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Nevsehir tanzt Osijek aus - 2:0-Sieg mit Stil und Spott

Ein kalter Januarabend, 43.500 Zuschauer, Flutlicht, und ein Heimteam, das offenbar beschlossen hatte, die Europaliga als Bühne für gepflegten Offensivwitz zu nutzen: Nevsehir schlug Hajduk Osijek mit 2:0 (1:0) und machte dabei deutlich, dass Ballbesitz nicht alles ist - Präzision und Leidenschaft genügen völlig.

Schon in den ersten Minuten schien Osijek kurzzeitig zu glauben, man könne die Partie kontrollieren. Zwei harmlose Abschlüsse von Rajic (2.) und Maric (5.) - und das war’s dann auch fast mit der kroatischen Offensive. Danach übernahm Nevsehir das Kommando, weniger im Sinne von Ballbesitz (47 Prozent), dafür mit deutlich mehr Zug zum Tor: satte 18 Torschüsse standen am Ende zu Buche.

In der 15. Minute fiel das erste Tor - und wie! Innenverteidiger Timm Behrendt, der gern so tut, als sei er ein verkappter Spielmacher, schickte einen butterweichen Pass in den Lauf von Rechtsaußen Seha Aurelio. Der nahm den Ball volley, und bevor irgendjemand "Abseits!" rufen konnte, zappelte das Leder im Netz. 1:0! "Timm sagt immer, er hätte früher Stürmer gespielt", grinste Aurelio später. "Heute hat man’s ihm geglaubt."

Osijek-Coach Tommek Dee war schon da sichtlich genervt. Er rief seiner Hintermannschaft zu: "Wacht endlich auf!" - woraufhin Linksverteidiger Goran Shala offenbar beschlossen hatte, ihn beim Wort zu nehmen: Er holte sich in der 54. Minute die Gelbe Karte - vielleicht um sicherzugehen, dass der Coach ihn wirklich bemerkte.

Die Gäste spielten solide, aber so harmlos wie eine zahnlose Katze. Vier läppische Torschüsse, keiner davon zwingend. Nevsehir hingegen hatte Lust auf Spektakel. Besonders auffällig: der quirlig-drahtige Onat Ates. In der 61. Minute krönte er seine starke Leistung mit dem 2:0, nach feinem Zuspiel von Duarte Rodrigo. Ein Treffer wie aus dem Lehrbuch: flach, präzise, unhaltbar. "Ich hatte kurz überlegt, den Ball noch einmal querzulegen", sagte Ates hinterher, "aber dann erinnerte ich mich an mein letztes Training - der Coach meinte, ich solle einfach mal schießen. Also bitte, Mehmet!"

Trainer Mehmet Kaan lachte herzhaft, als er das hörte. "Ja, das war so ein Moment, wo man als Trainer denkt: Gut, dass er mir manchmal zuhört."

Von Osijek kam danach kaum noch etwas. Stattdessen wurde das Spiel ruppiger. Nevsehirs Innenverteidiger Leif Ingimarsson sah in der 73. Minute Gelb - ein taktisches Foul, das er mit einem Achselzucken quittierte. "Er wäre sonst vielleicht durch gewesen", murmelte er - worauf ein Reporter trocken fragte: "Wohin denn?"

Kurz darauf musste Osijeks Routinier Jerko Jarni nach einem Zweikampf verletzt raus. Der 34-Jährige humpelte vom Platz, flankiert von zwei Betreuern, während Ersatzmann Pavlovic mit einem entschlossenen Blick einlief, der sagen wollte: "Ich mach’s besser." Tat er aber nicht.

Nevsehir zeigte in der Schlussphase, dass man auch ohne Ballbesitz Spaß haben kann. Rinaldi prüfte in der 80. Minute den Gästekeeper mit einem satten Flachschuss, und Ates scheiterte in der 85. und 92. Minute knapp - der Mann hatte einfach noch Appetit auf mehr.

Als Schiedsrichter Götzmann nach 94 Minuten abpfiff, jubelte das Stadion wie nach einem Titelgewinn. Ein Sieg, der mehr war als drei Punkte: eine Demonstration von Effizienz und Spielfreude.

"Wir haben heute gezeigt, dass wir reif für Europa sind", meinte Trainer Kaan anschließend. "Und dass man auch mit 47 Prozent Ballbesitz gewinnen kann - das schreibe ich mir groß auf die Tafel."

Sein Gegenüber Tommek Dee blieb gefasst: "Wir hatten den Ball, sie die Tore. Vielleicht sollten wir mal tauschen."

Taktisch gesehen blieb alles, wie es begann - beide Teams in ausgewogener Formation, ohne wildes Pressing, aber mit klar unterschiedlichen Ideen. Während Nevsehir in jeder Phase bereit war, aus jeder Lage zu schießen, wirkte Osijek fast zu höflich, um den Ball überhaupt aufs Tor zu bringen.

Das Publikum verabschiedete die Spieler mit stehenden Ovationen. Ein älterer Fan fasste es auf der Tribüne treffend zusammen: "Wenn wir so weiterspielen, buchen die uns bald als Showprogramm."

Vielleicht übertrieben - aber nicht ganz falsch. Nevsehir hat mit diesem 2:0 gezeigt, dass Fußball auch Spaß machen darf. Und Osijek? Nun, die dürfen sich trösten: Immerhin waren sie in einer Statistik vorn - beim Ballbesitz.

Ein schöner, kalter Abend in Nevsehir. Und einer dieser Spiele, an die man sich erinnert, weil sie beweisen, dass Zahlen lügen können, Tore aber nicht.

21.04.643987 14:41
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Solange Karl-Heinz Rummenigge und ich etwas beim FC Bayern zu sagen haben, wird der bei diesem Verein nicht mal Greenkeeper im neuen Stadion.
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