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Champions League Qualifikation | 2. Runde - Hinspiel | 08.07.26 | Mares Dupniza - Gela 3:4 Dabei fing alles so vielversprechend an für die Gastgeber. Schon nach elf Minuten zappelte der Ball im Netz - Pierre Barre vollendete nach feinem Zuspiel von Jungspund Sami Khedira. "Ich hab einfach draufgehalten, und irgendwie war der Ball dann drin", grinste Barre später, noch halb ungläubig. Die Fans tobten, und Trainer Hristo Stoichkov klatschte zufrieden in die Hände. Mares drückte weiter, als ginge es um die Meisterschaft. Jordan Christow erhöhte in der 40. Minute auf 2:0, nach mustergültiger Vorarbeit von Javier Coelho. Gela sah in dieser Phase aus, als hätten sie ihre Abwehrreihe in der Kabine vergessen. "Wir waren nicht da", knurrte Gästecoach Michael Müller später. "Ich hätte am liebsten alle elf gleichzeitig ausgewechselt." Die Halbzeitstatistik sprach eine klare Sprache: 47 % Ballbesitz für Mares, 12 Torschüsse, zwei Tore - Effizienz auf bulgarische Art. Gela dagegen mit 52 % Ballbesitz, aber ohne Durchschlagskraft. "Ballbesitz ist schön, Tore sind besser", witzelte Stoichkov in der Pause. Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn er nicht gnadenlos unberechenbar wäre. Kaum war die zweite Hälfte angepfiffen, schlug Gela zurück. Tiago Almeida traf in der 47. Minute zum 2:1 - wie aus dem Nichts. "Wir wollten zeigen, dass wir keine Touristen sind", sagte Almeida später mit einem Augenzwinkern. Und plötzlich war das Spiel ein anderes. Gela spielte nun so, als hätte jemand den Turbo gefunden. Vitorino Postiga, ohnehin der Dirigent im Mittelfeld, übernahm das Kommando. In der 57. Minute glich er selbst aus, nach Vorarbeit von Isidoro Garcia. Ironie des Abends: Garcia musste kurz darauf verletzt raus - und Postiga widmete ihm beide Arme gen Himmel. Mares taumelte. Stoichkov gestikulierte wild an der Seitenlinie, Khedira rannte sich die Seele aus dem Leib, doch Gela roch Blut. In der 75. Minute war es wieder Postiga, diesmal nach Doppelpass mit Almeida, der den Ball in die Maschen drosch. 2:3 - und plötzlich war es totenstill im Stadion. "Ich wusste, dass wir zurückkommen", behauptete Gästetrainer Müller später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Selbstzufriedenheit und purem Erstaunen lag. Doch Dupniza gab sich nicht geschlagen. Sechs Minuten vor Schluss wuchtete Javier Coelho den Ball nach einer Ecke von Carl Dominguez zum 3:3 ins Netz - und das Stadion erwachte wieder. "Da dachte ich, jetzt kippt’s wieder zu unseren Gunsten", sagte Stoichkov später. Aber Gela hatte das letzte Wort. In der 91. Minute, als alle schon mit dem Remis lebten, kam der Moment des Eric Jonsson. Nach einem Pass von - na klar - Postiga, traf der Schwede trocken ins rechte Eck. 4:3. Jubel, Fassungslosigkeit, Entsetzen - alles gleichzeitig. "Ich hab einfach gespürt, dass da noch was geht", grinste Jonsson später. "Und dann hab ich’s einfach gemacht." Die Statistiken unterstreichen das Drama: 12:10 Torschüsse für Mares, aber eben ein Tor mehr für Gela. Beide Teams mit nahezu identischer Zweikampfquote um 50 Prozent - also kein klarer Sieger im Kampf, nur auf der Anzeigetafel. Stoichkovs Fazit fiel entsprechend bitter aus: "Wir haben 45 Minuten großartigen Fußball gespielt - und dann 45 Minuten lang zugeschaut." Müller dagegen lobte seine Mannschaft: "Das war Charakter. Und Vitorino war heute unser Herz." Die Fans von Mares Dupniza verließen das Stadion mit einem Gefühl zwischen Stolz und Verzweiflung. 2:0 geführt, 3:4 verloren - so etwas nennt man wohl "eine bittere Lehrstunde". Und wer weiß, vielleicht war es genau das, was Stoichkov nach dem Spiel meinte, als er sagte: "Manchmal musst du erst verlieren, um zu begreifen, wie man richtig gewinnt." Das Rückspiel in Gela dürfte jedenfalls nichts für schwache Nerven werden. Und wenn es wieder so läuft wie heute, sollte man den Defibrillator schon mal aufladen. 08.07.2026 21:09 |
Sprücheklopfer
Wichtig ist, dass wir auch kämpferisch überzeugen und nicht nur Eiskunstlaufen machen.
Rainer Calmund