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Es war einer dieser Abende in Florida Blanca, an denen man spürt, dass der Fußball nicht immer gerecht ist. 19.058 Zuschauer im Estadio Municipal sahen, wie ihre Mannschaft kämpfte, rannte und hoffte - und am Ende doch mit leeren Händen dastand. Nacional Medellin nahm mit einem abgeklärten 2:0-Sieg (0:1) drei Punkte mit nach Hause, während die Gastgeber ratlos in den Nachthimmel blickten. Schon die ersten Minuten ließen ahnen, wohin die Reise gehen würde. Nacional Medellin, von Trainer Jokel Bär offensiv eingestellt, legte los wie ein tropischer Sommerregen - unaufhaltsam und unangenehm. Bereits in der 9. Minute prüfte Matan Dajan den Heimkeeper Joao Antolin, der mit einer artistischen Parade klärte. "Ich dachte, der Ball sei schon draußen, aber der kam zurück wie ein Bumerang", lachte Antolin später gequält. Florida Blanca versuchte, mit kontrolliertem Aufbau dagegenzuhalten, kam aber selten über die Mittellinie. Die Statistik sprach schon zur Pause Bände: 12:2 Torschüsse für die Gäste, 56 Prozent Ballbesitz, und das Gefühl, dass Medellin jederzeit den Turbo zünden konnte. In der 22. Minute fiel dann, was sich angekündigt hatte: Alexander Rauch, der rechte Flügelstürmer mit dem Schuss wie ein Vorschlaghammer, traf nach klugem Pass von Ivan Baiao zum 0:1. Es war eine dieser Szenen, in denen man die Uhr anhalten möchte - ein Pass durch die Schnittstelle, ein kurzer Blick, ein Schlenzer ins lange Eck. "Ich hab nur gehofft, dass mich der Ball findet", grinste Rauch nach dem Spiel. "Und das hat er sehr zuverlässig getan." Florida Blanca wackelte, fiel aber nicht. Der erfahrene Esteban Sandoval setzte in der 25. Minute ein Lebenszeichen mit einem satten Schuss aus 20 Metern, doch Diego Jemez im Tor von Medellin blieb eiskalt. "Ich hätte mir fast einen Kaffee gemacht, so ruhig war es bis dahin", witzelte er nach dem Spiel, wohl wissend, dass Torhüterhumor manchmal weh tun kann. Die zweite Halbzeit begann, wie die erste endete - mit Angriffen der Gäste. Der 18-jährige Luís Varela, der neue Hoffnungsträger Medellins, feuerte aus allen Lagen. Sechsmal tauchte sein Name im Schussprotokoll auf, doch das Tor blieb ihm verwehrt. "Ich wollte unbedingt treffen", sagte er nach dem Spiel mit einem Lächeln, "aber Gerritt hat’s mir dann abgenommen." Damit meinte er den Schlusspunkt des Abends: In der 93. Minute, als Florida Blanca alles nach vorn warf, konterte Medellin eiskalt. Ivan Baiao, der bereits das erste Tor vorbereitet hatte, legte quer auf den erfahrenen Gerritt Van Dousen - und der 35-Jährige schob seelenruhig zum 0:2 ein. Der Rest war Jubel in Grün-Weiß und Schweigen in Blau-Gelb. Trainer Jokel Bär zeigte sich nach dem Spiel zufrieden, aber auch realistisch: "Wir hätten das Spiel früher entscheiden müssen. Aber wenn man 20 Schüsse braucht, um zwei Tore zu machen, darf man sich nicht beschweren." Auf der anderen Seite versuchte Floridas Coach - der Name blieb in den Unterlagen der Liga erstaunlicherweise ungenannt - Galgenhumor: "Wir hatten heute Pech, dass das Tor so klein war. Vielleicht bauen wir nächste Woche ein größeres." Die Zahlen untermauern das Gefühl auf der Tribüne: 20 Torschüsse für Medellin, nur 4 für Florida Blanca. 56 zu 44 Prozent Ballbesitz. Und eine Zweikampfquote von fast 58 Prozent für die Gäste - sinnbildlich für ihre Dominanz. Taktisch blieb alles beim Alten: Medellin spielte von der ersten bis zur letzten Minute offensiv, Florida Blanca ausgewogen - oder, wenn man ehrlich ist, überfordert. Und doch war da dieser Funken Hoffnung, als Duarte Teixeira in der 75. Minute plötzlich frei vor Jemez auftauchte. Doch statt eines Ausgleichs gab es nur ein Raunen über den Tribünen, als der Ball knapp vorbeistrich. Am Ende war es ein verdienter Sieg für Nacional Medellin, ein Lehrstück in Geduld und Effizienz. Florida Blanca wird sich fragen müssen, wieso man zu Hause so wenig Durchschlagskraft zeigte. Oder, wie es Verteidiger Ignacio Henrico später trocken formulierte: "Wenn du 90 Minuten lang den Ball suchst, findest du am Ende nur Ausreden." Ein Satz, der hängenbleibt - genau wie die Erkenntnis, dass in der 1. Liga Kolumbien nicht nur gespielt, sondern auch gelitten wird. Und an diesem Abend litt Florida Blanca ein bisschen mehr als nötig. 16.03.643987 08:53 |
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Peter Neururer