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Es war einer dieser Abende, an denen die Sonne über dem Stadion schon unterging, aber das Spiel auf dem Rasen erst richtig zu glühen begann. 29.047 Zuschauer hatten sich am 5. Spieltag der "1. Liga Venezuela" eingefunden, um zu sehen, ob Penta Portugal seine bislang wacklige Form stabilisieren kann. Am Ende aber jubelte Monagas SC - und das trotz einer Gelb-Roten Karte, die die Gäste zwischenzeitlich schwächte. Dabei hatte alles so verheißungsvoll begonnen - für beide Seiten. Schon in der 14. Minute ließ Ingo Vaz seine ganze Routine aufblitzen. Der 33-jährige Mittelstürmer von Monagas SC schob nach feiner Vorarbeit von Innenverteidiger Bernardo Sainz (!) eiskalt zum 0:1 ein. "Ich hab nur den Fuß hingehalten", grinste Vaz später, "Sainz hat den Pass gespielt, als wäre er ein Zehner." Doch Penta Portugal reagierte prompt. In der 33. Minute war es Fabio Oliveira, der nach einem schnellen Angriff über Laurent Gariepy den Ball trocken ins lange Eck jagte - 1:1, und das Stadion bebte. Trainer Robin Ritter ballte die Fäuste, die Fans sangen, und selbst der Stadionsprecher klang, als hätte er den Ausgleich höchstpersönlich erzielt. "In der ersten Halbzeit war’s völlig offen", meinte Ritter später. Und recht hatte er: Penta hatte mit 52,6 Prozent Ballbesitz leicht die Nase vorn, Monagas aber mit deutlich mehr Zug zum Tor - 17 Torschüsse gegenüber nur 5 auf Seiten des Heimteams sprachen eine klare Sprache. Monagas-Coach Hans Wurst kommentierte das süffisant: "Wir haben keine Lust auf Ballbesitz - wir wollen Tore." Nach dem Seitenwechsel wurde es hitzig. Zunächst musste Penta-Stürmer Roberto Morais verletzt raus (52.), Xabi Yaguez kam für ihn. Wenig später schwächten sich die Gäste selbst: Rechtsverteidiger Agemar Martins holte sich erst Gelb (60.) und dann - kaum fünf Minuten später - Gelb-Rot (65.) ab. "Er wollte wohl sicherstellen, dass er das nächste Spiel frei hat", witzelte ein Monagas-Fan auf der Tribüne. In Überzahl roch Penta an der Führung, doch Monagas verteidigte mit galliger Entschlossenheit. Innenverteidiger Sainz räumte weg, was kam, Torhüter Carlos Quevedo hielt, als wolle er den Ball adoptieren. Und vorne lauerte Fernando Mocana, der in der 86. Minute eiskalt zuschlug. Nach schönem Zuspiel von Ernesto Vaz traf der Linksaußen zum 1:2 - mitten ins Herz der Gastgeber. "Wir haben das Spiel nie aufgegeben", sagte Mocana nach der Partie. "Selbst mit einem Mann weniger wollten wir zeigen, dass wir kämpfen können. Und ja, das war mein Lieblingsmoment der Saison." Aber Monagas war noch nicht fertig. In der Nachspielzeit (94.) setzte der junge Juan Pablo Gama den Schlusspunkt - nach Vorarbeit von Pedro Enriquez. Der 21-Jährige, gerade erst eingewechselt, hämmerte den Ball in die Maschen. "Ich hab einfach geschossen", lachte Gama. "Und dann hab ich nur noch Leute auf mir liegen sehen." Der 3:1-Endstand besiegelte eine Partie, die mehr Leidenschaft als Ordnung bot. Penta Portugal hatte zwar den Ball, aber Monagas den Willen - und vor allem den Torinstinkt. Die Statistik erzählte die Geschichte nüchtern: 47,3 Prozent Ballbesitz für Monagas, aber fast dreimal so viele Abschlüsse. Trainer Hans Wurst zeigte sich nach dem Spiel in bester Laune: "Ich sag meinen Jungs immer: Ihr müsst nicht schön spielen - ihr müsst treffen. Heute haben sie mich wohl zu ernst genommen." Sein Gegenüber Robin Ritter war bemüht, die Fassung zu wahren: "Wir machen das Spiel, sie die Tore. Das ist ein altes Lied. Leider kein schönes." Auf der Heimfahrt dürften sich die Fans von Monagas SC noch einmal das Bild vor Augen geführt haben: Gama, der junge Joker, jubelnd in den Nachthimmel, während die Penta-Spieler konsterniert auf den Rasen starrten. Ein Spiel, das zeigte, dass Ballbesitz nicht alles ist - manchmal reicht ein bisschen Mut, ein guter Konter und, nun ja, ein Stürmer mit einem Faible für späte Tore. Oder, wie es ein älterer Herr auf der Tribüne formulierte, als die Spieler in den Katakomben verschwanden: "Die Portugiesen hatten den Ball, die Venezolaner den Spaß." Und irgendwie war das die treffendste Zusammenfassung dieses 1:3-Abends in Portugal - pardon, in Venezuela. 06.03.643987 11:50 |
Sprücheklopfer
Hitlers Tagebuch. Das hat mich dann doch interessiert.
Stefan Effenberg auf die Frage, welches Werk der Weltliteratur ihn besonders geprägt habe