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CF Maracaibo hat am 4. Spieltag der 1. Liga Venezuela einen sicher geglaubten Sieg aus der Hand gegeben. Nach einer furiosen ersten Halbzeit endete das Duell gegen Guaro Larense vor 34.293 Zuschauern im Estadio Pachencho Romero mit einem 2:2-Unentschieden - ein Ergebnis, das Trainer Sprego Boss später nur mit einem gequälten Lächeln kommentierte: "Wir haben wohl vergessen, dass Fußball 90 Minuten dauert." Dabei begann alles nach Maß. Die Hausherren gingen mit der taktischen Ausrichtung "offensiv auf Konter" in die Partie - ein scheinbarer Widerspruch, der aber sofort Wirkung zeigte. Bereits in der 14. Minute setzte sich Arsenis Galitsios auf der linken Seite durch, flankte scharf in die Mitte, wo Carlos Pascual den Ball mit der Brust annahm und trocken zum 1:0 einschob. "Ich hab gar nicht nachgedacht. Vielleicht war das das Geheimnis", grinste Pascual später. Maracaibo drückte weiter, spielte schnell, mutig und mit jener Aggressivität, die Trainer Boss so liebt. Kurz vor der Pause (43.) dann das 2:0: Rechtsverteidiger Jean Marceau, der sich offenbar als Flügelstürmer verkleidet hatte, zog nach einem Doppelpass mit Marius Jakobsen nach innen und zimmerte den Ball ins lange Eck. Der Jubel war ohrenbetäubend - die Fans sangen, als wäre der Titel schon sicher. Doch Fußball ist ein launischer Geselle. Nach dem Seitenwechsel veränderte sich das Bild komplett. Guaro Larense, das zuvor mit fast stoischer Ruhe agiert hatte, kam plötzlich mit Schwung aus der Kabine. Trainer Jan Ost, sonst eher ein Mann der leisen Worte, muss in der Pause die richtigen Knöpfe gedrückt haben. "Ich habe nur gesagt: Wenn wir schon verlieren, dann wenigstens mit Würde. Und dann wollten sie offenbar gar nicht mehr verlieren", erklärte Ost mit einem Augenzwinkern. In der 52. Minute verkürzte der flinke Rechtsaußen Leo Benveniste nach Vorarbeit von Innenverteidiger Bruno de Freitas auf 2:1. Ein Tor aus dem Nichts, aber es brachte neues Leben ins Spiel. CF Maracaibo wirkte plötzlich nervös, verlor die Ordnung, und nur acht Minuten später (60.) erzielte Xavi Iniguez nach klugem Zuspiel von Uwe Charpentier den Ausgleich. 2:2 - und das Stadion wurde still, als hätte jemand den Stecker gezogen. Trainer Boss tobte an der Seitenlinie, brüllte Anweisungen, fuchtelte mit den Armen, als wolle er den Ball selbst über die Linie tragen. Doch seine Mannschaft verlor den Rhythmus. Zwar hatte Maracaibo mit 21 Torschüssen deutlich mehr Abschlüsse als Larense (9), doch der letzte Biss fehlte. Zu allem Überfluss musste der junge Dimas Gil kurz nach seiner Einwechslung (63.) verletzt wieder runter - ein bitterer Moment, den sogar die gegnerischen Fans mit Applaus begleiteten. "Das war Pech pur", sagte Boss später, "der Junge hatte noch keinen Schweißtropfen auf der Stirn." Dann kam die Szene, die das Spiel endgültig auf den Kopf stellte: In der 72. Minute sah Larenes Linksverteidiger Harry Fryer nach wiederholtem Foulspiel die Gelb-Rote Karte. Statt jedoch den Sieg in Überzahl zu erzwingen, schien Maracaibo in eine Art kollektive Schockstarre zu verfallen. Der Ballbesitz blieb ausgeglichen (49,7 zu 50,3 Prozent), aber das Tempo war raus. Die letzten Minuten waren ein Spiegel der Verzweiflung: Pascual (94.) prüfte Keeper Asier Villar noch einmal mit einem Schuss aus spitzem Winkel, doch der Torhüter hielt - und reckte danach triumphierend die Faust in den Nachthimmel von Maracaibo. "Ein Punkt, der sich wie ein Sieg anfühlt", jubelte Larenes Doppeltorschütze Benveniste nach dem Abpfiff, bevor ihn sein Trainer korrigierte: "Na ja, ein Tor war’s, Leo. Aber lassen wir’s gelten." Für CF Maracaibo bleibt die Erkenntnis, dass ein Spiel nicht nach 45 Minuten entschieden ist - und dass selbst 21 Schüsse aufs Tor nichts nützen, wenn man in der zweiten Halbzeit das Herz in der Kabine lässt. Oder, wie es ein frustrierter Fan beim Hinausgehen formulierte: "Wir haben zwei Halbzeiten gespielt - leider nur eine davon gut." Und vielleicht war das an diesem lauen Januarabend die ehrlichste Analyse überhaupt. 06.03.643987 15:07 |
Sprücheklopfer
Hitlers Tagebuch. Das hat mich dann doch interessiert.
Stefan Effenberg auf die Frage, welches Werk der Weltliteratur ihn besonders geprägt habe