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Es war ein Abend, an dem die Zuschauer in Partinico ihr Eintrittsgeld nicht bereuten - oder, je nach Vereinszugehörigkeit, es vielleicht doch leicht bereuten. 43.500 Fans sahen ein rasantes Hinspiel der 2. Runde der Champions-League-Qualifikation, in dem sich Partinico Calcio und der SC Monaco nichts schenkten. Am Ende jubelten die Gäste aus dem Fürstentum über ein 3:2, während die Italiener mit gesenkten Köpfen, aber erhobenem Stolz vom Platz gingen. Schon nach acht Minuten bebte das Stadion: Jacob Donovan, der mit seiner typischen Mischung aus Selbstvertrauen und Chuzpe auftrat, traf nach Vorlage von Lionel Garcia zur frühen Führung für Partinico. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen", lachte Trainerin Meggi Ryana später, "aber Jacob hat wohl eine andere Realität gesehen - und die war drin." Die Fans sangen, die Ersatzbank tanzte, und Monaco wirkte kurz so überrascht wie ein Tourist, der im Januar ohne Jacke an der sizilianischen Küste steht. Doch die Monegassen zeigten, warum sie in Europa gefürchtet sind. Yves Demers, Monacos quirliger Linksaußen, war in der 39. Minute zur Stelle, als Nicolas Amyot ihn mit einem butterweichen Pass bediente. Ausgleich, 1:1 - und plötzlich war das Spiel wieder offen. "Wir wussten, dass Partinico wild anläuft", sagte Demers später, "aber wir haben einfach gewartet, bis sie müde werden." Zur Pause war es ein gerechtes Ergebnis, statistisch wie gefühlt: 46 Prozent Ballbesitz für die Hausherren, 54 für Monaco, dazu jeweils eine Handvoll Chancen. Der SC Monaco ließ den Ball ruhig laufen - fast zu ruhig, wenn man auf Trainer Stefan von der Huette schaute, der mit verschränkten Armen an der Seitenlinie stand und aussah, als würde er innerlich die Nationalhymne rückwärts singen. Nach dem Seitenwechsel nahm das Spiel Fahrt auf. In der 57. Minute war es wieder Yves Demers, diesmal nach Vorlage von Christophe Lehmann, der den Ball im Netz versenkte. 2:1 für Monaco - und plötzlich war das Stadion still. "Ich hab kurz gedacht, jemand hätte die Lautsprecher abgeschaltet", grinste Monacos Keeper Morten Gulbrandsen später. Doch Partinico wäre nicht Partinico, wenn sie sich so einfach ergeben hätten. Meggi Ryana brachte in der 76. Minute Duarte Galisteo - und der brauchte ganze vier Minuten, um sich unsterblich zu machen. In der 70. Minute (ja, die Statistik wird’s bestätigen, er war schon früher auf dem Platz als gedacht) nahm er aus 20 Metern Maß und hämmerte den Ball ins Eck. 2:2! Das Stadion explodierte. "Ich wollte eigentlich einen Pass spielen", gab Galisteo nach dem Spiel zu, "aber meine Füße hatten wohl andere Pläne." Doch Fußball kann grausam sein. In der 79. Minute, als Partinico gerade wieder an das Wunder glaubte, schlug Monaco eiskalt zurück. Thomas Dubois, von Daniel Tremblay mustergültig bedient, traf zum 3:2. Ein Stich ins Herz der Heimfans, die gerade noch jubelten. Und als ob das nicht reichte, musste der Schiedsrichter kurz darauf auch noch Gelb gegen Claude Lamarliere zeigen, der sich bei einem rustikalen Zweikampf mit Asier Verdasco offenbar in einem Rugbyspiel wähnte. Die Schlussphase war ein einziges Chaos aus Leidenschaft, langen Bällen und verzweifelten Flanken. Partinico warf alles nach vorne - Pressing auf Anschlag, Einsatz auf Maximum, Taktik auf "Beten hilft vielleicht". In der 91. Minute fasste sich Felipe Jorge ein Herz und zog ab, doch Gulbrandsen fischte den Ball mit den Fingerspitzen aus dem Winkel. Das Stadion hielt den Atem an, dann pfiff der Schiedsrichter ab. 2:3 - ein Ergebnis, das beiden Seiten Stoff für Diskussionen liefert. "Wir hätten ein Unentschieden verdient gehabt", sagte Ryana nachdenklich, "aber Monaco hat die Chancen eiskalt genutzt." Von der Huette hingegen zeigte sich zufrieden: "Wir wussten, dass Partinico gefährlich ist. Aber am Ende zählen Tore - keine schönen Geschichten." Die Statistik stützt seine Worte: 11 Torschüsse für Monaco, 9 für Partinico, ein hauchdünner Vorteil im Ballbesitz für die Gäste. Doch was Zahlen nicht zeigen, ist die Wucht, mit der Partinico in den letzten Minuten kämpfte. Vielleicht wird das Rückspiel in Monaco zur Revanche. Vielleicht auch nur zum nächsten Kapitel eines dieser Fußballabende, an denen man sich fragt, warum man das alles so liebt - und trotzdem nicht lassen kann. "Wir fahren da nicht zum Sightseeing hin", versprach Ryana zum Abschied. "Wir fahren hin, um Geschichte umzuschreiben." Und wer sie kennt, weiß: Sie meint das todernst. 05.03.643987 22:06 |
Sprücheklopfer
Jetzt weiß man, dass Erich Ribbeck wirklich keine Ahnung hat.
Mario Basler nach dem Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der EM 2000