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Ein Abend, der in Kingston noch lange Gesprächsthema sein dürfte: New Green FC überrollte Fire-House FC am 5. Spieltag der 1. Liga Jamaica mit einem glanzvollen 5:0. 43.668 Zuschauer im vollbesetzten Stadion sahen eine Heimmannschaft, die von der ersten Minute an zeigte, dass "offensiv" bei Trainerin Martina Wen keine bloße Vokabel im Taktikzettel ist - sondern Lebensphilosophie. Schon der Auftakt ließ erahnen, wohin die Reise gehen würde. Marc Peltier prüfte den gegnerischen Torwart nach zwei Minuten, und nur der Pfosten verhinderte die frühe Führung. "Ich wusste, dass wir heute was gutzumachen haben", grinste der bullige Mittelstürmer später. Was genau, blieb unklar - vielleicht ein verlorenes Kartenspiel im Mannschaftsbus. In der 26. Minute war es dann soweit: Didier Haddington, sonst eher bekannt für seine filigrane Ballbehandlung als für Wucht, drosch den Ball nach Flanke von Deniz Bilgin in die Maschen. Zwei Minuten später legte Benjamin Cromwell nach, diesmal nach Pass von Gretar Kolvidsson. 2:0 - und Fire-House FC wusste gar nicht, wo ihm der Kopf stand. Trainer Heinz Riffel brüllte seine Spieler an der Seitenlinie an, sie sollten "mehr über die Flügel kommen". Doch die Flügelspieler schienen eher damit beschäftigt, die Flut der grünen Angriffe abzuwehren. "Wir wollten kontern", erklärte Riffel nach dem Spiel mit stoischer Ruhe. "Aber um zu kontern, braucht man den Ball." Ein Satz, der in die Lehrbücher eingehen könnte. In der zweiten Halbzeit machte New Green dort weiter, wo sie aufgehört hatten. Cromwell schnürte in der 51. Minute seinen Doppelpack, diesmal nach Vorlage von Innenverteidiger Robert Davonport - auch das ein Zeichen dafür, wie sehr die gesamte Mannschaft nach vorne dachte. Vier Minuten später durfte sich sogar Rechtsverteidiger Eric Caron in die Torschützenliste eintragen, nachdem Peltier ihm den Ball mustergültig aufgelegt hatte. Das 5:0 in der 60. Minute besorgte dann Peltier selbst, der nach einem Steilpass von Thomas Bisson cool einschob. Danach war’s im Grunde nur noch Schaulaufen. "Ich hätte gern noch einen gemacht", grinste Peltier nach Abpfiff, "aber ich wollte die Statistik nicht überladen." Fire-House FC versuchte zwischendurch, so etwas wie Gegenwehr zu zeigen. Luis Ochoa und Felix Ohlson kamen immerhin zu zwei Abschlüssen - die einzigen, die Keeper Ethan Lewis überhaupt aus der Nähe sah. Doch spätestens nach der Gelb-Roten Karte gegen Michael Longfellow (76.) war auch der letzte Funken Hoffnung erloschen. In der 65. Minute musste Thomas Bisson verletzt vom Platz, Jean-Pierre Harrington kam für ihn - und brachte gleich frischen Wind, als wäre er ein Ventilator im karibischen Sommer. "Ich wollte nur Spaß haben", sagte der 23-Jährige mit leuchtenden Augen, "und vielleicht nicht gleich wieder runter müssen." Die Statistik sprach Bände: 25 Torschüsse für New Green, nur 4 für die Gäste. 52 Prozent Ballbesitz, 57 Prozent gewonnene Zweikämpfe - Werte, die Trainerin Martina Wen nach Abpfiff trocken kommentierte: "Das war ordentlich. Aber ich mochte die ersten zehn Minuten nicht. Da hatten wir nur zwei Chancen." Während die Fans minutenlang "Green Machine!" skandierten (keine Sorge, keine Urheberrechtsverletzung - das ist ein Fantasyruf), saß Heinz Riffel mit verschränkten Armen auf der Bank und blickte ins Leere. "Manchmal brennt das Fire-House eben selbst", murmelte er bitter. Der Sieg katapultiert New Green FC in der Tabelle nach oben - und lässt die Konkurrenz ahnen, dass man mit dieser Offensivmaschine rechnen muss. Besonders Cromwell und Peltier harmonierten wie ein altes Ehepaar, das sich auch ohne Worte versteht. Nur dass hier nicht gestritten, sondern getroffen wird. Zum Schluss noch eine Szene, die sinnbildlich für den Abend stand: In der 93. Minute zog Stefan Stoilow noch einmal ab - einfach, weil er konnte. Der Ball flog knapp vorbei, aber das Publikum jubelte dennoch. "Das war für die Galerie", lachte Stoilow. "Man muss ja was für die Highlights tun." Ein 5:0, das deutlicher kaum sein könnte - und eine Lehrstunde in Spielfreude. New Green FC hat an diesem Abend nicht nur Fire-House FC besiegt, sondern auch bewiesen, dass man Fußball mit einem Lächeln spielen kann. Oder, wie es Torwart Lewis beim Verlassen des Rasens zusammenfasste: "Heute hätte selbst der Regen keinen Spaß gehabt, uns nass zu machen." Und so blieb’s ein trockener, aber feuriger Abend - zumindest für eine Seite. 06.03.643987 15:31 |
Sprücheklopfer
Nevio Scala ist ein phantastischer Trainer und er hat eine tolle Mannschaft. Dortmund wird ganz sicher Weltmeister!
Giovanni Trappatoni