// Startseite
| Football Today |
| +++ Sportzeitung für England +++ |
|
|
|
Es gibt Fußballabende, die man am liebsten aus dem Gedächtnis streichen würde - und dann gibt es den 5. Januar 2026 an der Stamford Bridge. 35.356 Zuschauer hatten sich bei Wind und Nieselregen eingefunden, um die "London Blues" in der 1. Liga England gegen den FC Millwall zu sehen. Nach 90 Minuten stand ein bitteres 0:3 auf der Anzeigetafel, und das Publikum wusste nicht so recht, ob es frustriert pfeifen oder einfach betreten schweigen sollte. Dabei fing alles ganz manierlich an. In den ersten 45 Minuten lieferten sich beide Teams eine taktisch disziplinierte, allerdings auch zähe Partie - Ballbesitz fast pari (48 zu 52 Prozent), kaum klare Torchancen. Die Blues versuchten, über ihre Flügel mit Domingo Galindo und Akin Memis Druck zu machen. Doch deren Abschlüsse landeten zuverlässig in den Armen von Millwalls Keeper Ethan Caviness, der an diesem Abend so sicher stand wie die Tower Bridge selbst. "Wir wollten ruhig bleiben, kompakt stehen und auf unsere Momente warten", erklärte Millwall-Coach Sonny Crocket nach dem Spiel mit einem breiten Grinsen. Und diese Momente sollten kommen - mit chirurgischer Präzision. In der 50. Minute war es der quirlige Daniel Darabont, der nach einem butterweichen Zuspiel von Christopher Thackeray den Ball flach ins rechte Eck schob - 0:1. Während die Millwall-Fans jubelten, schüttelte Blues-Trainer Guido Träger an der Seitenlinie nur den Kopf. "Das war genau die Art Fehler, die wir uns nicht leisten wollten", murmelte er später. London versuchte, sich zu schütteln, brachte zur 54. Minute frische Kräfte: Caio Da Cru und Nesim Balta kamen, um neuen Schwung zu bringen. Doch an diesem Abend war es, als hätte jemand die Batterien der Blues entfernt. Vier Torschüsse im gesamten Spiel - das sagt eigentlich alles. Millwall hingegen spielte mit wachsender Selbstsicherheit. Robert Bancroft, der erfahrene Mittelfeldstratege, übernahm das Kommando. In der 74. Minute zog er aus 20 Metern ab - ein Strahl, der im Winkel einschlug, als hätte jemand die Flugbahn mit dem Lineal gezogen. Vorlagegeber Elliot Lockwood grinste später: "Ich wollte eigentlich flanken, ehrlich! Aber Robert trifft eben alles, was sich bewegt." Die Londoner versuchten es mit langen Bällen, aber Millwalls Innenverteidiger Isaac Hartshorn und Co. klärten mit stoischer Ruhe. Das Publikum wurde zunehmend unruhig. Ein älterer Herr auf der Tribüne brüllte: "Gebt dem Ball wenigstens mal eine Richtung!" - worauf sein Nachbar trocken antwortete: "Tun sie ja. Nur leider die falsche." Zum endgültigen Niedergang kam es kurz vor Schluss. In der 89. Minute, als die Blues längst mit hängenden Köpfen über den Platz trotteten, tauchte Riley Charpentier nach feinem Pass von Rechtsverteidiger Bradley Crichton frei vor Torwart Franck Besserer auf. Eiskalt schob er zum 0:3 ein. Millwall feierte, London kapitulierte. Als ob das nicht genug wäre, sah Blues-Mittelfeldmann Nick Kohl in der Nachspielzeit noch Gelb - eine Szene, die sinnbildlich für den Abend stand: zu spät, zu ungestüm, zu wirkungslos. "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", stöhnte Coach Träger anschließend in die Mikrofone. "Vielleicht sollten wir einfach das nächste Mal vor dem Tor die Augen aufmachen." Millwalls Trainer Crocket hingegen gönnte sich einen kleinen Seitenhieb: "Wir wussten, dass sie schön spielen wollen. Wir wollten nur Tore schießen - das scheint geklappt zu haben." Statistisch betrachtet war das Ergebnis so klar wie verdient. Zwölf Schüsse aufs Tor für Millwall, nur vier für die Blues; 55 Prozent gewonnene Zweikämpfe, drei Treffer aus dem Spiel heraus - effizienter kann man auswärts kaum auftreten. Zum Trost für die London-Fans: Es war erst der 5. Spieltag, und schlimmer kann’s kaum werden. Oder, wie ein Fan beim Verlassen des Stadions sarkastisch meinte: "Wenn wir so weitermachen, kriegen wir wenigstens immer gute Sitzplätze - keiner will mehr kommen." Ein bitterer Abend für die Blues, ein glänzender für Millwall. Und irgendwo im Regen von London lächelte wohl auch der Fußballgott - allerdings auf der falschen Seite. 06.03.643987 12:42 |
Sprücheklopfer
Von der Einstellung her stimmt die Einstellung.
Andreas Brehme