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Millwall zerlegt die Devils: 4:0 und ein Abend voller Ironie

Es gibt Fußballabende, an denen man ahnt, dass etwas in der Luft liegt - und dann gibt es jene, an denen man es riecht, schmeckt und in jeder Grätsche spürt. Der Freitagabend im The Den gehörte zur zweiten Sorte. 47.435 Zuschauer sahen, wie der FC Millwall die hochgehandelten Manchester Devils mit 4:0 (0:0) vom Platz fegte - und das auf eine Weise, die den Gästen vermutlich noch tagelang in den Ohren klingeln wird.

Dabei begann alles harmlos. Die erste Halbzeit war ein taktisches Schachspiel: Millwall agierte diszipliniert, Manchester lauerte auf Konter, und beide Teams schienen sich darauf geeinigt zu haben, dass Tore nur optional seien. "Ich hab mich kurz gefragt, ob wir versehentlich bei einer Trainingsübung gelandet sind", grinste Millwall-Coach Sonny Crocket später. "Aber dann hat Ben Fryer beschlossen, dass es jetzt reicht mit der Höflichkeit."

In der 49. Minute setzte jener Benjamin Fryer das erste Ausrufezeichen. Nach einer butterweichen Flanke von Bradley Crichton nahm er den Ball direkt - und ließ Devils-Keeper Amram Hanegbi keine Chance. 1:0, und das Stadion explodierte. Fryer drehte jubelnd ab, während Hanegbi nur hilflos den Kopf schüttelte. "Ich hab den Ball nicht mal kommen sehen", murmelte der Torwart später. "Vielleicht war das gar kein Ball, sondern eine Meteoritenprobe."

Von diesem Moment an schien Manchester zu zerfallen. Zwar versuchte Logan Nolan, der auffälligste Devil, mit drei Torschüssen (17., 40., 46.) so etwas wie Gefahr zu erzeugen, doch Millwall-Keeper Ethan Caviness blieb souverän. "Ich hatte Zeit, mir die Fans in der Südtribüne anzuschauen", flachste er. "Zwei von denen sind in der Pause eingeschlafen."

Dann kam die 72. Minute - und mit ihr Alexander Mayhew. Der Mittelfeldmotor zog aus 18 Metern einfach mal ab, nachdem Christopher Thackeray geschickt abgelegt hatte. 2:0. Crocket sprang an der Seitenlinie wie ein Teenager, der gerade sein erstes Skateboard geschenkt bekommen hat. "Alex hat einen Schuss, der dich an alte Zeiten erinnert", schwärmte der Coach. "So 90er, so ehrlich, so ohne Rücksicht auf Verluste."

Drei Minuten später (75.) wurde es fast absurd: Rechtsverteidiger George Clancy, sonst eher für rustikale Zweikämpfe bekannt, stieß nach vorn und versenkte den Ball nach Vorlage von Bradley Davonport zum 3:0. "Ich wollte eigentlich flanken", lachte Clancy nach dem Spiel. "Aber wenn der Ball schon mal so nett fragt, ob er ins Tor darf - wer bin ich, Nein zu sagen?"

Die Devils reagierten mit einer Dreifach-Wechselorgie (80.): Haase, Steffens und Athanasiadis kamen - frisches Blut für ein Team, das da schon eher wie eine Patientenstation wirkte. Kurz darauf holte sich Alen Rajic auch noch Gelb ab (79.), wohl aus purer Langeweile.

Millwall blieb hingegen gnadenlos. In der 90. Minute machte Alexander Mayhew seinen Doppelpack perfekt. Nach schöner Kombination mit Riley Charpentier schob er zum 4:0 ein. Es war die Krönung eines Abends, an dem Millwall in allen Belangen überlegen war: 57 Prozent Ballbesitz, 12 Torschüsse gegenüber 3 der Devils, und eine Zweikampfquote, die jeden Statistikliebhaber erblassen lässt (56,7 Prozent).

Für Manchester-Trainer Ronnie Ekström blieb da nur Galgenhumor: "Wir wollten kompakt stehen - und das haben wir. Leider alle im eigenen Strafraum." Sein Team hatte in der Schlussphase auf Offensive umgestellt, aber da war das Kind längst in den Brunnen gefallen. "Wenn du erst anfängst, Fußball zu spielen, wenn die Uhr 85 zeigt, dann brauchst du dich nicht wundern, wenn die Fans schon nach Hause gehen."

Crocket dagegen gönnte sich nach Abpfiff ein breites Grinsen. "Ich sag’s mal so: Wenn du die Devils besiegst, ohne dein Hemd zu zerreißen, hast du was richtig gemacht. Aber vier Tore - das ist schon fast unanständig."

Zum Schluss durfte sogar der junge Ersatzkeeper Samuel Catrall (86.) noch ein paar Minuten schnuppern. "Ich dachte, ich darf nur Flaschen tragen", witzelte der 20-Jährige. "Aber hey, vielleicht war das der Beginn meiner Torwart-Legende."

Sonny Crocket nickte zufrieden, während der Regen über den Rasen perlte. "Das war ein Statement", sagte er und blickte in die jubelnde Fankurve. "Und jetzt sollen die anderen ruhig wissen: Wir sind noch lange nicht satt."

Ein Satz, der klingt, als wolle Millwall diese Saison mehr als nur überraschen. Und die Devils? Die werden wohl noch eine Weile brauchen, um herauszufinden, wo sie ihr Selbstvertrauen verlegt haben - vermutlich irgendwo zwischen der 49. und der 90. Minute.

14.04.643997 10:30
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