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Marwin Thiel erlöst Saarbrücken spät - Fortuna verzweifelt am eigenen Strafraum

Wer am Sonntagabend im Schneidlinger Fortuna-Park auf ein Fußballfest gehofft hatte, bekam immerhin ein eindrucksvolles Lehrstück in Geduld, Verzweiflung und Torverhinderung geboten. 2125 Zuschauer froren sich beim 17. Spieltag der Landesliga 25 durch 90 Minuten, in denen Fortuna Schneidlingen ein Bollwerk errichtete - und Saarbrücken 25 Mal darauf einschlug, ehe in der 80. Minute endlich der Damm brach.

Das Endergebnis: 0:1. Ein knappes Resultat, das die Kräfteverhältnisse nur sehr bedingt widerspiegelt. Während die Gäste unter Trainer Homer Simpson (ja, tatsächlich) gefühlt im Minutentakt zu Chancen kamen, reichte es bei der Fortuna gerade einmal zu einem einzigen Schuss auf das Tor - abgefeuert von Walther Weber in der 54. Minute, halb Mutprobe, halb Verzweiflungstat.

"Ich hab den Ball gesehen und gedacht: warum eigentlich nicht?", grinste Weber nach Abpfiff, "dann war er aber schneller wieder weg, als ich gucken konnte."

Saarbrücken startete furios: Schon in der ersten Minute zog Emil Musiala ab, in der zweiten versuchte sich Jan Fritz, in der dritten gleich nochmal. Fortunas Keeper Daniel Graysmark bekam in den ersten fünf Minuten mehr zu tun als in manchen kompletten Landesliga-Saisons. Doch der 34‑jährige Routinier hielt, flog, schimpfte und wischte sich nach jedem Ball die Handschuhe ab, als wolle er sagen: "Ihr könnt’s ja versuchen."

Nach einer Viertelstunde hatten die Gäste bereits acht Torschüsse gesammelt, die Gastgeber bis dahin exakt null Ballkontakte in der gegnerischen Hälfte. Vom Spielfeldrand rief ein älterer Fortuna-Fan seinem Team zu: "Jungs, der Ball ist rund, ihr dürft ihn auch mal benutzen!"

Homer Simpson, der Saarbrücker Coach, nahm’s mit stoischer Gelassenheit. "Wir wollten geduldig bleiben. Und ich hab meinen Jungs gesagt: So lange der Ball nicht platzt, schießen wir weiter", erklärte er nach dem Spiel, während er demonstrativ an einem Donut kaute.

Fortuna Schneidlingen verteidigte im Stil einer mittelalterlichen Stadtmauer, mit allem, was Beine hatte. Friedrich Gerlach, der Innenverteidiger, sah in der 47. Minute Gelb, nachdem er einen Saarbrücker Angriff buchstäblich umgepflügt hatte. Sein Kommentar: "Ball gespielt - also, fast." Wenig später kassierte auch Jesus Hartung eine Verwarnung (61.), weil er an der Außenlinie mehr Körper als Ball einsetzte.

Und dann kam die 80. Minute. Wieder rollte ein Angriff über die linke Seite. Emil Musiala, unermüdlicher Antreiber im Zentrum, steckte den Ball clever durch auf Marwin Thiel. Der 20‑Jährige nahm Maß, zog ab und versenkte den Ball flach ins rechte Eck - Graysmark diesmal ohne Chance. 25 Torschüsse hatte es bis dahin gebraucht, der 26. saß.

"Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", lachte Thiel später. "Emil hat mir den Ball so serviert, da wäre es unhöflich gewesen, ihn nicht reinzumachen."

Nach dem Gegentreffer versuchte Fortuna noch einmal, so etwas wie Offensive zu zeigen, doch die Beine waren schwer und die Köpfe leer. Saarbrücken spielte die Partie routiniert herunter, hielt den Ball in den eigenen Reihen und sammelte weiter Statistiken für ein Lehrbuch über Dominanz: knapp 60 Prozent Ballbesitz, fast doppelt so viele gewonnene Zweikämpfe, und eine Schussbilanz von 25:1.

Einziger Wermutstropfen für die Gäste: Sadi Sekman sah kurz vor Schluss noch Gelb (83.), möglicherweise aus Langeweile, vielleicht auch, weil er endlich mal einen Schneidlinger Spieler aus der Nähe sehen wollte.

Im Fortuna-Lager suchte man nach positiven Aspekten. Trainer Müller - der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollte - fasste es trocken zusammen: "Wir haben das Torverhältnis nur um eins verschlechtert. Das ist auf unsere Art fast ein Sieg."

Homer Simpson hingegen zeigte sich zufrieden, wenn auch mit dem typisch ironischen Unterton: "Ein Arbeitssieg, klar. Aber manchmal muss man sich eben durchbeißen - oder durchdonuten."

So endete ein einseitiges, aber keineswegs langweiliges Spiel. Saarbrücken durfte jubeln, Fortuna durfte fluchen, und die Zuschauer durften sich fragen, wie ein Team mit 25 Torschüssen so lange braucht, um zu treffen.

Zum Abschied murmelte ein Zuschauer auf der Tribüne: "Na ja, immerhin wissen wir jetzt, dass unser Torwart noch lebt." Und das war, an einem langen Schneidlinger Abend, fast so viel wert wie ein Punkt.

14.06.2026 21:09
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