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Ein lauer Maiabend, 20:15 Uhr, 3155 Zuschauer im kleinen Stade du Littoral, und schon nach zwei Minuten war klar: Das wird kein gemütlicher Auftakt für Collombey-Muraz. Neuchatel Abemax, in bester Spiellaune und offenbar mit Frühstart-Garantie, eröffnete die neue Saison der 4. Liga Schweiz (2. Div) mit einem Spektakel, das eher an ein Trainingsspiel als an ein Punktspiel erinnerte. 5:0 hieß es am Ende - und selbst das fühlte sich noch gnädig an. Laurent Delmas machte gleich in der zweiten Minute ernst. Ein kurzer Doppelpass mit Alex De Luca, dann ein Schlenzer ins lange Eck - der Ball küsste noch die Latte, bevor er im Netz einschlug. "Ich wollte eigentlich flanken", grinste Delmas nach dem Spiel, "aber der Ball hat einfach zugehört." Trainer und Teammanager der Neuenburger nickte trocken: "Wenn’s läuft, dann läuft’s - und Laurent hat heute wohl Batterien im rechten Fuß gehabt." Kaum hatten sich die Gäste vom ersten Schock erholt, kam der zweite. In Minute neun tanzte Philippe Bernheim über den rechten Flügel, bekam den Ball von Jean Abbadie und schob überlegt zum 2:0 ein. Collombey-Muraz wirkte zu diesem Zeitpunkt wie ein Team, das noch nach dem Parkplatz sucht, während die Gastgeber bereits die zweite Runde Getränke bestellen. Die Abemax-Offensive wirbelte weiter. 27 Schüsse aufs Tor sprechen eine deutliche Sprache, und die 53,8 Prozent Ballbesitz täuschen fast darüber hinweg, wie dominant die Gastgeber wirklich waren. In der 41. Minute durfte sich sogar der Innenverteidiger Antip Tertyschny in die Torschützenliste eintragen - per Kopf nach einer Ecke von Marcel Jean-Pierre. Antip, der kurz zuvor Gelb gesehen hatte, feierte den Treffer mit einem entschuldigenden Schulterzucken. "Ich dachte, wenn ich schon auffalle, dann wenigstens vorne", scherzte der 34-Jährige später in der Mixed Zone. Mit einem komfortablen 3:0 ging es in die Pause. Die Gäste aus Collombey-Muraz hatten bis dahin sechs Torschüsse zustande gebracht - und keiner davon brachte Keeper Guy Simard ernsthaft ins Schwitzen. Simard selbst meinte nach dem Spiel: "Ich hab mir in der 70. Minute die Handschuhe ausgezogen, da war klar, dass heute nichts mehr anbrennt." Die zweite Halbzeit begann, wie die erste geendet hatte: Abemax drückte, kombinierte, zauberte. In der 49. Minute traf Marcel Jean-Pierre nach Vorarbeit von Philipp Sonnenschein zum 4:0 - und man hatte das Gefühl, der Stadionsprecher würde bald heiser. Nur fünf Minuten später setzte Jozsef Feher mit einem satten Schuss von rechts den Schlusspunkt. "Ein Verteidiger-Tor, das nach Stürmer aussah", kommentierte ein Fan hinter mir, während er sein Bier hob. Trainer von Neuchatel Abemax - der Name wurde im Protokoll nicht überliefert, aber seine Gestik sprach Bände - zeigte nach dem fünften Treffer ein seltenes Grinsen. "Wir haben das Spiel ernst genommen. Vielleicht ein bisschen zu ernst", meinte er augenzwinkernd auf der Pressekonferenz. "Aber es ist besser, wenn die Jungs zu viel Spaß haben als zu wenig." Auf der anderen Seite war die Stimmung weniger ausgelassen. Der Coach von Collombey-Muraz, blass und mit versteinertem Blick, murmelte: "Wir hatten denselben Plan wie sie - nur haben sie ihn umgesetzt." Seine Spieler schlichen vom Platz, als wäre das Ergebnis ein Aprilscherz. Taktisch blieb alles unspektakulär - beide Teams spielten laut Statistik "ausgewogen", mit "standardgemäßem Einsatz" und ohne Pressing. Doch während Abemax aus dieser Balance ein kontrolliertes Offensivfeuerwerk machte, blieb Collombey-Muraz im Niemandsland zwischen Plan und Panik. Die Fans jedenfalls bekamen, was man am Saisonauftakt am liebsten sieht: Tore, Tempo und viel Gesprächsstoff. Ein älterer Zuschauer fasste es beim Verlassen des Stadions so zusammen: "Früher hat Neuchatel Abemax solche Spiele noch verschenkt. Heute schenken sie sie aus - in Fünferpacks." Ein Auftakt nach Maß also für die Neuenburger, die mit dieser Vorstellung gleich ein Ausrufezeichen in der Liga setzen. Fünf verschiedene Torschützen, ein überragendes Mittelfeld und ein Gegner, der froh sein durfte, dass der Schiedsrichter pünktlich abpfiff. Im Vereinsheim nebenan stieß Laurent Delmas noch einmal an - auf sein "Flankentor". Vielleicht wird man in Neuchatel noch lange von diesem Abend sprechen, an dem Fußball so leicht aussah, dass selbst die Eckfahne zu lächeln schien. Und wer weiß: Wenn sie dieses Niveau halten, muss man sich bald fragen, ob die 4. Liga wirklich noch die richtige Adresse ist. Kurz gesagt: Abemax ist angekommen - Collombey-Muraz leider nie. 11.08.644000 15:47 |
Sprücheklopfer
Einige Leute müssen hier im Hintergrund ihre Profilneurosen ausleben. Wenn dieser kleinkarierte Käse so weitergeht, dann geh' ich nach Sylt und bau' Sandburgen.
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