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MTV Leck trotzt St. Ilgen: Glück, Grätschen und ein Platzverweis

Wenn man einen Fußballabend in Leck verbringt, weiß man: Es wird nicht immer schön, aber meistens spannend. Und so auch an diesem 21. Spieltag der Verbandsliga D, als MTV Leck den FC St. Ilgen mit 2:1 (2:0) niederrang - vor 3007 Zuschauern, die sich zwischen Bier, Bratwurst und Herzklopfen kaum entscheiden konnten, was intensiver war.

Dabei sah es zunächst nach einem gemütlichen Heimabend aus. MTV-Trainer - nennen wir ihn den Taktikflüsterer des Nordens - hatte sein Team offensiv eingestellt, und das zahlte sich früh aus. In der 21. Minute zog Jonas Schubert, rechter Flügelstürmer mit dem Selbstbewusstsein eines Torjägers und der Frisur eines Rockstars, aus halbrechter Position ab. Der Ball zischte vorbei an drei Verteidigern, an Torwart Gentile und vermutlich auch an der Schwerkraft - 1:0 für Leck. "Ich hab einfach draufgehalten", grinste Schubert später, "ich dachte, wenn er nicht reingeht, sieht’s wenigstens gefährlich aus."

FC St. Ilgen war in der Folge das aktivere Team. 20 Torschüsse verbuchten die Gäste insgesamt - doppelt so viele wie Leck. Doch was bringt Ballbesitz (53 Prozent) und Statistik, wenn der Ball nicht ins Tor will? Niko Schumacher, Tom Brückner, Jose Enrique Vazques - sie alle durften sich an diesem Abend in die Kategorie "Beinahe-Helden" einreihen. MTV-Keeper Maximilian Müller hielt, was zu halten war, und wenn nicht, stand plötzlich Olaf Linke irgendwo im Weg. Der 18-jährige Innenverteidiger war ohnehin in aller Munde: erst Gelb in der 3. Minute, dann Gelb-Rot in der 71. "Ich war wohl ein bisschen zu motiviert", sagte er nach dem Spiel kleinlaut. Sein Trainer kommentierte es mit einem Lächeln: "Wenn er so weitergrätscht, hat er bald eine eigene Farbe."

Kurz vor der Pause dann der zweite Streich: Markus Bode, der Mann für die wichtigen Momente, vollendete nach einem steilen Pass von Heinz Dietz zum 2:0 (45.). "Ich hab den Ball gesehen, gedacht ’Na gut, dann machen wir’s halt’ - und drin war er", erzählte Bode, als wäre es ein Spaziergang gewesen. Zu diesem Zeitpunkt schien MTV Leck alles im Griff zu haben - das Publikum tanzte, die Ersatzbank lachte, und sogar der Stadionsprecher verhaspelte sich beim Jubeln.

Doch wer zu früh feiert, bekommt im Fußball oft noch Besuch vom Schicksal. Nur sechs Minuten nach Wiederanpfiff traf Klaus Wilke für St. Ilgen (51.) nach feinem Zuspiel von Niko Schumacher. Müller war zwar dran, aber der Ball kullerte über die Linie. Plötzlich kippte die Stimmung im Stadion: Die Gäste drückten, Leck wackelte, und die Pappbecher im Fanblock wurden nervös zerknüllt.

"Da haben wir den Faden verloren", gab Bode später zu. Tatsächlich: St. Ilgen belagerte das Lecker Tor, 10 Schüsse in 20 Minuten, aber immer wieder fand der Ball einen Weg in die Arme von Müller - oder weit über das Fangnetz hinaus. Als Linke dann in der 71. Minute mit Gelb-Rot vom Platz musste, wurde es endgültig eine Abwehrschlacht. Zehn Lecker warfen sich in alles, was sich bewegte. "Wir haben da hinten eine Mauer gebaut, und Müller war der Turm", sagte Dietz, der Rechtsverteidiger mit der Ruhe eines Schachspielers.

Die letzten zehn Minuten waren nichts für schwache Nerven. Vazques prüfte Müller in der 79., 81. und 84. Minute - immer wieder parierte der Keeper oder der Ball flog in Richtung Nordsee. Der Schlusspfiff war dann eine Erlösung, die sich wie ein kleines Wunder anfühlte.

Trainer des MTV Leck, sichtlich erleichtert, fasste es zusammen: "Wir haben heute mit Herz gewonnen, nicht mit Zahlen." Und tatsächlich: Die Statistik sprach gegen Leck, aber das Ergebnis - das, was wirklich zählt - nicht.

St. Ilgens Coach brummte nur: "Wenn du 20 Mal schießt und nur einmal triffst, darfst du dich nicht wundern." Ein bisschen Pech, ein bisschen Ungenauigkeit - und ein Gegner, der aufopferungsvoll verteidigte.

So endet ein Abend, der alles hatte: frühe Karten, späte Spannung, einen Torwart in Hochform und einen Teenager mit viel Herzblut und wenig Bremsweg. MTV Leck klettert dank dieses 2:1-Siegs weiter nach oben, während St. Ilgen mit der Frage nach Hause fährt, wie man ein Spiel dominieren und trotzdem verlieren kann.

Oder wie es ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions formulierte: "Ballbesitz ist was für Statistiker. Tore sind was für Sieger."

08.02.644000 10:23
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Ich glaube nicht, daß wir das Spiel verloren hätten, wenn es 1:1 ausgegangen wäre.
Uli Hoeneß
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