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Wenn man an einem kalten Januarabend in Hsuhopolje das Flutlicht einschaltet, erwartet man ehrlichen, bodenständigen Fußball, ein bisschen Kampf, ein bisschen Krampf - und vielleicht ein Tor der Heimmannschaft. Am 6. Spieltag der 1. Liga Kroatiens war allerdings nur die Hälfte dieser Erwartungen erfüllt. Denn nach 90 intensiven Minuten musste sich NK Hsuhopolje vor 15.432 frierenden, aber tapferen Zuschauern mit 0:2 gegen Medimurje Cakovec geschlagen geben. Dabei sah es lange nicht nach einem klaren Auswärtssieg aus. Die Gastgeber begannen mit leichtem Übergewicht im Ballbesitz (52 Prozent, sagt die Statistik, aber wer zählt das schon während des Spiels?) und suchten ihr Glück über die Flügel. Adriano Simao versuchte es gleich dreimal, doch entweder flog der Ball in Richtung des örtlichen Kirchturms oder Cakovecs Torwart Igor Rakitic pflückte ihn seelenruhig herunter, als würde er Äpfel ernten. "Ich hatte das Gefühl, wir könnten ewig spielen und würden trotzdem nicht treffen", meinte Hsuhopoljes Kapitän Dino Simunic nach der Partie, bevor er sich die zweite Gelbe Karte seiner Saison schönredete: "Das war taktisch nötig - also fast." Cakovec begann abwartend, fast ängstlich, mit einer klar defensiven Ausrichtung. Trainer Rocky Pet hatte seine Elf tief stehen lassen, um auf Konter zu lauern. "Wir wollten den Gegner einschläfern", grinste er später. "Hat funktioniert - sie sind eingeschlafen, und wir haben getroffen." Tatsächlich dauerte es bis zur 72. Minute, ehe der erst 17-jährige Georgi Donkow, frisch eingewechselt für Marc Dominguez, nach einem Pass von Miroslav Ivanovic das 0:1 erzielte. Ein Teenager mit Nerven aus Stahl: erster Ballkontakt, erstes Tor. "Ich wollte eigentlich flanken", gab Donkow nach dem Spiel schüchtern zu. "Aber der Ball war schneller klüger als ich." Nur sechs Minuten später legte Luke Kinsella nach. Der englische Mittelstürmer, bis dahin eher unauffällig, kombinierte sich mit Cesc Navarro durch die müde gewordene Hsuhopolje-Abwehr und schob den Ball trocken ins lange Eck. 0:2 - der Drops war gelutscht. Navarro, dessen Pässe an diesem Abend öfter das Ziel fanden als die Pässe des gesamten Heimteams, kommentierte süffisant: "Wir haben heute zugehört, was der Trainer gesagt hat. Das war neu für uns." Hsuhopolje versuchte noch einmal, mit Herz und Hoffnung zurückzukommen. Coach (dessen Name an diesem Abend besser ungenannt bleibt) gestikulierte wild an der Seitenlinie, als wolle er den Ball per Gedankenkraft ins Tor drücken. Doch die letzten Versuche von Berg (75.) und Simao (83.) blieben ebenso harmlos wie die Offensivbemühungen zuvor. Zwei späte Gelbe Karten - für Polupanow (89.) und Simunic (95.) - standen am Ende sinnbildlich für die Frustration des Heimteams. Statistisch gesehen war es kein Weltuntergang: 10 zu 13 Torschüsse, 48 Prozent gewonnene Zweikämpfe, also fast Gleichstand. Aber die Zahlen erzählen nicht die ganze Geschichte. Medimurje spielte cleverer, nutzte die wenigen echten Chancen, während Hsuhopolje zwar bemüht war, aber in etwa so durchschlagskräftig wirkte wie ein nasser Pappkarton im Sturm. "Wir müssen lernen, dass Ballbesitz keine Währung ist", sagte ein sichtlich genervter Hsuhopolje-Spieler nach Abpfiff. "Man kann damit keine Tore kaufen." Trainer Pet hingegen zeigte sich zufrieden, aber nicht überschwänglich: "Wir sind noch am Anfang. Aber wenn selbst ein 17-Jähriger trifft, dann machen wir wohl etwas richtig." So endete der Abend mit einem seltenen Bild: jubelnde Gäste, enttäuschte Heimfans und ein leicht sarkastischer Stadionsprecher, der beim Verlesen des Ergebnisses "0 zu 2 - aber immerhin keine Schneeballschlacht" hinzufügte. Und während die Lichter langsam erloschen und die Fans in Richtung Kneipen verschwanden, blieb eines sicher: Fußball kann manchmal ungerecht sein - aber für Cakovec war dieser Sieg einfach jugendliche Logik. Denn wenn man mit 17 Jahren so cool trifft wie Donkow, dann darf man sich ruhig mal ein Lächeln erlauben - und Hsuhopolje darf sich fragen, ob es vielleicht Zeit ist, den nächsten Teenager zu suchen, der das Tor trifft. 17.03.643987 23:02 |
Sprücheklopfer
Wenn der Ball am Torwart vorbeigeht, ist es meist ein Tor.
Mario Basler