Zuschauer - und ein Spiel, das man in Luzern wohl noch eine Weile diskutieren wird.

26.05.643987 11:02
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Ich muß von jedem Spieler in Europa wissen, was für ein Duftwasser er benutzt.
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