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Manchmal sind Fußballspiele wie italienische Opern: laut, leidenschaftlich, dramatisch - und am Ende weiß man nicht so recht, ob das Publikum vor Begeisterung oder Erleichterung klatscht. Der 3:1‑Sieg des AC Neapel über das tapfere San Marino am 34. Spieltag der Serie A bot genau das: ein Spektakel mit viel Emotion, einigen falschen Tönen - und einem Publikum, das mit 52.876 Kehlen den Vesuv hätte zum Brodeln bringen können. Von Beginn an machte Neapel klar, dass sie an diesem warmen Maiabend keine Punkte verschenken wollten. Bereits in der 12. Minute war es der quirlige Stephane Larocque, der nach einem präzisen Zuspiel von Christophe Lehmann den Ball in die Maschen drosch. "Ich habe einfach draufgehalten. Augen zu, Fuß dran, fertig", grinste Larocque später. Trainer Giovanni Diaco kommentierte trocken: "Genau so haben wir das im Training nicht geübt." Das Publikum jubelte trotzdem, als wäre der Scudetto gerade gesichert worden. San Marino versuchte, über die Flügel gefährlich zu werden - eine Taktik, die auf dem Papier gut klang, auf dem Rasen aber meist an der blau-weißen Betonmauer der Neapolitaner endete. Immerhin: Ballbesitzmäßig lagen die Gäste mit etwas über 51 Prozent vorne. "Wir wollten das Spiel kontrollieren", erklärte Trainer Lukas Teuber hinterher. "Dass der Ball dabei selten in Tornähe kam, war… nun ja, ein taktisches Missverständnis." In der 40. Minute erhöhte dann Lehmann selbst auf 2:0, nachdem Ivan Carracedo ihm den Ball mustergültig aufgelegt hatte. Ein Treffer wie aus dem Lehrbuch - wenn das Lehrbuch italienische Leidenschaft und spanische Präzision als Pflichtlektüre hat. "Ich sah den Ball kommen und dachte, das ist meiner", sagte Lehmann später mit einem Lächeln, das irgendwo zwischen Stolz und Müdigkeit pendelte. Zur Pause schien alles entschieden. Doch Fußball wäre nicht Fußball, wenn sich San Marino nicht wenigstens einmal aufbäumen würde. In der 70. Minute gelang Michel Fernandes nach Vorarbeit von Billy MacMillan der Anschlusstreffer. Der Ball zappelte im Netz, und plötzlich roch es im Stadion nach Nervosität. Diaco gestikulierte wild an der Seitenlinie, als wolle er den Ball persönlich wieder ins Mittelfeld tragen. "Ich sagte den Jungs: Jetzt wird’s ernst. Und sie fragten: War’s das vorher nicht?", erzählte der Coach später schmunzelnd. San Marino witterte tatsächlich kurz Morgenluft. Zwischen der 70. und 80. Minute feuerten sie gleich mehrere Schüsse aufs Tor von Francesco Piras, der allerdings mit stoischer Ruhe alles abwehrte, was in seine Nähe kam. "Ich hatte heute einen guten Abend", sagte der Keeper bescheiden. "Und ein bisschen Glück - aber das erwähne ich nicht, sonst glaubt mir keiner, dass ich trainiere." Neapel reagierte, wie man in Italien nun mal reagiert: mit einem Hauch Drama und einer Prise jugendlicher Wildheit. Der 18-jährige Vincenzo Fumagalli kam für den ausgepowerten Larocque, und auch Juan Pablo Gomes durfte zeigen, dass er laufen kann wie ein Duracell-Hase auf Espresso. Trotzdem dauerte es bis in die Nachspielzeit, ehe der Deckel endgültig drauf war: In der 93. Minute zog Tamas Fekete nach Vorlage von Jacinto Domingos ab - und ließ den San-Marino-Keeper Lewis Dubois nur noch hinterhersehen. 3:1. Spiel, Satz, Pizza. "Das war wie eine gute Pasta - am Anfang heiß, dann ein bisschen zu weich, am Ende wieder perfekt", kommentierte Diaco augenzwinkernd in der Pressekonferenz. Sein Gegenüber Teuber ließ den Humor nicht missen: "Wir haben gut gegessen, aber leider nichts mitgenommen." Statistisch gesehen war’s ein recht ausgeglichenes Spiel: 14 Schüsse auf das Tor für Neapel, 8 für San Marino, Ballbesitz fast pari, dafür aber eine klare Zweikampfquote zugunsten der Gastgeber (53 zu 47 Prozent). Es war weniger ein Lehrstück in taktischer Raffinesse als vielmehr ein Beispiel dafür, dass Effizienz manchmal schöner ist als Ästhetik. Als die Mannschaften vom Platz gingen, sangen die Fans bereits vom nächsten Jahr, von Europa und von neuen Träumen. Und irgendwo auf der Trainerbank saß Giovanni Diaco, sah auf die Anzeigetafel und sagte leise zu seinem Co-Trainer: "Wenn’s immer so läuft, kann ich damit leben." Na dann, buon appetito, Napoli - serviert wurde ein Sieg, der schmeckt. 08.07.644000 00:08 |
Sprücheklopfer
2 bis 3 Prozent.
Stefan Effenberg auf die Frage, wieviel Prozent seiner Leistungsfähigkeit er nach einer langen Verletzungspause schon abrufen könne