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Eintracht Northeim gegen FC Villingen - das klang auf dem Papier nach einem klaren Fall für die Gastgeber. 15 Torschüsse zu 2, 2064 frierende Zuschauer, Flutlicht, Landesliga 8, 19. Spieltag. Und am Ende? Ein 0:0, das so lautlos war, dass selbst der Stadionsprecher beim Abpfiff kurz zögerte, ob er überhaupt jubeln dürfe. Schon in den ersten Minuten rollte Angriff um Angriff auf das Tor der Gäste. Janis Hofmann, gerade einmal 18, probierte es in der 7. Minute und wieder in der 11. - beide Male scheiterte er an Villingens Schlussmann Lasse Heinz, der offenbar beschlossen hatte, an diesem Abend in den Landesliga-Olymp aufzusteigen. "Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft der Ball auf mich zuflog", grinste der Torwart später. "Ich dachte, das ist Training - nur ohne Trainer." Die Eintracht, von Coach Tim Picke offensiv eingestellt, spielte mutig, fast übermütig. Lionel Ronaldo - ja, so steht’s tatsächlich auf dem Spielbericht - zog in der 12. Minute ab, Robin Seiler in der 20. und 35., Gerhard Steiner in der 21. Minute. Doch der Ball wollte einfach nicht hinein. "Wenn du so viel schießt und nichts triffst, dann denkst du irgendwann, das Tor hat sich verschoben", meinte Picke halb spöttisch, halb verzweifelt. Villingen dagegen? Ballbesitzkünstler ohne Drang zum Risiko. Über 53 Prozent Ballbesitz, aber kaum Gefahr. Ihr Trainer - der Name blieb im Nebel der Statistik verborgen - hatte offenbar die Devise ausgegeben: "Wer den Ball hat, kann keinen kassieren." Und so zirkulierte das Leder gemächlich durch die Reihen, während Northeim auf Konter lauerte, die nie wirklich kamen. Kurz vor der Pause dann der erste kleine Aufreger: Hanns Hübner sah Gelb, weil er in bester Innenverteidiger-Manier einen Angriff rustikal stoppte. "Ich wollte nur zeigen, dass wir noch da sind", verteidigte er sich später. Nach dem Seitenwechsel ging’s weiter wie zuvor: Northeim drückte, Villingen verteidigte. Picke brachte frische Kräfte - Ben Voigt für den jungen Raab, später Max Bartsch und schließlich der erfahrene Louis Wilhelm, der mit 35 Jahren noch einmal versuchte, das Spiel zu entscheiden. Aber auch er fand seinen Meister in Lasse Heinz, der in der 92. Minute einen letzten Wilhelm-Schuss aus dem Winkel fischte, als wolle er sagen: Nicht heute, Freunde. Zwischendurch gab’s Gelb Nummer zwei für die Hausherren - Markus Müller in der 49. Minute, nach einem beherzten Zweikampf an der Außenlinie. "Der Ball war im Aus, aber ich wollte sicher gehen", erklärte er mit einem Schulterzucken. Die Statistiken lesen sich wie ein schlechter Witz: Northeim mit 15 Schüssen auf das Tor, Villingen mit 2. Tacklingquote 58 zu 42 Prozent, aber das Ergebnis bleibt eine Nullnummer. Die Eintracht spielte offensiv, am Ende sogar mit Pressing auf Anschlag und "Shooting: Anytime", wie es der Taktikzettel verrät - und doch ohne Ertrag. Villingen dagegen blieb "balanced", "sure" und "no pressing" - eine taktische Meditation in Schwarz-Weiß. "Manchmal ist Fußball ungerecht", seufzte Trainer Picke nach dem Spiel. "Heute war er auch noch ironisch." Sein Gegenüber grinste nur: "Wir haben unser Ziel erreicht. Null ist auch eine Zahl." Für die Zuschauer war es ein Abend zwischen Frust und Faszination: Die einen klatschten für die kämpfende Eintracht, die anderen staunten über Villingens Torwart, der inzwischen vermutlich nur noch mit Handschuhen schläft. Als das Flutlicht erlosch, blieb ein Gefühl von verpasster Gelegenheit. Northeim hätte das Spiel gewinnen müssen, aber die Chancenverwertung erinnerte an einen abendlichen Dartabend mit geschlossenen Augen. "Wir nehmen den Punkt mit", meinte Kapitän Florian Schulze, "und vielleicht beim nächsten Mal auch das Tor." Ein Satz, der wie ein Versprechen klang - oder wie eine Drohung an alle kommenden Gegner. Am Ende stand ein 0:0, das sich anfühlte wie ein 3:3: voller Chancen, Emotionen und Kopfschütteln. Ein Spiel, das keiner gewinnen konnte - außer vielleicht der Torwart von Villingen. Und irgendwo im Dunkeln des Stadions hörte man noch einen Fan murmeln: "So viele Schüsse, kein Tor - das schafft sonst nur meine Tippgemeinschaft." 04.01.643991 18:46 |
Sprücheklopfer
Meine Besonderheit ist, dass ich das Gleiche wie alle anderen Männer auch tue mit Frauen, nur 20 Minuten kürzer.
Mehmet Scholl