Football Today
+++ Sportzeitung für England +++

**Millwall verzweifelt an Rovers-Beton - 17 Schüsse, kein Tor, aber viel Gesprächsstoff**

Wer an diesem frostigen Dienstagabend im Januar ins The Den gekommen war, bekam ein Lehrstück britischer Fußballkunst - allerdings in der Kategorie "Wie man mit 54 Prozent Ballbesitz und 17 Torschüssen trotzdem kein Tor erzielt". Der FC Millwall und die Ewood Rovers trennten sich am 6. Spieltag der 1. Liga England mit einem torlosen 0:0, das auf dem Papier nach Langeweile klingt, in Wirklichkeit aber ein waschechtes Drama aus Aluminium, Glanzparaden und purer Verzweiflung war.

Schon nach einer Minute donnerte Innenverteidiger Isaac Hartshorn (!) den ersten Ball auf den Kasten der Rovers. "Ich dachte, ich probier’s einfach mal, vielleicht überrascht’s ja alle - mich eingeschlossen", grinste der Abwehrhüne später. Überraschend war nur, dass der Ball nicht im Netz zappelte, sondern im Oberrang landete. Es sollte ein symbolträchtiger Auftakt für den weiteren Spielverlauf werden.

Millwall rannte, kombinierte, drängte - und die Rovers? Sie standen. Und standen. Und standen. Trainer Stephan Trajes hatte seine Elf in Beton gegossen: defensiv, diszipliniert, destruktiv. 45 Prozent Ballbesitz, aber jeder Millimeter Raum wurde verteidigt, als hinge das Wohl des Königreichs davon ab. "Wir sind keine Künstler, wir sind Handwerker", erklärte Trajes trocken. "Und manchmal reicht ein Hammer, um einen Sturm zu stoppen."

In Minute 12 wagten sich die Rovers einmal nach vorne - Nicolae Buzanszky prüfte Millwall-Keeper Ethan Caviness mit einem satten Schuss, der das Tornetz zum Zittern brachte, allerdings von außen. Danach kam lange nichts mehr von den Gästen. Dafür feuerte Millwall aus allen Richtungen: Robert Bancroft (16.), Joseph Lockwood (17.), Elliot Lockwood (24.) - man könnte meinen, die Statistik sei ein Tippfehler. Aber nein, der Ball wollte einfach nicht rein.

Besonders tragisch: Daniel Darabont, der junge linke Flügelstürmer, hatte gleich sechs Hochkaräter auf dem Fuß (38., 41., 44., 51., 74., 81.). "Ich hab irgendwann aufgehört zu zählen", stöhnte er nach dem Spiel. "Beim letzten Versuch hab ich schon überlegt, ob das Tor vielleicht verrutscht ist." Trainer Sonny Crocket klopfte ihm tröstend auf die Schulter: "Wenn er weiter so spielt, trifft er bald - vielleicht nicht heute, aber irgendwann. Vielleicht beim Elfmeterschießen im nächsten Leben."

Kurz nach der Pause dann der Schreckmoment: Rovers-Keeper Logan Bernard verletzte sich bei einer Parade und musste ausgewechselt werden. Sein Ersatzmann Thijs Quackenboss kam in der 48. Minute - und hielt, als ginge es um sein Leben. Schon der erste Ball, ein Strahl von Darabont, wurde mit einem Hechtsprung pariert, der jedem Torwartlehrbuch Ehre gemacht hätte. "Ich hatte keine Zeit zum Nachdenken", sagte Quackenboss danach. "Ich hab einfach gemacht, was Torhüter so machen: mich in den Ball geworfen und gehofft, dass’s gut aussieht."

Millwall wirkte trotz spielerischer Überlegenheit zunehmend genervt. In Minute 59 wechselte Crocket frisches Blut ein - der 20-jährige Samuel Bloomfield kam links hinten für Joel Satchmore. Kurz darauf setzte Bradley Crichton aus der Distanz einen Schuss knapp über die Latte (62.), während auf der Gegenseite Samuel Dunne den einzigen nennenswerten Versuch der Rovers in Halbzeit zwei verbuchte.

Dann die unvermeidliche Gelbe Karte: Ewoods Rechtsverteidiger Amaury Mendo sah in der 66. Minute Gelb, nachdem er den durchbrechenden Joseph Lockwood mit einem Tackling stoppte, das eher nach Wrestling aussah. "Er hat mich fast umarmt", grinste Lockwood später. "Nur leider ohne Romantik."

Bis zur 92. Minute belagerte Millwall das Rovers-Tor, als wäre es Troja. Und tatsächlich, in der Nachspielzeit, noch einmal Daniel Darabont - freistehend, aus zwölf Metern - und wieder Quackenboss! Faustabwehr, Abpfiff, Frust.

Die 43.469 Zuschauer verabschiedeten ihre Mannschaft mit Applaus, aber auch ein paar genervten Pfiffen. "Das war heute wie ein Kinofilm ohne Ende", sagte ein Fan mit Schal und ironischem Lächeln. "Man sitzt zwei Stunden da, fiebert mit - und am Schluss bleibt alles offen."

Trainer Crocket nahm’s mit Galgenhumor: "Wir haben alles richtig gemacht, außer Tore geschossen. Wenn das nächste Mal einer von meinen Jungs den Ball ins Netz trägt, zählt das hoffentlich trotzdem."

Statistisch gesehen war’s eine einseitige Angelegenheit: 17:3 Torschüsse, 54,5 Prozent Ballbesitz, fast 60 Prozent gewonnene Zweikämpfe für Millwall. Doch das Ergebnis bleibt stur: 0:0. Fußball kann grausam sein - oder, wie Rovers-Coach Trajes es formulierte: "Manchmal ist ein Punkt schöner als ein Gedicht."

Und so ging ein Abend zu Ende, an dem Millwall alles hatte - nur kein Glück. Die Rovers nahmen ihren Zementmischer, pardon, ihre Abwehr, wieder mit nach Hause und dürfen sich fühlen wie Sieger der Herzen der Pragmatiker.

Vielleicht hätte dieser Abend ein Tor verdient gehabt. Oder zwei. Aber wenigstens bleibt er unvergessen - als das Spiel, in dem Millwall alles traf, außer das Netz.

18.03.643987 01:55
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