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Nazareth, 5. Januar 2026 - 41.269 Zuschauer im Stadion von Nazareth Illit erlebten einen Abend, der zwar nie wirklich dramatisch, aber dafür umso lehrreicher war - zumindest für die Tel Aviv Blues. Die Gastgeber siegten mit 2:0 (1:0) und ließen dabei kaum Zweifel, wer an diesem 5. Spieltag der 1. Liga Israel die Musik spielte. Von Beginn an zeigte Nazareth Illit, dass man die Blues nicht fürchten musste. Schon in der 10. Minute prüfte Raul Gonzalo den Gäste-Keeper Leandro de Freitas mit einem satten Schuss aus 18 Metern, und es war der Auftakt zu einer wahren Salve an Abschlüssen: 23 Torschüsse insgesamt, fast im Drei-Minuten-Takt. Die Gäste? Drei kümmerliche Versuche - einer davon kam von einem 18-jährigen namens Dylan Lachance, dessen Name das Einzige war, das an diesem Abend nach "Chance" klang. Das 1:0 fiel dann in der 26. Minute, fast folgerichtig: Rafael Tiago, der Wirbelwind auf der linken Seite, setzte sich nach einem feinen Zuspiel von Eyal Solodkin durch und schob den Ball überlegt ins lange Eck. Trainer Jörg Hammer sprang an der Seitenlinie auf wie ein Mann, der gerade den Lottojackpot gewonnen hatte. "Wir haben genau das trainiert - Tempo, Präzision, Entschlossenheit. Und endlich hat’s mal einer gemacht!", rief er lachend in Richtung Ersatzbank. Die Blues wirkten da schon leicht blass. Sie hatten nominell 49 Prozent Ballbesitz, aber das war eher Ballpflege als Ballkontrolle. Ihre Pässe liefen brav quer durchs Mittelfeld, während Nazareth Illit mit jedem Angriff gefährlicher wurde. Besonders Zoltan Tölcseres, der ungarische Rechtsaußen, probierte es gleich sechsmal auf eigene Faust - mal knapp vorbei, mal direkt auf den Keeper. Nach dem dritten Versuch rief ihm Gonzalo zu: "Ziel ist das Tor, nicht der Linienrichter!" - worauf Tölcseres nur grinste. Zur Pause stand es 1:0, und man konnte ahnen: Tel Aviv würde auch in der zweiten Hälfte wenig Mittel finden. Trainer Hammer rotierte früh, brachte zur Halbzeit Daniele Crati für Jordi Rielo. Später kamen Nevio Bosingwa (78.) und Iwan Nikitin (83.) - letzterer nach eigener Aussage "nur, um noch auf dem Spielbericht zu stehen". Nazareth Illit blieb tonangebend, auch wenn das Tempo etwas sank. Einziger Wermutstropfen: Rechtsverteidiger Yossi Benado sah in der 56. Minute Gelb, nachdem er sich mit dem Schiedsrichter über die Definition des Begriffs "Foul" auseinandersetzte. "Ich wollte nur wissen, ob man hier noch atmen darf", meinte er hinterher mit einem Augenzwinkern. Tel Aviv kam kaum in die Zweikämpfe, gewann nur 41,5 Prozent davon - eine Quote, die man sonst eher in Freundschaftsspielen gegen Jugendteams sieht. Erst in der 78. Minute schafften sie es durch Luka Horst zu einem ernsthaften Abschluss, aber Keeper Alexandre Laureys musste sich kaum strecken. Dann die Entscheidung: In der 81. Minute war es wieder Gonzalo, der nach einer butterweichen Flanke von Benado per Direktabnahme das 2:0 markierte. Ein Treffer wie aus dem Lehrbuch - und gleichzeitig der Schlusspunkt. Gonzalo jubelte mit ausgestreckten Armen vor der Kurve, während Benado ihm lachend zurief: "Na also, jetzt darfst du mich endlich zum Essen einladen!" Nach dem Spiel zeigte sich Trainer Hammer zufrieden, aber mit gewohnt trockenem Humor: "Wir hätten auch 5:0 gewinnen können. Aber dann hätten die Fans ja nichts mehr zu diskutieren." Sein Gegenüber, der sichtlich konsternierte Blues-Coach (dessen Name sich die Presse leider nicht notierte), murmelte nur: "Wenn du keinen Plan A hast, ist Plan B auch nur ein Traum." Die Statistik spricht ohnehin Bände: 23:3 Torschüsse, 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe, und ein Publikum, das sich spätestens nach dem zweiten Treffer gemütlich zurücklehnte. "Das war keine Gala", meinte Torschütze Tiago, "aber eine schöne Probe für die nächste." Am Ende blieb die Erkenntnis: Nazareth Illit hat nicht nur gewonnen, sondern souverän dominiert - mit Witz, Tempo und einer Prise Selbstironie. Die Blues hingegen gingen unter wie ein Eimer Eis in der Wüstensonne. Und irgendwo in der Kabine von Nazareth Illit soll man gehört haben, wie Trainer Hammer sagte: "Wenn wir so weitermachen, fangen wir bald an, uns selbst zu langweilen." Ein Luxusproblem, das man in Tel Aviv wohl gern hätte. 06.03.643987 12:15 |
Sprücheklopfer
Unter den Einäugigen ist der Dreibeinige der König.
Rainer Calmund