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Nevsehir gewinnt das Geduldsspiel gegen Bonner SC mit 1:0

Champions League | Gruppenrunde - 6. Spieltag | 03.10.26 | Nevsehir - Bonner SC 1:0

79.500 Zuschauer, Champions-League-Gruppenrunde, Flutlicht - und ein Fußballabend, der sich zunächst anschickte, ein großes Spektakel zu werden. Am Ende genügte Nevsehir allerdings ein einziger Treffer, um den Bonner SC am 6. Spieltag mit 1:0 zu bezwingen. Die ganz große Dramatik blieb aus. Dafür bekam das Publikum ein Lehrstück in Sachen Spielkontrolle, Chancenverwertung und gepflegtem Zittern in der Schlussphase.

Bereits nach fünf Minuten war es vorbei mit der Abtastphase. Yaman Erdem setzte sich auf der rechten Seite durch und fand Emilio Pena im Zentrum. Der 26-jährige Mittelstürmer ließ sich nicht lange bitten und schob zur frühen Führung ein. 1:0 - ein Treffer, der im Stadion ungefähr so wirkte wie ein frisch gezapftes Getränk an einem heißen Tag: schnell, erfreulich und von allen willkommen.

"Wir wollten von Beginn an zeigen, dass wir nicht zum Bälle-Sammeln hier sind", sagte Nevsehirs Trainer Mehmet Kaan später. "Das Tor war wichtig. Danach mussten wir vor allem klug bleiben." Klug blieb seine Mannschaft tatsächlich. Nevsehir trat offensiv auf, lauerte aber immer wieder auf Konter und suchte bevorzugt die sicheren Abschlüsse. Das klingt weniger spektakulär als "bedingungslose Offensive", war an diesem Abend aber deutlich erfolgreicher.

Bonner SC hatte zwar mehr Ballbesitz. 53,77 Prozent standen am Ende für die Gäste zu Buche, während Nevsehir mit 46,23 Prozent auskam. Nur: Der Ballbesitz wohnte offenbar lieber in der Bonner Statistik als in der gefährlichen Zone. Zwei Torschüsse brachte der SC während der gesamten Partie zustande. Nevsehir kam auf 15. Ein Verhältnis, das ungefähr so ausgewogen war wie ein Gespräch zwischen einem Presslufthammer und einer Zimmerpflanze.

Pena hätte bereits in der 33. und 45. Minute nachlegen können. Auch Franck Lockhart, Turhan Sentürk, Erdem und sogar Nevsehirs linker Verteidiger Okan Bulut prüften das Tor. Sentürk war besonders auffällig und suchte mehrfach den Abschluss. Auf der Tribüne soll ein Zuschauer nach seinem nächsten Versuch gerufen haben: "Turhan, irgendwann muss der Torwart doch auch mal Luft holen!" Der Bonner Schlussmann bekam jedenfalls reichlich Beschäftigung.

Zur Pause reagierte Bonners Trainer Harry Kane mit einem Dreifachwechsel. Georgi Hubtschew, Marco Caneira und Gojko Durisic blieben in der Kabine, Gabriel Wyler, Mateo Travassos und Baltsar Bruun kamen. Ein deutlicher Versuch, dem Spiel eine neue Richtung zu geben. Tatsächlich kam Bonner zwischen der 66. und 67. Minute zu seinen einzigen beiden Torschüssen. Alfie Farnsworth und Hubtschew - kurz vor seiner Auswechslung - sorgten für einen Moment Unruhe. Mehr wurde daraus nicht.

"Wir hatten den Ball, aber wir haben ihn nicht gefährlich genug behandelt", sagte Kane. "Das ist ungefähr so, als würde man einen Schlüssel besitzen, aber vor der falschen Tür stehen." Ein bemerkenswert ehrliches Bild, auch wenn es seiner Mannschaft keinen Punkt brachte.

Nevsehir wechselte ebenfalls und brachte unter anderem Jorge Bertran, Sadi Mandirali und später Gareth Bale. Die Gastgeber blieben ihrer Linie treu: offensiv ausgerichtet, aber mit ausgewählten Abschlüssen statt blindem Dauerfeuer. In der Schlussphase versuchte Bonner noch einmal, sich festzusetzen. Doch Nevsehirs Abwehr um Frank Moeller und Adam Winston verteidigte aufmerksam. Torwart Latif Kaynak musste kaum eingreifen - ein angenehmer Arbeitstag, sofern man Torhüter ist und nicht von spektakulären Paraden lebt.

So blieb es beim 1:0. Nevsehir gewann verdient, weil die Mannschaft zielstrebiger war, häufiger schoss und die entscheidende Szene früh auf ihre Seite zog. Bonner SC hatte mehr Ball, aber Nevsehir hatte das Spiel. Im Fußball ist das manchmal die unromantische Wahrheit: Wer die Tür nicht trifft, kommt auch mit dem schönsten Schlüssel nicht hinein.

04.10.2026 13:49
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