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3868 Zuschauer am Schliersee sahen am späten Sonntagabend ein Regionalliga-Spiel, das alles hatte, was man an einem Sommerabend nicht unbedingt braucht: nervöse Torhüter, fliegende Grashalme und ein Mittelfeld, in dem es so eng zuging wie im Freibadkiosk vor Feierabend. Am Ende besiegte der TSV Schliersee den AWO Hagenow mit 2:1 (1:0) - dank eines überragenden Emil Musiala, der gleich zweimal traf und sich hinterher mit einem schelmischen Grinsen als "etwas glücklicher als sonst" bezeichnete. Das Spiel begann mit einem Paukenschlag - allerdings auf der falschen Seite. Schon in der ersten Minute prüfte Markus Bergmann mit einem satten Schuss aus der Distanz den Schlierseer Keeper Tom Geissler, der sich mit Mühe und Not streckte, um den Ball noch um den Pfosten zu lenken. "Da war ich noch gar nicht wach", gab Geissler später zu, "zum Glück hat mich der Ball geweckt." Die Gäste aus Hagenow übernahmen zunächst das Kommando, ließen den Ball laufen und wirkten mit ihren erfahrenen Mittelfeldspielern abgeklärter. Der 34-jährige Paul Petersen hatte früh zwei gute Gelegenheiten, beide Male fehlte aber die letzte Präzision. Schliersee dagegen lauerte - ganz im Stil von Trainer Christopher Fey - auf schnelle Umschaltmomente über die Flügel. Julius Bach, 19 Jahre jung und mit der Energie eines Espresso-Doppels, trieb die rechte Seite unermüdlich an. Kurz vor der Pause dann die Erlösung für die Gastgeber: In der 43. Minute zog Alexander Friedrich von links in den Strafraum, legte quer, und Emil Musiala schob den Ball eiskalt ins lange Eck - 1:0! Das Stadion tobte, Musiala streckte die Arme in den Himmel, und Trainer Fey drehte sich zur Bank mit den Worten: "Na also, geht doch!" Nach der Pause machte Hagenow ernst. Gleich nach Wiederanpfiff drängten sie auf den Ausgleich, und in der 55. Minute war es so weit: Meik Steffen flankte von rechts, Christoph Fritz stieg hoch und köpfte unhaltbar ein. 1:1 - und plötzlich war es mucksmäuschenstill am Schliersee. Doch die jungen Wilden vom TSV zeigten keine Spur von Nervosität. "Wir haben gesagt: Kopf hoch, weiter Druck machen", erklärte Kapitän Carsten Hausmann später. Der Mittelfeldmotor ackerte unermüdlich, während Musiala und Bach immer wieder gefährlich in die Tiefe gingen. In der 72. Minute dann die Szene des Abends: Bach tanzt seinen Gegenspieler Torsten Schulze aus, legt perfekt in den Rückraum - und wieder steht Musiala goldrichtig. Flach ins Eck, 2:1! "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Bach nach dem Spiel, "aber Emil hat’s geahnt. Wir verstehen uns blind - meistens jedenfalls." Hagenow versuchte in der Schlussphase alles, doch außer einer Gelben Karte für Petersen (77.) und einem Distanzschuss von Bergmann (80.) sprang nichts Zählbares heraus. Schliersee verteidigte clever, brachte mit Carl Probst und Andreas Hermann frische Beine und rettete den knappen Vorsprung über die Zeit. Statistisch blieb die Partie ausgeglichen: 14 zu 12 Torschüsse, 46 zu 54 Prozent Ballbesitz - die Zahlen zeugen von einem offenen Schlagabtausch. Doch die entscheidende Kategorie, die Tore, sprach am Ende für die Mannschaft vom See. Trainer Fey fasste es trocken zusammen: "Manchmal reicht’s, wenn man ein Tor mehr schießt. Taktik hin oder her." Auf der anderen Seite wirkte Hagenows Coach nachdenklich. "Wir haben gut gespielt, aber uns selbst geschlagen", meinte er und blickte auf die Anzeigetafel. "Zweimal Musiala - das sagt alles." Als die Sonne hinter den Bergen verschwand, sangen die Schlierseer Fans noch lange. Musiala wurde von seinen Mitspielern in die Höhe geworfen, und irgendwo auf der Tribüne sagte ein älterer Herr mit einem Bier in der Hand: "Der Bua spielt, als wär er schon 30!" Vielleicht war es kein perfektes Spiel. Aber es war eines, das man am Schliersee nicht so schnell vergisst - weil es zeigte, dass Leidenschaft, Mut und ein wenig jugendlicher Leichtsinn manchmal mehr wert sind als Ballbesitzstatistik und taktische Balance. Und wer weiß - vielleicht wird man in ein paar Jahren sagen: "Weißt du noch, damals, als Musiala gegen Hagenow doppelt traf?" Bis dahin dürfen die Schlierseer einfach genießen, dass sie für eine Nacht Tabellenpoesie geschrieben haben - mit zwei Toren, einem Lächeln und einem See voller Emotionen. 24.07.644003 03:38 |
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Wir spielen hinten Mann gegen Mann, und ich spiel gegen den Mann.
Olaf Thon