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Es war ein kalter Freitagabend in Etelsen, aber auf dem Rasen glühten die Stollen. 1.784 Zuschauer hatten sich zum Flutlichtspiel des 20. Spieltags der Landesliga 8 eingefunden, und viele dürften sich später gefragt haben, ob sie tatsächlich ein Landesligaspiel oder die Geburtsstunde einer neuen Northeimer Generation gesehen hatten. Mit 0:2 (0:1) verlor Etelsen gegen eine frech aufspielende Eintracht aus Northeim, die so jung war, dass mancher Zuschauer ihren Altersdurchschnitt wohl eher in einem U18-Turnier verortet hätte. Schon nach wenigen Minuten deutete sich an, dass die Northeimer keine Scheu vor großen Namen oder langen Bärten hatten - und davon gab es beim Etelsener Angriff um den 48-jährigen Heinrich Riedel reichlich. "Ich hab schon gegen seinen Vater gespielt - glaube ich zumindest", witzelte Riedel nach dem Spiel über den 17-jährigen Northeimer Torschützen Ben Voigt. Doch der Reihe nach: Nach einer kurzen Drangphase der Hausherren, in der Simon Schulze in der ersten Minute und Riedel in der achten immerhin zweimal auf das Tor schoss, übernahm Northeim das Kommando. Trainer Tim Picke hatte seine Elf auf offensives Flügelspiel eingestellt - und die jungen Wilden hielten sich brav an den Plan. Über die Außen kam ein Angriff nach dem anderen, und Etelsens Abwehr um Luka Hansen und Lennard Engel wirkte zunehmend überfordert. In der 31. Minute fiel dann das logische 0:1: Rechtsverteidiger Marcel Noack schlug eine butterweiche Flanke von der Grundlinie, und Ben Voigt, eigentlich linker Verteidiger, rauschte heran und versenkte den Ball per Direktabnahme. Es war ein Treffer wie aus dem Lehrbuch - und wie aus einer anderen Liga. "Ich wollte eigentlich nur flanken", gab Voigt nach der Partie grinsend zu. "Aber wenn er drin ist, nehm ich den Ruhm natürlich mit." Kurz darauf kassierte Max Bartsch noch Gelb - ein jugendlicher Überschwang, könnte man sagen. Doch Northeim blieb überlegen: 56 Prozent Ballbesitz, 23 Torschüsse, und ein Pressing, das Etelsen kaum Luft zum Atmen ließ. Die Gastgeber hingegen kamen insgesamt nur auf vier Abschlüsse. Ein Hoffnungsschimmer flackerte kurz nach der Pause auf, als Curt Westphal (53.) aus der Distanz abzog - aber Northeims Keeper Justin Schultz, 19 und mit Reflexen wie ein Gummiball, parierte glänzend. Nur eine Minute später war das Spiel entschieden. Der 18-jährige Christopher Sommer zog nach feiner Vorarbeit von Arne Albers von links nach innen und schlenzte den Ball unhaltbar ins lange Eck - 0:2. Sommer riss die Arme hoch, Albers umarmte ihn, und Trainer Picke brüllte vom Rand: "Genau so will ich das sehen!" Danach war der Drops gelutscht. Etelsen versuchte es noch mit langen Bällen, vielleicht auch mit Stoßgebeten. "Wir haben offensiv gespielt, aber irgendwie war keiner vorne", seufzte Kapitän Simon Schulze später. Tatsächlich wirkte Etelsens Angriffsspiel, trotz nominell offensiver Ausrichtung, seltsam zahnlos. Der Ballbesitz von 43 Prozent fühlte sich deutlich weniger an, das Zweikampfverhältnis (43 zu 57 Prozent) sprach ohnehin Bände. In der Schlussphase hätten die Northeimer das Ergebnis noch höher schrauben können. Der 18-jährige Lionel Ronaldo - nein, kein Namenswitz, tatsächlich so im Spielbericht geführt - scheiterte gleich mehrfach am starken Etelser Keeper Christoph Unger. "Ich hab ihm gesagt, er soll einfach mal einen machen", erzählte Trainer Picke später lachend. "Er meinte nur: ’Ich spare mir die für die wichtigen Spiele auf.’" Während Northeim jubelte, schlich Etelsen vom Platz. Einige Fans applaudierten trotzdem - vielleicht aus Mitleid, vielleicht aus Anerkennung für den Gegner. "Die waren einfach spritziger, schneller, mutiger", gab Etelsens Chefcoach (der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen wollte) offen zu. "Wir müssen anerkennen, dass die uns heute an die Wand gespielt haben." So endete der Abend mit einem klaren 0:2, das auch höher hätte ausfallen können. Northeim präsentierte sich als jung, wild und taktisch diszipliniert, während Etelsen den eigenen Offensivgeist irgendwo zwischen Mittellinie und Strafraum suchte. Kurz vor dem Abpfiff rief ein Etelser Zuschauer Richtung Riedel: "Heini, noch einmal laufen!" Der grinste und winkte ab. "Ich laufe nur noch zum Vereinsheim - da gibt’s wenigstens was zu holen." Und so schloss sich der Kreis eines Abends, an dem Etelsen leer ausging, Northeim aber reicher an Selbstvertrauen wurde. Fazit: Ein verdienter Sieg für die Eintracht, zwei sehenswerte Tore und ein Etelser Publikum, das trotz Niederlage Humor bewies - vielleicht das Schönste an einem bitterkalten Fußballabend. 16.01.643991 10:42 |
Sprücheklopfer
Wir sind insgesamt so gefestigt, dass jeder die Meinung des Trainers akzeptiert.
Dieter Eilts