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Ein Abend in Maracaibo, 38.177 Zuschauer, Tropenluft, Trommeln und - wie so oft - ein Spiel, das alle Emotionen durchlief, aber am Ende keinen Sieger fand. CF Maracaibo und Aragua FC trennten sich am 8. Spieltag der 1. Liga Venezuela mit einem 1:1-Unentschieden. Zwei Tore kurz vor der Pause, ein Platzverweis, jede Menge Gelbe - und reichlich Gesprächsstoff für die Heimfahrt. Maracaibo begann, wie Trainer Sprego Boss es angekündigt hatte: "Wir wollten kompakt stehen und auf den Moment warten. Und der kam - fast zu früh, fast zu spät, aber immerhin kam er", grinste der Coach später. Sein Team dominierte den Ball, 60 Prozent Ballbesitz, aber lange Zeit fehlte der letzte Pass. Die Fans scharrten schon ungeduldig mit den Füßen, als in der 43. Minute der Funke übersprang: Pedro Claverias flankte von links, Filippo Caloveto rauschte heran und traf per Direktabnahme - 1:0. Der Jubel war ohrenbetäubend, die Stadionlautsprecher hatten Mühe, dagegen anzukommen. Doch kaum war der Torjubel verklungen, kam Aragua zurück. Zwei Minuten später, in der 45. Minute, kombinierte sich das Team von Claire Werk über die Flügel durch - natürlich, wo sonst, wenn man "offensiv über die Flügel" eingestellt ist? Jose Perez legte quer, Felipe Gomez schob eiskalt ein. 1:1. "Wir haben auf die Antwort gedrängt, weil wir wussten, dass sie hinten gerne träumen", sagte Gomez hinterher mit einem Lächeln, das ebenso selbstbewusst wie frech war. Die zweite Hälfte begann mit einem wilden Ringen um die Kontrolle. Maracaibo weiter mit ruhigem Passspiel, Aragua mit aggressivem Pressing und jugendlichem Übermut - sinnbildlich dafür der 18-jährige Javi Yague, der in der 50. Minute aus der Distanz abzog und Maracaibos Torwart Emilio de Freitas zu einer Flugeinlage zwang. Kurz danach musste der Youngster runter, Trainer Werk ersetzte ihn durch den erfahreneren Nelio de Vivar. Das Spiel kippte zunehmend in Richtung Drama. Bei Aragua sammelten sich die Karten wie Panini-Bilder: Puerta Gelb in der 55., Gonzalo in der 70., Staunton in der 85. Und dann, in der 83. Minute, der Knall - Julian Puerta sah nach wiederholtem Foulspiel Gelb-Rot. Der Innenverteidiger stapfte vom Platz, während Werk an der Seitenlinie verzweifelt die Hände hob. "Ich wollte ihm gerade zurufen, er soll runterfahren - da war’s schon zu spät", seufzte die Trainerin später. In Überzahl drückte Maracaibo, aber ohne Fortune. Rudolf Jonsson prüfte in der 58. Minute den Aragua-Keeper Johann Cartier mit einem strammen Schuss, doch der blieb cool wie ein Eisschrank. Auch Pedro Claverias versuchte es später aus spitzem Winkel - das Netz zitterte, aber nur außen. Die Partie endete, wie sie begonnen hatte: mit viel Ballbesitz für Maracaibo, vielen gelben Flecken im Notizblock des Schiedsrichters und einem Ergebnis, das beiden nicht so recht schmeckte. "Ein Punkt ist ein Punkt", murmelte Boss, "aber wir hätten heute mehr verdient. Wir haben das Spiel kontrolliert, sie haben nur reagiert." Claire Werk sah das naturgemäß anders: "Wir wussten, dass sie den Ball haben wollen. Wir wollten lieber den Punkt - und den haben wir." Ihr Lächeln dabei: ein Gemisch aus Erleichterung und stillem Stolz. Taktisch gesehen war es ein Duell zweier Philosophien: Maracaibo im balancierten Kontermodus, geduldig und strukturiert, während Aragua wild, offensiv und mit viel Flügelspiel agierte. Die Statistik liest sich entsprechend paradox: je fünf Torschüsse auf beiden Seiten, aber Maracaibo mit deutlich mehr Spielanteilen. Nach Abpfiff applaudierte das Publikum, als hätte das Heimteam gewonnen. Vielleicht, weil es einfach ein unterhaltsames Fußballspiel war - mit allem, was dazugehört: einem Helden (Caloveto), einem Schurken (Puerta), einer Trainerin, die mit dem Schicksal haderte, und einem Torwart, der am Ende so viele Hände schüttelte, dass man ihm Eisspray für die Handgelenke hätte reichen müssen. "Fußball ist manchmal wie eine venezolanische Telenovela", sagte ein Fan beim Hinausgehen. "Man weiß nie, wer am Ende noch auftaucht - aber man bleibt dran." Und so war’s: ein 1:1, das niemanden restlos glücklich machte, aber alle bestens unterhielt. Bis zum nächsten Kapitel dieser Serie - mit hoffentlich weniger Karten, aber garantiert genauso viel Drama. 10.04.643987 02:07 |
Sprücheklopfer
Wie war noch die zweite Frage? Das ist nicht so einfach, ich bin schließlich Fußballer.
Mehmet Scholl bei einer Pressekonferenz, nachdem ihm zwei Fragen auf einmal gestellt wurden