// Startseite
| Meridian Mach |
| +++ Sportzeitung für Bulgarien +++ |
|
|
|
Ein lauer Januarabend, 20:30 Uhr, Flutlicht in Montana, 12.500 Zuschauer und das typische Geräusch nasser Schuhe auf gefrorenem Rasen: Das Setting für ein Spiel, das zwar nicht in die Geschichtsbücher eingehen wird, aber immerhin für erhitzte Gemüter sorgte. Am Ende jubelte Montana nach einem 1:0 über Bote Plowdiw - und das verdient, wenn auch mit einigen Schrammen im Nervenkostüm der Fans. Schon in den ersten Minuten war spürbar, dass hier zwei Teams antraten, die sich gegenseitig wenig schenken wollten. Bote Plowdiw begann frech: Christopher Reid prüfte Montanas Keeper Ognjen Despotovic bereits in der ersten Minute. Der Torwart, laut eigener Aussage ein Freund der frühen Wachrüttler, grinste später: "Ich hab den einfach mal fliegen lassen - den Ball und mich selbst." Danach übernahm aber Montana das Kommando. Finlay Whelan, der Mann mit der gelben Karte und dem unerschütterlichen Selbstvertrauen, setzte in der 5. Minute ein erstes Zeichen. "Ich wollte nur zeigen, dass wir da sind", meinte er später lakonisch, "die Gelbe kam halt gratis dazu." Und dann kam die 23. Minute, die das Spiel entschied: Alberto Beto, Montanas quirliger Linksfuß, zog nach feinem Zuspiel von Canalejas von der Strafraumkante ab und versenkte den Ball unhaltbar im langen Eck. Während Plowdiws Keeper Fritjof Söderberg noch nach dem Ball tauchte, hatte Beto bereits die Arme in der Luft. "Ich hab einfach draufgehalten. Wenn du nicht schießt, triffst du nicht", sagte der 23-Jährige und grinste, als hätte er gerade die Fußballweisheit des Jahrzehnts entdeckt. Der Treffer beflügelte Montana. Futre, Holmqvist, Canalejas - sie schossen aus allen Lagen, 17 Torschüsse standen am Ende zu Buche. Dass es beim 1:0 blieb, lag weniger an fehlendem Willen als an der fehlenden Zielgenauigkeit und einem glänzenden Söderberg, der alles hielt, was nicht unhaltbar war. Bote Plowdiw dagegen kam kaum zur Entfaltung. Nur fünf Schüsse fanden überhaupt den Weg aufs Tor. Patrik Lecjaks, der mit 33 Jahren mehr Routine als Tempo bot, versuchte es in der 10. Minute mit einem harmlosen Versuch. Ansonsten blieb er blass - vielleicht auch, weil Montana im Mittelfeld mit Radostin Mantschew und dem unermüdlichen Beto die Räume geschickt zustellte. "Wir haben das Spiel kontrolliert, aber zu wenig daraus gemacht", haderte Montanas Trainer Jonas Reinefeld nach dem Abpfiff. "Wenn du 17 Mal schießt, darfst du dich nicht mit einem Tor zufriedengeben." Trotzdem wirkte der Coach zufrieden - oder zumindest so, wie ein Mann aussieht, der sich vorgenommen hat, zufrieden zu wirken. Auf der anderen Seite war die Stimmung weniger gelassen. Bote-Trainer (dessen Name die Statistik verschluckt, aber dessen Gesicht Bände sprach) wetterte am Spielfeldrand gegen die eigene Defensive. Vor allem Vincent Kendall hatte einen Abend zum Vergessen: Erst Gelb in der 78. Minute, dann Rot in der 88. - ein klassischer Doppelfehler. "Ich wollte den Ball spielen", rechtfertigte sich der rechte Außenverteidiger, "aber der Ball war halt da, wo der Gegner stand." Nach dem Platzverweis spielte Plowdiw die Schlussminuten in Unterzahl, doch Montana brachte das Ergebnis souverän über die Zeit. Luis Calderon hätte in der 87. Minute beinahe erhöht, aber sein Schuss rauschte knapp vorbei. Die Statistik sprach am Ende eine klare Sprache: 55,5 Prozent Ballbesitz für Montana, dazu mehr Zweikämpfe gewonnen (56 Prozent) und fast viermal so viele Torschüsse. Ein Pflichtsieg also - aber kein glanzvoller. "Wir können schöner, aber heute zählen nur die drei Punkte", meinte Torschütze Beto, bevor er sich mit einer Decke um die Schultern Richtung Kabine verabschiedete. Und was bleibt? Ein Spiel mit allem, was der Fußball braucht: ein Tor, ein Platzverweis, ein bisschen Theatralik und viel zu viele Fehlpässe. Die Fans gingen zufrieden nach Hause, einige mit heißen Stimmen, andere mit kalten Füßen. Man könnte sagen: Montana hat nicht brilliert, aber bestanden. Und Bote Plowdiw? Die müssen sich fragen, ob man mit "balanciertem Angriffsspiel" und "keinem Pressing" irgendwann überhaupt noch ein Tor schießen will. Oder wie ein älterer Zuschauer beim Hinausgehen seufzte: "Schön spielen will jeder - aber einer muss halt auch reinmachen." Das tat Montana. Einmal. Und das reichte. 16.03.643987 12:09 |
Sprücheklopfer
Durch unsere Reihen konnte man locker mit einem LKW fahren und bequem drehen.
Klaus Toppmöller zur mangelhaften Raumaufteilung seiner Mannschaft