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Was für ein Freitagabend in der 3. Liga Deutschland! 5000 Zuschauer im kleinen Stadion von Mündersbach bekamen beim 2:1-Sieg ihrer Elf gegen Weiler im Allgäu Fußball mit allen Zutaten serviert, die ein gutes Drama braucht: frühe Rückschläge, schnelle Wendungen, Verletzungspech und reichlich Emotionen an der Seitenlinie. Dabei begann alles nach Plan für die Gäste. Weiler, von Mino Raiola gewohnt offensiv eingestellt, legte stürmisch los. Schon in der 15. Minute zappelte der Ball im Netz der Mündersbacher: Linus Berger, der quirlige Linksaußen, verwertete einen cleveren Pass des 17-jährigen Ben Meister zum 0:1. "Ich dachte, wir hätten sie da, wo wir sie haben wollen", murmelte Raiola nach dem Spiel und blätterte demonstrativ in seinem Notizbuch, als wolle er die Szene noch einmal nachzeichnen. Doch Mündersbachs Antwort kam prompt - und doppelt. Nur neun Minuten später drehte das Team von Otto Rehhagel das Spiel in einer Art Mini-Orkan, der die Zuschauer von den Sitzen riss. Erst traf Dennis Michael (24.) nach Vorarbeit von Peter Böttcher zum 1:1, kaum hatten die Fans den Torjubel beendet, legte Benjamin Mai (25.) ebenfalls auf Böttchers Zuspiel das 2:1 nach. Zwei Tore in einer Minute - Rehhagel grinste später: "Ich hab den Jungs gesagt, sie sollen mal kurz ernst machen. Hat ja geklappt." Von da an war es ein Spiel, das mehr über Willen als über Schönheit definiert wurde. Mündersbach hielt das Geschehen weitgehend unter Kontrolle, mit 56 Prozent Ballbesitz und 14 Torschüssen hatten sie statistisch wie optisch die Nase vorn. Weiler, von Anfang an mit offensiver Ausrichtung, kämpfte sich immer wieder nach vorne, doch Torwart Piotr Jakuschew hatte einen dieser Abende, an denen er scheinbar alles fing, was sich bewegte. In der 36. Minute rettete er spektakulär gegen Ruben Guillen - ein Reflex, der das Publikum kollektiv aufatmen ließ. Das Spiel blieb intensiv, aber fair. Beide Teams spielten mit Standard-Aggressivität, wie es so schön in der Statistik steht - was auf dem Rasen bedeutete: Es krachte gelegentlich, aber keiner flog. Pech hatte allerdings Mündersbachs Doppeltorschütze Dennis Michael, der kurz nach der Pause verletzt raus musste (48.). Für ihn kam Ognjen Milosevic, der sich gleich mit einem satten Distanzschuss (84.) in Szene setzte - knapp vorbei. Auch Weiler verlor einen seiner Hoffnungsträger: Ben Meister, der jugendliche Vorlagengeber, musste in der 58. Minute humpelnd vom Platz. Die Schlussphase gehörte dann den Nerven. Weiler warf alles nach vorne - Trainer Raiola schickte gleich drei neue Kräfte aufs Feld, darunter den 18-jährigen Asen Todorow in die Innenverteidigung, um das Risiko abzufangen, das seine Offensive produzierte. Mündersbach dagegen zog sich zurück, ließ den Gegner kommen und verteidigte mit der Abgeklärtheit eines Teams, das wusste, dass der Abend ihnen gehören würde. In der 93. Minute noch einmal Schreckmoment: Ruben Guillen tauchte frei vor Jakuschew auf, schoss - und der Ball klatschte an die Latte. "Da musste ich kurz die Luft anhalten", gab Rehhagel später zu, "aber dann hab ich gedacht: Das passt schon. Fußballgötter schlafen freitags nicht in Mündersbach." Nach Abpfiff jubelten die Gastgeber ausgelassen, als hätten sie gerade den Aufstieg klar gemacht. Benjamin Mai, mit 20 Jahren Torschütze des Siegtreffers, wirkte fast verlegen, als man ihn fragte, wie sich das anfühlt. "Ich hab einfach draufgehauen", grinste er, "und dann war er drin. Ich glaub, Peter wollte ihn eigentlich selbst machen." Böttcher, sein Vorlagengeber, lachte nur: "Wenn er trifft, darf er alles behaupten." Auch Gästecoach Raiola suchte nach Erklärungen: "Wir haben nicht schlecht gespielt, aber Mündersbach war einfach cleverer. Vielleicht hätten wir weniger schön, dafür hässlicher gewinnen sollen." Eine Analyse, die man sich durchaus auf das Notizbrett schreiben kann. So bleibt Mündersbachs Heimserie bestehen, und die Fans sangen noch lange nach Schlusspfiff. Weiler dagegen trat die lange Rückfahrt ins Allgäu mit hängenden Köpfen an - und dem Wissen, dass sie aus zehn magischen Minuten des Gegners eine bittere Lektion gelernt hatten. Oder, wie Rehhagel es trocken zusammenfasste, während er den Kragen seiner Jacke hochzog: "Manchmal ist Fußball einfach. Zwei Chancen, zwei Tore - fertig ist der Abend." Und genau so fühlte es sich an. 08.11.643990 00:37 |
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