Sporski Journal
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Mlados Lucani rettet spät ein 2:2 gegen Selen Belgrad

Ein lauer Januarabend, 20:30 Uhr, Flutlicht in Lucani - und 30.512 Zuschauer, die sich im Stadion mit Schal und Hoffnung wappneten. Sie bekamen: Drama, Dusel und ein bisschen Chaos. Mlados Lucani und Selen Belgrad trennten sich 2:2, ein Ergebnis, das sich so wild anfühlt wie die Partie selbst.

Schon früh zeigte sich, dass hier keiner nur zum Passen gekommen war. Mlados, unter Trainer Du Dado mit offensiver Ausrichtung und der Devise "Schießen kann jeder, treffen nur die Mutigen", legte los wie die Feuerwehr. Nach ein paar harmlosen Versuchen kam in der 17. Minute Fabio Jemez, der rechte Außenverteidiger, plötzlich in Stürmerlaune. Nach feiner Vorarbeit von Jakob Naumann drosch er den Ball ins Netz - 1:0. "Ich dachte, wenn keiner schießt, mach ich’s halt selbst", grinste Jemez später.

Belgrad, trainiert vom akribischen Hans-Jürgen Strohmeier, brauchte eine Weile, um sich zu sortieren. Doch wer Selen kennt, weiß: Die geben nicht auf, sondern drehen erst richtig auf, wenn’s wehtut. Noch vor der Pause zischte ein Schuss von Abramson knapp über die Latte - der Anfang einer kleinen Belgrader Belagerung.

Die zweite Halbzeit begann mit einem Paukenschlag. In der 51. Minute war es dann so weit: Valter Abramson, der linke Flügelstürmer mit der Eleganz eines Tangotänzers und der Schusskraft eines Presslufthammers, traf nach Vorarbeit von Aleksandar Popovic zum 1:1. Mlados-Keeper Goran Dukic streckte sich vergeblich. "Der war einfach perfekt getroffen", gab er später zu, "ich hab das Netz noch vibrieren hören."

Belgrad witterte Blut - und nutzte die Verunsicherung der Hausherren gnadenlos aus. Nur zwölf Minuten später (63.) drehte Aleksandar Popovic das Spiel. Nach einem schnellen Doppelpass mit Milos Kujovic zog er aus spitzem Winkel ab - 1:2. Die 300 mitgereisten Belgrad-Fans sangen, als hätten sie gerade die Meisterschaft gewonnen.

Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn er nicht ein Herz für Dramaturgie hätte. Mlados kämpfte, biss, und versuchte alles, was das Offensivhandbuch hergab. Sreto Manojlovic, der junge Mittelstürmer mit der Rückennummer 9, hatte mehrfach die Chance, kam aber immer wieder an Keeper Jevtic nicht vorbei. Als dann Verteidiger Sinisa Sarac erst Gelb sah (54.) und kurze Zeit später verletzt raus musste (58.), schien das Schicksal besiegelt.

Trainer Dado brüllte sich heiser, brachte mit Stefan Baljak einen erfahrenen Innenverteidiger - und rief gleichzeitig nach vorne: "Alles oder nichts!" Und tatsächlich: Die letzten zehn Minuten wurden zum Sturmlauf. "Ich hab die Uhr nicht mehr gesehen, nur noch den Ball", sagte Manojlovic später lachend. In der 88. Minute war er es dann selbst, der den Ball nach einem Querschläger in Belgrads Strafraum über die Linie stocherte - 2:2. Der Jubel war ohrenbetäubend, Dado rannte an der Seitenlinie entlang, als hätte er gerade den Lottojackpot gewonnen.

Die Statistik bestätigte, was die Zuschauer gesehen hatten: 11 Torschüsse für Lucani, 10 für Belgrad, Ballbesitz nahezu ausgeglichen (51 zu 49 Prozent). Ein Spiegelbild des Ergebnisses - keiner klar besser, aber beide mit offenem Visier.

Nach Abpfiff wirkte Strohmeier erstaunlich gelassen: "Wir hatten’s im Griff, aber wer in Lucani spielt, weiß, dass hier die Nachspielzeit länger dauert als anderswo." Sein Gegenüber Dado konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen: "Wenn’s spannend ist, bleiben die Zuschauer wenigstens bis zum Schluss. Und wir auch."

Während die Spieler im Kabinentrakt verschwanden, blieb das Publikum noch ein paar Minuten. Man hatte das Gefühl, Zeuge eines dieser Spiele gewesen zu sein, über die man sich noch beim Frühschoppen am nächsten Tag unterhalten würde.

Ein 2:2 also, das keiner so richtig wollte, aber beide irgendwie verdienten. Lucani bleibt damit ungeschlagen im neuen Jahr, Belgrad ärgert sich über zwei verschenkte Punkte - und die Liga freut sich über ein weiteres Kapitel in der Geschichte zweier Mannschaften, die sich nichts schenken.

Oder, wie es der übermütige Fabio Jemez beim Rausgehen sagte: "Wenn wir schon nicht gewinnen, dann wenigstens so, dass keiner einschläft."

Und das, an einem frostigen Abend in Lucani, war wohl das ehrlichste Fazit des Tages.

06.03.643987 09:43
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Speziell in der zweiten Halbzeit haben wir einen guten Tag erwischt.
Andreas Möller
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