Sport-Blick
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Martigny dreht das Spiel: Homola und Janssen lassen die Alpen beben

Challenge League | 1. Spieltag | 05.07.26 | SC Martigny - Racing Club GE 3:2

Es war ein heißer Sommerabend in Martigny, als 22 Männer beschlossen, das Thermometer noch ein paar Grad nach oben zu treiben. 22.339 Zuschauer im Stade du Rhône sahen am 1. Spieltag der Challenge League ein Fußballspiel, das alles bot - Tore, Emotionen und ein bisschen jugendliche Übermut auf Seiten der Gäste. Am Ende jubelte der SC Martigny nach einem 3:2 (1:2) über Racing Club GE - und das völlig verdient.

Schon nach vier Minuten war klar, dass hier niemand lange fackeln wollte. Dennis Bergen, der quirligste Linksfuß der Westschweiz, setzte sich auf seiner Seite durch und legte mustergültig quer. Pavel Homola, 32, der Mann mit dem Schuss wie ein Presslufthammer, drosch den Ball unhaltbar in die Maschen. Trainer Truthan Trainer (ja, der Mann heißt wirklich so) von Racing Club GE stand da mit verschränkten Armen - vielleicht ahnend, dass seine junge Truppe heute Lehrgeld zahlen würde.

Doch keine zwei Minuten später zappelte der Ball auf der anderen Seite im Netz. Der 18-jährige David Bettencourt, gerade alt genug, um sich selbst ein Auto zu mieten, nutzte einen Moment Schlafmützigkeit in der Martigny-Abwehr. Nach Zuspiel von Alessio Costa nagelte er den Ball in die kurze Ecke - 1:1. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Bettencourt später, "mein Trainer hat gesagt, ich soll mutig sein. Also war ich mutig."

Mut bewies auch Johann Benz kurz vor der Pause. In der 42. Minute brachte der linke Mittelfeldmann der Genfer Gäste sein Team mit 2:1 in Führung, nachdem Rune Halvorsen auf rechts alle Zeit der Welt hatte, den Ball maßgerecht zu servieren. Martigny-Coach - ein Mann, der lieber im Hintergrund bleibt, aber während des Spiels gefühlt jede Grashalmbewegung kommentierte - war außer sich. "Wir haben uns hinten benommen wie beim Fondue-Abend - jeder rührt, keiner trifft den Käse", schimpfte er später halb ernst, halb amüsiert.

Mit einem 1:2 ging es in die Kabinen, und man konnte spüren, dass Martigny trotz 62 Prozent Ballbesitz und 14 Torschüssen noch etwas vorhatte. "In der Pause war es ruhig", erzählte Vincent Janssen. "Na ja, so ruhig, wie es eben sein kann, wenn der Trainer den Flipchart zerlegt."

Was auch immer in der Kabine gesagt wurde - es wirkte. In der 65. Minute war es wieder Homola, der die Hoffnung zurückbrachte. Nach einer feinen Hereingabe von Aitor del Olmo stieg der Tscheche am höchsten und köpfte zum 2:2 ein. Die Kulisse tobte, und Racing Club GE begann zu wackeln. "Wir wollten eigentlich defensiv stabil bleiben", meinte Gästecoach Trainer später trocken. "Aber das hat sich wohl nicht bis zur Abwehrkette herumgesprochen."

Die junge Genfer Mannschaft kämpfte tapfer, doch man merkte, dass die Routine fehlte. In der 83. Minute schlug dann die Stunde des Altmeisters Janssen. Nach feinem Zuspiel von Pascal Pienaar drehte er sich elegant um seinen Gegenspieler und schob den Ball mit der Ruhe eines Mannes ein, der schon alles gesehen hat. 3:2 - Martigny hatte das Spiel gedreht.

Im Stadion wurde es laut. Kinder schrien, Bierbecher flogen, und irgendwo auf der Haupttribüne soll ein älterer Fan gerufen haben: "Das ist Fußball, wie ihn Gott gemeint hat!" Selbst Homola, sonst eher ein stiller Geselle, lachte nach dem Abpfiff: "Ich dachte, ich sei zu alt für zwei Tore in einem Spiel - aber der Körper hat zum Glück nicht mitbekommen, was der Kopf denkt."

Racing Club GE wechselte spät noch zweimal, brachte den 17-jährigen Keeper Kurt Blanchet und Linksaußen Dominique Desjardins, aber die Partie war gelaufen. Martigny verwaltete das Ergebnis clever, ohne sich hinten einzugraben.

Statistisch war das Ergebnis eindeutig: 62 Prozent Ballbesitz, 14 Schüsse auf das Tor, und eine Zweikampfquote knapp über 51 Prozent. Racing Club GE kam zwar auf zehn Abschlüsse, doch vieles blieb Stückwerk. Die Offensivtaktik der Gäste war mutig, aber naiv - und gegen ein abgeklärtes Martigny reicht das selten.

Nach dem Abpfiff zeigte sich Coach Trainer erstaunlich gefasst. "Wenn du mit einer halben Jugendakademie gegen Männer spielst, verlierst du manchmal. Wir lernen daraus." Martignys Trainer dagegen grinste nur: "Das war kein perfektes Spiel. Aber drei Tore sind besser als zwei - das ist die einzige Statistik, die zählt."

Und wie heißt es so schön in Martigny? Wer zweimal zurückliegt und trotzdem gewinnt, der darf sich ruhig feiern lassen. An diesem Abend taten sie es - laut, herzlich und völlig verdient.

06.07.2026 10:21
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Ich hätte auch woanders ins Ausland gehen können.
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