El Colombiano
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Nacional Medellin zittert sich zum 3:2 - und lacht am Ende trotzdem

29343 Zuschauer im Estadio Atanasio Girardot erlebten am Samstagabend ein Spiel, das in der ersten Halbzeit wie eine klare Angelegenheit aussah, in der zweiten aber gefährlich ins Wanken geriet. Am Ende stand ein 3:2-Sieg für Nacional Medellin gegen Onse Taldas - ein Ergebnis, das so knapp war wie der Atem von Trainer Jokel Bär in der Schlussphase.

"Ich wollte eigentlich nicht, dass es spannend wird", grinste Bär nach dem Abpfiff und wischte sich den Schweiß von der Stirn. "Aber meine Mannschaft liebt offenbar Dramatik."

Dabei begann alles nach Plan. Schon in der 8. Minute zündete Abdullah Simsek den Turbo auf der rechten Seite. Nach einem feinen Zuspiel von Pedro Oliveira nagelte er den Ball aus spitzem Winkel unter die Latte - 1:0, und das Publikum tobte. Onse Taldas wirkte überrascht, fast so, als hätten sie gedacht, das Spiel beginne erst nach dem ersten Gegentor.

Nacional blieb am Drücker. Der Ballbesitz - 54,9 Prozent - spiegelte den Eindruck wider: Medellin kontrollierte das Geschehen, führte die Partie wie ein erfahrener Dirigent. In der 24. Minute folgte dann das zweite Meisterstück. Eduardo Menendez, der junge zentrale Mittelfeldmann mit einem Faible für präzise Schüsse, traf nach schöner Vorarbeit von Radostin Asparuchow zum 2:0. "Ich habe gar nicht gesehen, wie der Ball reinflog", gab Menendez später lachend zu. "Ich habe nur die Arme meiner Mitspieler gesehen - da wusste ich: gut gelaufen."

Zur Pause schien alles entschieden. Trainer Özkan Kaplan von Onse Taldas stapfte jedoch mit einem Gesichtsausdruck in die Kabine, der versprach: Das war’s noch nicht. Und tatsächlich - kaum war die zweite Halbzeit angepfiffen, schlug sein Team zurück. In der 46. Minute setzte Theo Neville auf der rechten Seite zum Sprint an, flankte präzise in den Strafraum, und Isaac Hoskins köpfte den Ball wuchtig ins Netz. Nur noch 2:1 - und plötzlich war das Stadion stiller als ein Lehrbuch über Ballbesitzquoten.

Nacional wackelte, aber fiel nicht. Stattdessen sorgte Asparuchow in der 72. Minute für die vermeintliche Entscheidung. Nach einem Pass von Linksverteidiger Adriano Camacho zog der Bulgare ab - und traf aus 20 Metern flach ins rechte Eck. 3:1! Trainer Bär sprang an der Seitenlinie in die Luft, als wolle er selbst eingewechselt werden.

Doch Onse Taldas gab sich nicht geschlagen. Nur drei Minuten später köpfte ausgerechnet Innenverteidiger Antonio Conceicao nach einer Ecke von Alexander Roades das 3:2. Nun begann das große Zittern. Medellin stellte auf "Betonmischer-Modus" um, stand tief und versuchte, die Uhr runterzuticken.

In der 80., 82. und 87. Minute gab es dann Gelb im Dreierpack - Jose Maria Manuel, Pedro Oliveira und Yannik Boniek wollten offenbar sicherstellen, dass der Schiedsrichter ihre Namen auch noch in Erinnerung behält. "Wir wollten zeigen, dass wir präsent sind", meinte Boniek mit einem Augenzwinkern. "Vielleicht ein bisschen zu präsent."

Die letzten Minuten waren ein einziger Nervenkrimi. Hoskins prüfte in der 86. Minute noch einmal Keeper Diego Jemez, der mit einer spektakulären Parade den Sieg rettete. Danach feierte er mit den Fans, als hätte er gerade die Meisterschaft gewonnen.

Am Ende stand ein verdienter, aber hart erkämpfter 3:2-Erfolg. Die Statistik sprach deutlich für die Hausherren: 14 Torschüsse gegenüber nur 5 der Gäste, mehr Ballbesitz, mehr Zweikämpfe gewonnen. Und doch hatte das Spiel den Charakter eines wackligen Sommerstuhls - schön anzusehen, aber jederzeit kurz vorm Zusammenklappen.

Trainer Kaplan zeigte sich nach der Partie gefasst. "Wir haben zu spät angefangen, an uns zu glauben", sagte er. "Aber wenn man nach einem 0:2 noch einmal so nah dran ist, zeigt das Charakter." Dann grinste er und fügte hinzu: "Und vielleicht sollten wir das nächste Mal früher wach werden."

Jokel Bär hingegen wirkte ausgelaugt, aber zufrieden. "Wir haben uns das Leben selbst schwer gemacht", gab er zu. "Aber das ist eben Fußball - manchmal denkst du, du spielst Schach, und plötzlich ist es Wrestling."

Die Fans gingen glücklich nach Hause, auch wenn die Fingernägel vieler wohl auf der Tribüne geblieben sind. Nacional Medellin bleibt damit in der Spitzengruppe der 1. Liga Kolumbien, während Onse Taldas trotz mutigem Auftritt ohne Punkte abreist.

Oder wie ein älterer Fan beim Verlassen des Stadions murmelte: "Schön, dass sie gewonnen haben - aber mein Herz braucht jetzt erstmal Verlängerung."

24.12.643990 09:28
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