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Ein kalter Januarabend, 31.958 Zuschauer, und ein Spiel, das nur diejenigen wärmte, die grün-weiße Schals trugen: Celtic Glasgow gewann beim FC Falkirk mit 1:0, und das war ein Ergebnis, das mehr nach Pflicht als nach Kür schmeckte. Der Favorit tat sich schwer, der Außenseiter kämpfte verbissen - und am Ende entschied Robin Mercator in der 61. Minute ein Spiel, das eher nach Werkstatt als nach Oper klang. Von Beginn an war klar, dass Falkirk sich nicht verstecken wollte. Petar Jelic prüfte schon in der ersten Minute den Celtic-Keeper Jake Carr - ein Weckruf, den die Gäste zunächst eher ignorierten. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", grinste Jelic später und fügte mit einem Schulterzucken hinzu: "War er nicht." Danach aber übernahm Celtic das Kommando, zumindest optisch: 55 Prozent Ballbesitz, 15 Torschüsse - aber eben nur ein Treffer. Falkirk-Coach Rico Messig hatte seine Jungs mutig eingestellt, offensiv ausgerichtet, mit jugendlicher Unbekümmertheit. "Wir wollten sie nerven", sagte Messig. "Und das haben wir bis zur 61. Minute ganz ordentlich geschafft." Tatsächlich hielt Falkirk lange tapfer dagegen, verteidigte kompakt, und wenn’s gefährlich wurde, stand Torhüter Vicente Nuno da, wie ein Mann, der um seine letzte Stromrechnung kämpft. Celtic wiederum wirkte, als hätten sie ihre Spielidee auf der Anreise im Bus vergessen. Erst ein Geistesblitz von Simone Martin brachte Bewegung ins Geschehen: Der linke Mittelfeldspieler zog zwei Falkirker auf sich, legte quer, Mercator nahm Maß - und traf trocken ins rechte Eck. 61. Minute, 0:1. Der Rest war Verwaltung. "Wir wussten, dass wir nicht 90 Minuten Feuerwerk abbrennen müssen", erklärte Celtic-Trainer Ralf Bücheler nachher mit einem Anflug von Ironie. "Ein Tor reicht ja bekanntlich auch." Mercator selbst grinste in die Kameras: "Ich hab einfach mal draufgehalten. Manchmal muss man den Ball zwingen, reinzugehen." Die Statistik untermauerte das Bild: 15:3 Torschüsse für Celtic, 55 Prozent Ballbesitz, aber kaum echte Dominanz. Falkirk rannte, grätschte, störte - und hatte kurz nach dem Rückstand sogar die Chance zum Ausgleich. Der 18-jährige Callum Gow zog von links ab, doch Carr lenkte den Ball mit den Fingerspitzen über die Latte. "Da hat er kurz so getan, als wäre er Buffon", witzelte ein Falkirk-Fan auf der Tribüne. Ab der 70. Minute wurde das Spiel härter. Celtic’s Bo Bjorklund sah Gelb nach rustikalem Einsteigen, und Simone Martin folgte ihm in der 88. Minute - auch Gelb, auch verdient. "Das war kein böses Foul", meinte Martin danach. "Ich wollte nur zeigen, dass ich noch da bin." Während Celtic sich auf Zeitspielen und Querpässe verlegte, wechselte Messig in der 86. Minute doppelt: Der junge Keeper Bradley MacGregor durfte für den 36-jährigen Nuno ran - ein symbolischer Akt, wie Messig später erklärte: "Er soll wissen, wie sich Erstligafußball anfühlt - auch wenn’s nur vier Minuten sind." Die Schlussphase gehörte dann wieder Celtic, zumindest auf dem Papier. Max MacLaine prüfte den Falkirk-Ersatzmann in der 89. Minute, doch der hielt sicher. Ralf Bücheler stand derweil an der Seitenlinie und wirkte, als wolle er sich selbst einwechseln. "Wir hätten das früher entscheiden müssen", knurrte der Trainer, "aber ein 1:0 ist schließlich auch ein Sieg. Und im Januar zählt jedes Tor doppelt - gefühlt." Falkirk verabschiedete sich unter Applaus, Celtic mit drei Punkten. Auf der Pressekonferenz fasste Messig das Spiel treffend zusammen: "Wir haben gegen eine Maschine gespielt, die heute nur im dritten Gang gefahren ist - und trotzdem zu schnell war." Celtic bleibt damit in der oberen Tabellenhälfte der 1. Liga Schottland, während Falkirk trotz der Niederlage Respekt gewann. "Wenn wir so weitermachen", sagte Kapitän Leo Breadalbane, "werden wir irgendwann auch mal so ein Spiel 1:0 gewinnen." Und vielleicht war das der heimliche Sieg des Abends: Die Erkenntnis, dass man auch verlieren und trotzdem wachsen kann - solange man nicht vergisst, dass Fußball kein Schönheitswettbewerb ist, sondern manchmal einfach ein langer Abend mit kaltem Wind, einem Bier in der Hand und einem Tor zu viel auf der falschen Seite. 11.02.643987 09:07 |
Sprücheklopfer
Die Nase ist halt eine verletzliche Stelle, und wenn man sie mit den Stollen oder der Fußspitze berührt, kommt es zu Nasenbluten.
Günter Netzer