Dagbladet
+++ Sportzeitung für Norwegen +++

Maurice trifft spät - Bärum FB siegt glücklich in Grimstad

Es war einer jener norwegischen Abende, an denen man sich fragt, warum man eigentlich nicht Eishockeyfan geworden ist. 20:30 Uhr, leichter Nieselregen über dem Fjord, 12.500 wetterfeste Zuschauer im Stadion von Grimstad IF - und ein Spiel, das lange so aussah, als würde es mit einem humorlosen 0:0 enden. Doch dann kam Minute 73, ein junger Mann namens Frederic Maurice, und der schrieb kurzerhand die Geschichte dieses ersten Spieltags der 1. Liga Norwegen um.

Dabei hatte Grimstad IF eigentlich alles im Griff - oder zumindest den Eindruck davon. 49 Prozent Ballbesitz, fünf Schüsse aufs Tor, eine Gelbe Karte (danke, Rune Halvorsen, für den farblichen Akzent in der 68. Minute) und jede Menge guter Vorsätze. "Wir wollten ruhig spielen, den Ball laufen lassen", erklärte Trainerassistent Lars Henriksen nach dem Abpfiff. "Leider hat der Ball beschlossen, nicht mitzuspielen."

Bärum FB war da schon ein anderes Kaliber: neun Torschüsse, etwas mehr Ballbesitz und diese Spur jugendlicher Unbekümmertheit, die man nur hat, wenn der älteste Offensivspieler gerade mal 23 ist. Trainer Savo Partizan, ein Mann, der aussieht, als könnte er auch eine Kneipenschlägerei gewinnen, grinste nach dem Spiel breit: "Ich habe der Mannschaft gesagt: Wenn ihr schon nass werdet, dann wenigstens vom Jubelregen."

Der entscheidende Moment kam, als der 18-jährige Maurice - erst kurz nach der Pause für Dylan Clancy eingewechselt - im Strafraum lauerte wie ein Lachs vor der Laichzeit. Maik Stock, ebenfalls 18, flankte von links mit mehr Mut als Präzision, aber der Ball fand tatsächlich Maurice’ linken Fuß. Ein kurzer Blick, ein Schuss, und Grimstads Torwart Alfonso Simao konnte nur noch den Kopf schütteln. 0:1. Die Stille im Stadion war so dicht, man hätte sie schneiden können - vermutlich mit einem rostigen Eishockeyschläger.

"Ich hab eigentlich gar nicht gesehen, dass der Ball reingeht", gestand Maurice später mit einem breiten Grinsen. "Ich wollte einfach mal draufhalten. Und dann… ja, Glück gehabt." Ein Reporter fragte: "War das Absicht oder Instinkt?" - "Ein bisschen von beidem. Aber sagen Sie ruhig, es war genial."

Grimstad versuchte in der Schlussphase alles, was die norwegische Fußballschule hergibt - also beherzte Flanken, lange Bälle und ein paar verzweifelte Schüsse von Carlos Mendes, der mit 33 Jahren und drei Torschüssen der aktivste Mann des Abends war. Doch Dorinel Lacatus im Tor der Gäste hielt die Null fest wie ein Elch sein Geweih.

In der 77. Minute versuchte Mendes es noch einmal, aus gut 25 Metern, aber der Ball flog irgendwo zwischen Eckfahne und Hotdogstand vorbei. "Ich dachte, der Wind hilft mir", sagte Mendes später, "aber der Wind war offenbar Bärum-Fan."

Während Grimstad also an der eigenen Chancenverwertung scheiterte, blieb Bärum taktisch stoisch: ausgeglichen, diszipliniert, kein Pressing, keine wilden Experimente - einfach solide. In den Taktikblättern des Spiels steht: "BALANCED" in jeder Kategorie. Und tatsächlich: Bärum spielte, als hätten sie eine Excel-Tabelle zur Vorlage genommen. Aber manchmal reicht das eben.

Nach dem Spiel war die Stimmung geteilt. Grimstad-Trainer - dessen Name von der Liga nicht überliefert wurde, was irgendwie symbolisch passt - sprach von "einem unglücklichen Ergebnis, aber einer engagierten Leistung". Kapitän Erik Gulbrandsen nickte daneben und murmelte: "Wenn Engagement Tore zählen würde, hätten wir gewonnen."

Bärum dagegen feierte ausgelassen, besonders die beiden 18-Jährigen Stock und Maurice. "Wir haben extra lange trainiert, um genau so einen Moment zu erleben", behauptete Stock, bevor Maurice lachend einwarf: "Er lügt, wir haben Pizza bestellt und FIFA gespielt."

Statistisch gesehen war es ein enges Spiel: 50,9 Prozent Ballbesitz für Bärum, 46,8 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Grimstad - also fast Gleichstand. Nur das Torverhältnis spricht eine klare Sprache: 0:1.

Und so bleibt für Grimstad die bittere Erkenntnis: Wer im eigenen Stadion kein Tor schießt, darf sich nicht beschweren, wenn der Gegner irgendwann doch trifft. Oder wie ein älterer Fan auf der Tribüne seufzte: "Früher hatten wir wenigstens noch Pech - heute haben wir nur noch Statistik."

Ein Spiel, das kein Feuerwerk war, aber eines dieser leisen Dramen, die den Fußball so schön absurd machen. Grimstad IF bleibt torlos, Bärum FB hat drei Punkte - und Frederic Maurice vermutlich einen neuen Platz in den Herzen der Bärumer Fans.

Man darf gespannt sein, ob der junge Mann nächste Woche wieder trifft. Wenn ja, könnte man ihn bald schon als "den norwegischen Mbappé mit Regenjacke" bezeichnen. Wenn nicht, bleibt immer noch die Erinnerung an diesen Abend, an dem ein 18-Jähriger den Unterschied machte - und 12.500 Zuschauer nass, aber sprachlos nach Hause gingen.

11.08.644000 17:45
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Der Jürgen Klinsmann und ich, wir sind ein gutes Trio. Ich meinte: ein Quartett.
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